Geheimoperationen, Sex und eine Scheinbeziehung

Maria Butina wird von US-Ermittlern verdächtigt, eine russische Spionin zu sein. Vor Gericht wurden nun neue Details bekannt.

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Maria Butina wirkt wie eine gewöhnliche junge Frau. Zumindest wenn man sich ihre Profile auf Facebook, Twitter oder YouTube ansieht. In den sozialen Netzwerken war die 29-Jährige bis vor Kurzem sehr präsent – wie andere in ihrem Alter auch.

Eine russische Spionin würde sich öffentlich doch eher bedeckt halten und nicht derart ungeniert ihr Privatleben preisgeben, möchte man glauben. Doch US-Ermittler werfen Butina vor, für den russischen Geheimdienst gearbeitet zu haben.

Am vergangenen Wochenende wurde die junge Frau festgenommen. Am Mittwoch hatte sie nun ihren ersten Termin vor Gericht. Auf 29 Seiten beschreiben die Ermittler das angebliche Doppelleben von Butina. Offiziell studierte sie an der «American University» in Washington und führte eine Beziehung mit einem republikanischen Politiker aus South Dakota.

Im Geheimen sei sie jedoch mit hochrangigen Offiziellen in Moskau in Kontakt gewesen und habe in den USA für die Russen spioniert. Die Liebesbeziehung zu dem Republikaner sei nur zum Schein geführt worden und Teil ihres Jobs gewesen. Sie habe zudem einem anderen Amerikaner Sex angeboten «im Tausch für eine Position in einer speziellen Organisation», heisst es in dem Schriftstück.

Butina wollte offenbar das Land verlassen

Bei dem Gerichtstermin am Mittwoch wurden einige neue Details über Butina bekannt. Die Ermittler präsentierten die Informationen der Richterin, um zu verhindern, dass die vermeintliche Spionin vor ihrem Prozess wegen Verschwörung und illegaler Tätigkeit als ausländische Agentin auf Kaution freikomme.

Es bestehe Fluchtgefahr, so die Ermittler. Wie die Gerichtsdokumente zeigen, war Butina gerade dabei, Geld ausser Landes zu schaffen. Sie hatte schon die Umzugskisten gepackt und ihre Mietwohnung gekündigt.

Die 29-Jährige wird beschuldigt, die US-Waffenlobby National Rifle Association (NRA) sowie die republikanische Partei infiltriert zu haben. Der Politiker, mit dem Butina die Scheinbeziehung führte, ist in den Dokumenten nicht identifiziert. US-Medien glauben jedoch, dass es sich um den 56-jährigen Paul Erickson handelt. Der konservative Politiker gilt als Waffennarr und Aktivist für das Recht, Waffen zu besitzen.

«Verachtung für den Liebhaber»

Privat habe die Russin «Verachtung» für ihren Lebensgefährten geäussert, behaupten die Ermittler. Doch sie habe den Mann für verdeckte Operationen instrumentalisiert. Offenbar wusste er von Butinas Beziehungen zu einem russischen Regierungsmitarbeiter.

Butina soll während ihrer Operationen in den USA von Alexander Torshin angewiesen worden sein, dem Vize-Chef der russischen Zentralbank mit Beziehungen zum russischen Geheimdienst. Am Tag von Donald Trumps Amtseinführung schickte Butina Torshin ein Foto von sich in der Nähe des US-Kapitols in Washington, so die Ermittler. Torshin habe ihr geantwortet: «Du bist ein tollkühnes Mädchen! Was soll ich sagen!» Und Butina antwortete: «Gute Lehrer!»


KGB-Choreografie am Gipfeltreffen Zunächst die Wartezeit, dann ein bisschen Sympathie. Und schliesslich die Wahrheit – oder was der andere als Wahrheit gebrauchen kann. (Abo+)


Amerikanische Geheimagenten hätten Butina auch bei einem Abendessen mit einem russischen Diplomaten beobachtet, der ebenfalls in Verdacht steht, für den Geheimdienst zu arbeiten. Zudem habe die 29-Jährige mit einem weiteren wohlhabenden russischen Geschäftsmann in Verbindung gestanden.

Studium nur als Tarnung

Butina bestreitet alle Anschuldigungen. Ihr Anwalt sagt, sie sei eine legale Studentin gewesen, die kürzlich ihr Studium in Internationalen Beziehungen mit einem Master abgeschlossen habe. Die Ermittler behaupten jedoch, die 29-Jährige habe ihr Studium nur mit Hilfe ihres amerikanischen Liebhabers bestanden.

«In anderen Worten, obwohl sie den Unterricht besuchte und die Kurse mit Hilfe von aussen bewältigte, war das Besuchen der American University Butinas Tarnung, während sie weiterhin für russische Offizielle arbeitete», heisst es in den Gerichtsunterlagen.

Das russische Aussenministerium zeigte sich «bestürzt» über die Verhaftung der 29-Jährigen. Das Gericht ordnete am Mittwoch an, dass Butina in Haft zu bleiben habe. Die nächste Anhörung ist für 24. Juli anberaumt. Sollte die junge Frau bei einem Prozess der Spionage für schuldig befunden werden, drohen ihr bis zu 15 Jahre Haft.

Erstellt: 19.07.2018, 09:31 Uhr

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