Folgt Trump Fox News, oder folgt Fox News Trump?

Der US-Sender funktioniert wie ein Staatsfernsehen für Donald Trump. Laut Star-Reporterin Jane Mayer ist die Symbiose perfekt.

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Richard Nixon hatte Pech: Als er 1974 wegen Watergate vom Kongress angeklagt wurde, verfügten US-Konservative über keine nennenswerten Medien, die dem Präsidenten zur Seite hätten stehen können. Nach Nixons erzwungenem Abgang schuf sich das konservative US-Amerika dann Parallelstrukturen zu liberalen Medien und Institutionen. Neben rechten Thinktanks entstanden im Verlauf mehrerer Jahrzehnte konservative Medien, an ihrer Spitze Rupert Murdochs TV-Sender Fox News.

In der neuen Ausgabe des Wochenmagazins «The New Yorker» analysiert die Reporterin Jane Mayer jetzt in einem ausführlichen Artikel die Symbiose zwischen Donald Trump und Fox News, dessen Moderatoren und Talk-Gäste mit wenigen Ausnahmen als Propaganda-Instrumente des Präsidenten agieren. Trump verfolgt die Sendungen seiner Lieblingsmoderatoren jeden Tag und nimmt dort behandelte Themen oft in seine Tweets auf.

Schild und Schwert des Präsidenten

Da Entscheidungsprozesse im Weissen Haus chaotisch ablaufen und Trump beim Regieren improvisiert, üben Fox und besonders Sean Hannity grossen Einfluss auf den Präsidenten aus – vor allem jetzt, da Trump von der demokratischen Opposition im Kongress mit einer Vielzahl von Ermittlungen überzogen wird.

«Inmitten der Skandale des Präsidenten, der Anhörungen vor dem Kongress und der Möglichkeit eines Impeachments ist Fox News für den Präsidenten gleichermassen zu einem Schutzschild wie zu einem Schwert geworden», schreibt Mayer. «Das Weisse Haus und Fox interagieren so nahtlos, dass man innerhalb eines Nachrichtenzyklus kaum herausfinden kann, wer dem anderen folgt», so die Reporterin.

Mächtigster Einflüsterer ist Hannity, der zur besten Sendezeit ein Millionenpublikum treuer Trump-Wähler anlockt und nahezu täglich mit dem Präsidenten telefoniert. Vor den Kongresswahlen im November kletterte der Moderator bei einer Wahlkampfveranstaltung sogar auf die Bühne mit Trump – was ihm einen Verweis seines Senders eintrug. Die Freundschaft hat eine lange Geschichte: Hannity unterstützte Trumps Verschwörungstheorie, wonach Barack Obama nicht in den USA geboren und deshalb ein illegitimer Präsident war.

Der servile Moderator Steve Doocy

Auch jetzt ist der Moderator zur Stelle, wenn sein Freund im Weissen Haus ihn braucht. Nach den schweren Vorwürfen, die Trumps Ex-Anwalt Michael Cohen vergangene Woche erhob, bot Hannity dem Präsidenten eine TV-Bühne an, um politischen Schaden abzuwehren. Was die angeblich von Trump an die Pornodarstellerin Stormy Daniels gezahlten Schweigegelder betreffe, habe Cohen «mir mindestens ein Dutzend Mal versichert, dass er allein die Entscheidung über die Zahlungen getroffen hat, ohne Ihnen etwas davon zu sagen», versuchte der Fox-Mann Trump zu entlasten.

Laut Mayer stuft der Präsident die Moderatoren seines Haussenders je nach ihrer Treue zu ihm ein. Hannity ist ganz oben, wird aber noch übertroffen vom besonders servilen Moderator Steve Doocy. In dessen morgendlicher Sendung «Fox and Friends» läuft Murdochs Agitprop-Maschine stets auf Hochtouren: Russland-Sonderermittler Robert Mueller ist ein Büttel des «Deep State», nicht Trump hat mit Moskau kollaboriert, sondern Hillary Clinton, nicht der Präsident ist korrupt, sondern das FBI.

Ein klarer Fall von Amtsmissbrauch

Ist der Präsident gelegentlich zu einem politischen Kompromiss bereit wie etwa bei der Kontroverse um seine Grenzmauer zu Mexiko, geht Fox in die Offensive: Mehrmals schon knickte Trump nach heftiger TV-Kritik ein und schwenkte auf die harte Linie seiner Lieblingsmoderatoren bei Fox ein. Es waren Fox-Moderatoren wie Hannity und rechte Radio-Talker wie Rush Limbaugh, die Trump im Dezember zum Shutdown der US-Regierungsgeschäfte anstifteten.

Für die publizistischen Salven des Senders zeigt sich der Präsident nicht nur mit Lob für Fox News erkenntlich. Er favorisiert Murdochs Medienimperium überdies bei der staatlichen Regulierung amerikanischer TV-Medien.

Den Zusammenschluss der Medienriesen AT&T und Time Warner versuchte Trump indes nicht nur Murdoch zuliebe zu verhindern. Offenbar ging die negative Berichterstattung von Time Warners Nachrichtenkanal CNN dem Präsidenten so unter die Haut, dass er Mayer zu Folge von seinem damaligen Wirtschaftsberater Gary Cohn verlangte, das US-Justizministerium müsse den Deal torpedieren – ein klarer Fall von Amtsmissbrauch.

Cohn weigerte sich und warnte Trumps Stabschef John Kelly: «Wagen Sie ja nicht, das Justizministerium anzurufen, wir machen so etwas nicht.» Das Justizministerium klagte dennoch gegen die Fusion, verlor jedoch vor Gericht.

«Die Wahrheit ist, dass autoritäre Gesellschaften durchaus funktionieren können.»Rupert Murdoch, Medienmogul, 1995

Obwohl sich Rupert Murdoch unter Freunden regelmässig über Trump lustig machte, favorisierte er ihn als geeigneten Präsidentschaftskandidaten für die überwiegend konservativen und älteren Zuschauer von Fox News. Dass Trump autoritäre Tendenzen besass, störte Murdoch nicht. «Die Wahrheit ist – und wir Amerikaner geben das nicht gern zu –, dass autoritäre Gesellschaften durchaus funktionieren können», sagte er 1995 in einem Interview mit dem «New Yorker».

Tatsächlich begrub Fox kurz vor der US-Präsidentschaftswahl im November 2016 eine Recherche, welche die Zahlung von Schweigegeldern an Stormy Daniels enthüllt hätte. Diana Falzone, eine junge Journalistin bei Foxnews.com, hatte die Geschichte fertig, wurde jedoch an ihrer Veröffentlichung gehindert. «Gute Arbeit, Kid, aber Rupert möchte, dass Donald Trump gewinnt», zitiert Mayer den Vorgesetzten von Falzone.

Je intensiver Trump in den kommenden Monaten von den Kongressdemokraten bedrängt wird, desto heftiger dürfte die Reaktion seiner medialen Hilfstruppe bei Fox News ausfallen. Im Gegensatz zur Richard Nixon wird der jetzige Präsident damit ein mächtiges Megafon besitzen, mit dem er seine Anhängerschaft mobilisieren kann.

Erstellt: 06.03.2019, 18:50 Uhr

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