«Papi, Papi!» – Guaidós Tochter stiehlt ihrem Vater die Show

Ein Schmunzeln im bitteren Machtkampf um Venezuela: Während Juan Guaidó die Repressalien des Regimes erklärt, unterbricht ihn seine Tochter.

«Papi, Papi!»: Juan Guaidó mit seiner Tochter Miranda vor den Medien in Caracas. (31. Januar 2019) Video: Twitter

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Wie auch sein politischer Mentor Leopoldo López ist Juan Guaidó ein begnadeter und charismatischer Redner. Doch bei seinem letzten Presseauftritt machte ihm seine Tochter Miranda, die Guaidó medienwirksam mit vor die Kameras nahm, einen Strich durch die Rechnung. Dabei hätte der Kontrast kaum grösser sein können: Während Guaidó die Repressalien der Diktatur erläuterte, mussten die anwesenden Journalisten schmunzeln, weil ihn seine Tochter immer wieder unterbrach.

Der Oppositionelle wollte erklären, dass Spezialkräfte der Nationalpolizei in seinem Wohnblock nach seiner Frau Fabiana gefragt hätten, um die Familie einzuschüchtern: «Das Ziel [der Spezialkräfte] ist klar...» – «Papi, Papi!» – «Sie werden unsere Familie nicht...» – «Papi!» – «Sie haben Jugendliche umgebracht...» – «Papi, Papi!» Trotz des heiteren Moments blieb der Hintergrund von Guaidós Auftritt indes bitterer Ernst.

«Wir brauchen die Unterstützung pro-demokratischer Regierungen»

Der 35-jährige Parlamentschef Guaidó hatte sich am 23. Januar als Übergangspräsident vereidigen lassen. Im seither tobenden Machtkampf in Venezuela legen sich der autoritäre Herrscher Nicolás Maduro und Guaidó mächtig ins Zeug, um die Militärs auf ihre Seite zu ziehen. Zuletzt schrieb der Oppositionelle in einem Gastbeitrag für die «New York Times», er habe sich bereits heimlich mit Vertretern der Streit- und Sicherheitskräfte getroffen. Für einen Regierungswechsel sei es entscheidend, dass das Militär Maduro die Unterstützung entziehe. Um Maduros Präsidentschaft «mit einem Minimum an Blutvergiessen» zu beenden, «brauchen wir die Unterstützung pro-demokratischer Regierungen, Institutionen und Einzelpersonen auf der ganzen Welt», schrieb Guaidó weiter.

Die Mehrheit der Diensthabenden sei sich darin einig, dass die Missstände in dem Erdölland unhaltbar seien. «Die Unzufriedenheit der Streitkräfte wird irgendwann vollkommen sein», sagte Guaidó der Online-Ausgabe der spanischen Zeitung «El País». Dies werde dann die Gelegenheit für die Streitkräfte sein, sich auf die Seite der Verfassung zu stellen.

Amnestie angeboten

Der selbsternannte Interimspräsident lockt die Soldaten mit Straffreiheit, wenn sie ihn unterstützen. «Wir haben all jenen Amnestie angeboten, die sich keiner Verbrechen gegen die Menschlichkeit schuldig gemacht haben», schrieb Guaidó, der eine Neuwahl in Venezuela fordert.

«Wenn Teile des Militärs mit ausreichender Feuerkraft mit Maduro brechen, könnten sie ihm die Macht entziehen oder ihn dazu zwingen, über seinen Rücktritt zu verhandeln», schrieb Phil Gunson vom Forschungsinstitut Crisis Group in einer Analyse. «Eine solche Entwicklung könnte Guaidó theoretisch dazu befähigen, die Regierung zu übernehmen und Neuwahlen auszurufen.»

Der 35-jährige Parlamentschef Guaidó hatte sich am 23. Januar als Übergangspräsident vereidigen lassen. Die von der Opposition kontrollierte, aber entmachtete Nationalversammlung hatte zuvor ein Amnestiegesetz gebilligt, das Militärs Straffreiheit zusichert, wenn sie sich an der Wiederherstellung der demokratischen Ordnung beteiligen.

Die Gefahr eines Bürgerkriegs in Venezuela sieht Guaidó nicht. «Warum nicht? Weil 90 Prozent der Bevölkerung einen Wechsel wollen», sagte er der spanischen Zeitung.

Generäle unterstützen bisher Maduro

Bislang halten die Generäle öffentlich noch zu Maduro. Hochrangige Militärs sitzen auf wichtigen Posten in der Erdölwirtschaft, kontrollieren den Import von Lebensmitteln und leiten Banken und Bergbauunternehmen. Zudem sollen einige auch in kriminelle Geschäfte verwickelt sein. Sie haben wenig Interesse an einem Regierungswechsel. Der einzige ranghohe Offizier, der Maduro bislang die Gefolgschaft aufgekündigt und sich Guaidó angeschlossen hat, ist der Militärattaché in Washington, Oberst José Luis Silva Silva.

Doch unter den Mannschaften soll es Medienberichten zufolge brodeln. Die einfachen Soldaten profitieren nicht von den Privilegien der Führungsriege und leiden ebenso wie die Zivilbevölkerung unter der katastrophalen Versorgungslage im Land.

Flammende Appelle

Angesichts der Abwerbeversuche und des wachsenden Drucks aus Washington schwor Maduro die Soldaten auf die Verteidigung des Landes ein. «Ich rufe die Streitkräfte zu einer grossen militärischen Erneuerung auf, um zu garantieren, dass der nordamerikanische Imperialismus niemals einen Fuss auf unser Territorium setzt», sagte er am Mittwoch bei einem Truppenbesuch.

Sollten die Militärs allerdings zu dem Schluss kommen, dass Maduro nicht länger zu halten ist, dürfte ihm die flammenden Appelle wenig helfen. «In entscheidenden Momenten haben wir gesehen, dass sich die Militärs an die realen Machtoptionen anpassen. Sie sind eher Pragmatiker als Idealisten», sagte Rocío San Miguel von Control Ciudadano in einem Radiointerview.

EU-Parlament unterstützt Guaidó

Auf dem diplomatischen Parkett erzielte Guaidó einen weiteren Erfolg. Das EU-Parlament erkannte ihn als rechtmässigen Übergangsstaatschef des südamerikanischen Landes an. Gleichzeitig forderten die Abgeordneten die Regierungen der EU-Staaten auf, dieser Entscheidung zu folgen.

Die USA und zahlreiche lateinamerikanische Länder haben Guaidó bereits als legitimen Interimspräsidenten anerkannt. Zudem haben mehrere europäische Staaten Maduro ein Ultimatum gestellt: Ruft er bis zum Sonntag keine freien und fairen Wahlen aus, wollen unter anderem Deutschland, Frankreich, Spanien und Grossbritannien Guaidó als Übergangspräsidenten anerkennen.

(oli/mac/sda)

Erstellt: 31.01.2019, 19:59 Uhr

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