Zum Hauptinhalt springen

Trump sieht Schuld bei Rechten und Linken

US-Präsident Donald Trump hat seine erste Reaktion auf die Gewalt in Charlottesville verteidigt. Der Chef der wichtigsten US-Gewerkschaft hat sich danach zurückgezogen.

chk
Verteidigt sein Statement: Trump sieht die Schuld auf beiden Seiten. (Video: Tamedia/AP)

US-Präsident Donald Trump hat seine umstrittene Reaktion auf rechtsextreme Gewalt in Charlottesville verteidigt. Es gebe «Verschulden auf beiden Seiten», beharrte er. Der Chef der wichtigsten US-Gewerkschaft zog sich danach aus einem Beirat des Präsidenten zurück.

«Es gab auf der einen Seite eine Gruppe, die schlimm war, und es gab auf der anderen Seite eine Gruppe, die ebenfalls sehr gewalttätig war», sagte Trump an einer hitzigen Pressekonferenz im Trump Tower in New York. Damit verteidigte der US-Präsident Neonazis gegen Gegendemonstranten.

Wollte kein «schnelles Statement» zu Charlottesville abgeben: US-Präsident Donald Trump im Trump Tower in New York. (15. August 2017)
Wollte kein «schnelles Statement» zu Charlottesville abgeben: US-Präsident Donald Trump im Trump Tower in New York. (15. August 2017)
Martinez Monsivais, Keystone
«Wir können nicht dem Beirat eines Präsidenten angehören, der Intoleranz und heimischen Terrorismus toleriert»: Richard Trumka vom Verband AFL-CIO. (Archivbild)
«Wir können nicht dem Beirat eines Präsidenten angehören, der Intoleranz und heimischen Terrorismus toleriert»: Richard Trumka vom Verband AFL-CIO. (Archivbild)
Andrew Harnik, Keystone
Landesweite Proteste nach der Gewalt in Charlottesville: Demonstranten in Chicago tragen Puppen von Donald Trump und Mike Pence. (13. August 2017)
Landesweite Proteste nach der Gewalt in Charlottesville: Demonstranten in Chicago tragen Puppen von Donald Trump und Mike Pence. (13. August 2017)
Joshua Lott, AFP
Landesweite Proteste nach der Gewalt in Charlottesville: Demonstranten in Chicago tragen Puppen von Donald Trump und Jeff Sessions. (13. August 2017)
Landesweite Proteste nach der Gewalt in Charlottesville: Demonstranten in Chicago tragen Puppen von Donald Trump und Jeff Sessions. (13. August 2017)
Scott Olson/Getty Images, AFP
«Bringt Rassisten wieder das Fürchten bei»: Eine Demonstrantin in Chicago.
«Bringt Rassisten wieder das Fürchten bei»: Eine Demonstrantin in Chicago.
Scott Olson/Getty Images, AFP
Auch vor dem Weissen Haus in Washington kam es zu Protesten.
Auch vor dem Weissen Haus in Washington kam es zu Protesten.
Michael Reynolds/EPA
Stösst auf harsche Kritik an seiner Haltung zu den Vorfällen in Charlottesville: US-Präsident Donald Trump. (12. August 2017)
Stösst auf harsche Kritik an seiner Haltung zu den Vorfällen in Charlottesville: US-Präsident Donald Trump. (12. August 2017)
Pablo Martinez Monsivais, Keystone
Trump wird parteiübergreifend kritisiert, weil er die rechtsextremen Demonstranten nicht klar als Schuldige benannte.
Trump wird parteiübergreifend kritisiert, weil er die rechtsextremen Demonstranten nicht klar als Schuldige benannte.
Chip Somodevilla/Getty Images
Es gibt Bilder und Videos des Vorfalls, die zeigen, wie das Auto in die Gegendemonstration fährt: Hier das Fahrzeug kurz vor der Kollision... (12. August 2017)
Es gibt Bilder und Videos des Vorfalls, die zeigen, wie das Auto in die Gegendemonstration fährt: Hier das Fahrzeug kurz vor der Kollision... (12. August 2017)
The Daily Progress via AP, Keystone
Die Kollision: Die Menschen werden durch die Wucht des Aufpralls durch die Luft gewirbelt. (12. August 2017)
Die Kollision: Die Menschen werden durch die Wucht des Aufpralls durch die Luft gewirbelt. (12. August 2017)
Ryan M. Kelly/The Daily Progress via AP, Keystone
Vor der Attacke ist es zu Ausschreitungen zwischen weissen Nationalisten und Gegendemonstranten gekommen. (12. August 2017)
Vor der Attacke ist es zu Ausschreitungen zwischen weissen Nationalisten und Gegendemonstranten gekommen. (12. August 2017)
Steve Helber, Keystone
Rettungskräfte kümmern sich nach der Attacke um Verletzte.  (12. August 2017)
Rettungskräfte kümmern sich nach der Attacke um Verletzte. (12. August 2017)
Steve Helber, Keystone
Das Auto soll einem 20-Jährigen aus Ohio gehören.
Das Auto soll einem 20-Jährigen aus Ohio gehören.
Ryan M. Kelly, Keystone
Beide Seiten gingen in der Stadt Charlottesville mit Schlagstöcken, Flaschen und Wurfgeschossen aufeinander los,
Beide Seiten gingen in der Stadt Charlottesville mit Schlagstöcken, Flaschen und Wurfgeschossen aufeinander los,
Chip Somodevilla/Getty Images
Die Polizei verhängte ein Versammlungsverbot. Die Behörden riefen den Ausnahmezustand aus.
Die Polizei verhängte ein Versammlungsverbot. Die Behörden riefen den Ausnahmezustand aus.
Virginia State Police, AFP
Dabei standen Hunderte Rechtsextreme in paramilitärischen Uniformen ebenso vielen Anhängern antifaschistischer Gruppen gegenüber.
Dabei standen Hunderte Rechtsextreme in paramilitärischen Uniformen ebenso vielen Anhängern antifaschistischer Gruppen gegenüber.
Chip Somodevilla/Getty Images
Zu den Krawallen kam es vor Beginn eines Marsches unter dem Motto «Vereint die Rechte».
Zu den Krawallen kam es vor Beginn eines Marsches unter dem Motto «Vereint die Rechte».
Steve Helber, Keystone
Unter Buhrufen schwenkten die rechten Teilnehmer die Flagge der sklavenhaltenden Südstaaten aus dem Bürgerkrieg.
Unter Buhrufen schwenkten die rechten Teilnehmer die Flagge der sklavenhaltenden Südstaaten aus dem Bürgerkrieg.
Chip Somodevilla/Getty Images
Zu der Demonstration aufgerufen hatte neben dem Ku-Klux-Klan auch die sogenannte Alt-Right-Bewegung, die neonazistisches Gedankengut vertritt und US-Präsident Donald Trump unterstützt.
Zu der Demonstration aufgerufen hatte neben dem Ku-Klux-Klan auch die sogenannte Alt-Right-Bewegung, die neonazistisches Gedankengut vertritt und US-Präsident Donald Trump unterstützt.
Steve Helber, Keystone
1 / 21

