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Flynn soll Russen auf Anweisung von oben kontaktiert haben

Das Schuldbekenntis von Trumps Ex-Berater könnte endlich Bewegung in die Russlandaffäre bringen.

«Guilty as charged»: Michael Flynn trifft am Bundesgericht in Washington ein.
«Guilty as charged»: Michael Flynn trifft am Bundesgericht in Washington ein.
Susan Walsh, Keystone

Es war erwartet worden, schlug aber dennoch am Freitagmorgen in Washington wie eine Bombe ein: Donald Trumps kurzzeitiger Sicherheitsberater Michael Flynn bekannte sich im Rahmen einer Vereinbarung mit Sonderankläger Robert Mueller schuldig, das FBI bei seiner Einvernehmung am 24. Januar in vier Fällen belogen zu haben.

Flynn war nicht einmal vier Tage im Amt, als er falsche Angaben über Unterhaltungen mit dem damaligen russischen Botschafter in Washington, Sergey Kislyak, machte. Er bestritt, im Dezember 2016 mit Kislyak über US-Sanktionen gegen Moskau sowie über eine UN-Abstimmung bezüglich Israels gesprochen zu haben. Bemerkenswert am Schuldbekenntnis des ehemaligen Generals und Leiters des militärischen Geheimdienstes DIA ist nicht nur, dass er das FBI kurz nach seinem Amtsantritt derart dreist belog.

Bemerkenswert ist überdies, dass Flynn nur in einem Punkt angeklagt wurde und sich schuldig bekannte. Immerhin steht der Ex-General im Verdacht, seine Lobbytätigkeit für die Erdogan-Regierung sowie andere Klienten widerrechtlich verschleiert zu haben. Und er war womöglich in einen Plan verwickelt, den in den USA im Exil lebenden Erdogan-Gegner Fethullah Gülen für eine hohe Geldsumme zu entführen und in die Türkei zu bringen.

Verwicklung des Sohns in die Affären des Vaters

Das angesichts dessen eher bescheidene Schuldbekenntnis des früheren Generals entspringt Flynns Entscheidung, mit Robert Mueller und seinen Strafverfolgern zu kooperieren: Der Sonderermittler könnte Flynn weitere juristische Verfolgungen im Gegenzug für seine Aussagen ersparen Die Motivation des Ex-Generals, sich dem Sonderankläger zu offenbaren, wurde offenbar gestärkt durch die Verwicklung des Sohns in die Affären des Vaters. Flynn mache sich grosse Sorgen um die Zukunft seines Sohns, berichteten dem Ex-General nahestehende Quellen.

Was aber könnte Flynn dem Sonderermittler anbieten? Sein Anwalt erklärte bereits vor Monaten, sein Mandant habe «eine Story zu erzählen», verlange im Gegenzug aber Immunität. Falls sich in der Russlandaffäre tatsächlich Durchstechereien in Donald Trumps Wahlkampfteam ereigneten, wüsste Flynn darüber wahrscheinlich Bescheid: Er war Trumps engster aussenpolitischer Berater, nahezu täglich begleitete er den damaligen Kandidaten im Wahlkampf.

Heute gab Flynn gegenüber dem Sonderermittler jedenfalls an, dass er bei seinen Russlandkontakten auf Anweisung von höherer Stelle aus dem Team des heutigen Präsidenten gehandelt habe. In Washington wurde darauf spekuliert, dass Donald Trump selber den Auftrag erteilt haben könnte. Mit seiner Aussage könnte Flynn den inneren Kreis um Trump oder gar den Präsidenten selber tiefer in die Russlandaffäre ziehen.

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