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Folter-Vorwürfe gegen mexikanische Polizei

Eineinhalb Jahre nach dem Verschwinden von 43 Studenten in Mexiko gibt es Hinweise auf Misshandlung von mindestens 17 Verdächtigen in Haft.

«Uns fehlen 43!»: Verwandte der verschwundenen Studenten sind bei der Präsentation des Berichts der internationalen Experten dabei. (24. April 2016)
«Uns fehlen 43!»: Verwandte der verschwundenen Studenten sind bei der Präsentation des Berichts der internationalen Experten dabei. (24. April 2016)
Sashenka Gutierrez, Keystone

Eine Expertengruppe der Interamerikanischen Menschenrechtskommission (CIDH) spricht in dem am Sonntag (Ortszeit) vorgelegten Abschlussbericht von einer «perfekten Koordination» bei der Attacke auf die linken Studenten. Polizei und organisierte Kriminalität hätten in der Nacht des 26. September 2014 gemeinsam agiert, «um die Flucht der Autobusse zu verhindern, in denen die Studenten waren», betonte die kolumbianische Staatsanwältin Ángela Buitrago.

Sowohl die Polizei von Iguala im Bundesstaat Guerrero als auch die Bundespolizei hätten mehrere Posten errichtet, damit die Busse nicht entwischen. Die Studenten eines als politisch links geltenden Lehrerseminars hatten Busse gekapert und wollten zu einer politischen Kundgebung in die Hauptstadt fahren.

Bei der Attacke starben sechs Menschen, 43 Studenten verschwanden. Die Polizei soll sie der kriminellen Organisation Guerreros Unidos übergeben haben. Bandenmitglieder räumten ein, die jungen Leute getötet und ihre Leichen auf einer Müllkippe verbrannt zu haben.

An der offiziellen Darstellung des Tathergangs gibt es aber erhebliche Zweifel. So halten argentinische Forensik-Experten die Müllkippen-Theorie nach der Bewertung von biologischen und nicht biologischen Spuren für unwahrscheinlich.

Untersuchung gefordert

Die unabhängigen Ermittler aus Kolumbien, Chile, Guatemala und Spanien fordern nun in ihrem 605-Seiten-Report, das Verhalten von Bundespolizisten und Militärs an jenem Abend zu untersuchen. Der mexikanische Staat habe während ihrer eigenen einjährigen Untersuchungen «wenig Interesse» daran gezeigt, neue Ermittlungsansätze zu verfolgen.

Zudem sei es ihnen «unmöglich» gemacht worden, 17 in Haft sitzende Verdächtige zu befragen. Mit einer Medienkampagne sei versucht worden, die Arbeit der internationalen Experten zu diskreditieren.

All dies zeige, dass «einige Bereiche (der mexikanischen Behörden) nicht an der Wahrheit interessiert sind», sagte der kolumbianische Ermittler Alejandro Valencia bei der Vorstellung des Abschlussberichts. Die Regierung in Mexiko-Stadt hatte dagegen stets betont, sie arbeite mit der Ermittlergruppe zusammen.

Hinweise auf Misshandlung und Folter

Die internationalen Ermittler sind seit März 2015 auf Bitten der Angehörigen der Verschwundenen im Land. Der mexikanische Präsident Enrique Peña Nieto dankte den internationalen Experten via Twitter und erklärte, die Generalstaatsanwaltschaft werde den Bericht «zur Bereicherung seiner Ermittlungen» auswerten.

Im Abschlussbericht heisst es unter Berufung auf medizinische Gutachten auch, es gebe «bedeutsame Hinweise auf Misshandlung und Folter» von mindestens 17 der insgesamt mehr als hundert in dem Fall festgenommenen Verdächtigen in der Haft.

Verdächtige hätten berichtet, sie seien mit Elektroschocks an den Genitalien gefoltert oder ihnen sei ein Sack über den Kopf gestülpt worden. Die mexikanische Generalstaatsanwaltschaft erklärte in einer Reaktion, insgesamt 31 Verdächtige hätten Foltervorwürfe erhoben.

SDA/sep

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