Trump verwies sowohl auf die Mitglieder mehrerer rechtsextremer Gruppierungen, die sich am Wochenende in der Universitätsstadt im Bundesstaat Virginia getroffen hatten, als auch auf Gegendemonstranten. Eine 32-jährige Frau starb, als ein 20-jähriger Neonazi sein Auto offenbar absichtlich in eine Gruppe von Gegendemonstranten steuerte.

Trump hatte eine klare Schuldzuweisung an Rechtsextreme zunächst vermieden und von Gewalt auf «vielen Seiten» gesprochen. Bei zahlreichen Politikern der Demokraten, aber auch bei Trumps Republikanern, hatte dies scharfe Kritik hervorgerufen. Erst mit zwei Tagen Verspätung distanzierte sich Trump am Montag auf massiven Druck hin eindeutig von der rechtsextremen Gewalt.

Fakten abgewartet

Auf die Frage, warum er zwei Tage gewartet habe, bevor er die rechtsextreme Gewalt ausdrücklich verurteilt habe, sagte Trump, er habe kein «schnelles Statement» abgeben, sondern zunächst alle Fakten abwarten wollen. Er habe «sehr genau hingeschaut, sehr viel genauer als die meisten Leute», führte er weiter aus. Beide Gruppen in Charlottesville seien aggressiv gewesen. Dies wolle nur niemand zugeben.

Donald Trump verteidigt in New York seine erste Reaktion zur Gewalt in Charlottesville. (Video: Youtube/CNN)

Sicht- und hörbar schwer verärgert sagte Trump, in Charlottesville seien längst nicht nur Rassisten und Nationalisten auf der Strasse gewesen, sondern auch unschuldige Demonstranten, die etwa am Vorabend friedlich gegen den Abriss der Statue des Südstaatengenerals Robert E. Lee hätten protestieren wollen. Es habe «auf beiden Seiten sehr anständige Leute» gegeben.

Am Vorabend der Zusammenstösse waren in Charlottesville Neonazis und andere Ultrarechte durch die Stadt gezogen, unter ihnen der rassistische Ku Klux Klan und die Alt-Right-Bewegung, die Trump im Präsidentschaftswahlkampf unterstützt hatte. Viele trugen Fackeln, hatten den rechten Arm zum Hitlergruss erhoben und riefen «Tod den Juden!». Manche Teilnehmer gaben sich auf Mützen und T-Shirts als Trump-Anhänger zu erkennen.

Ku-Klux-Klan-Chef dankt Trump

Minuten nach Trumps Einlassungen twitterte der frühere Ku-Klux-Klan-Chef David Duke, er danke dem Präsidenten für seine Aufrichtigkeit und den Mut, die Wahrheit zu Charlottesville auszusprechen und die «Linksterroristen» in der Bewegung «Black Lives Matter» und der Antifa zu verdammen.

Trump sagte, die Ereignisse von Charlottesville seien ein schrecklicher Moment für die USA gewesen. Mit seine Einlassungen vom Dienstag fiel der Präsident deutlich hinter sein Statement vom Montag zurück. US-Medien wiesen darauf hin, dass Trumps Argumentation der rechter Talk-Radios sehr ähnlich sei. Diese Sender sind wichtig für Trumps Basis.

Klare Worte fand UNO-Generalsekretär Antonio Guterres. Er verurteilte Rassismus und Fremdenfeindlichkeit. «Wir müssen dem entgegentreten. Immer. Überall», erklärte Guterres am Dienstag per Twitter. «Rassismus, Fremdenfeindlichkeit, Anti-Semitismus und Islamfeindlichkeit vergiften unsere Gesellschaften.»

Exodus aus Beratergremium

Aus Protest gegen Trumps jüngste Reaktion auf die rechtsextreme Gewalt zog sich nun auch der Chef des grössten Gewerkschaftsdachverbands aus einem der Beratergremien des Präsidenten zurück. «Wir können nicht dem Beirat eines Präsidenten angehören, der Intoleranz und heimischen Terrorismus toleriert», erklärte Richard Trumka von dem Verband AFL-CIO am Dienstag.

Trumka warf Trump vor, mit seinen jüngsten Bemerkungen seine «aufgezwungene» Erklärung zu den Vorfällen vom Vortag zu widerrufen.

Aus Protest über Trumps Verhalten hatten bereits die Chefs des Pharmariesens Merck, des Chipherstellers Intel sowie des Sportartikelherstellers Under Armour den Industriebeirat des Präsidenten verlassen. Ihnen folgte am Dienstag der Präsident des Industrieverbands «Alliance for American Manufacturing», Scott Paul.

Zukunft des Chefstrategen offen

Zugleich verteidigte Trump seinen umstrittenen Chefstrategen Steve Bannon, dessen einstiges Internet-Portal «Breitbart News» für das Erstarken der antisemitischen und rassistischen Alt-Right-Bewegung mitverantwortlich gemacht wird. Dieser sei «ein guter Mann, kein Rassist», erklärte Trump. Er sei sein Freund und er möge ihn.

Er liess Bannons Zukunft im Weissen Haus aber im Unklaren. «Wir werden sehen, was mit Herrn Bannon geschieht», sagte Trump. US-Medien hatten zuvor berichtet, Bannon stehe möglicherweise kurz vor der Entlassung. Bannon gilt als einer der Köpfe hinter den Machtkämpfen im Weissen Haus.

(SDA)

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch