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Gott war Brasilianer

Zehn Jahre lang schwelgte Brasilien in Optimismus. Doch die Euphorie über den vermeintlichen Aufstieg zur Grossmacht war verfrüht.

Im Juni 2013, anlässlich des Konföderationen-Cups, brachen in mehreren Städten Brasiliens Demonstrationen aus. Damit erschien die Erfolgsgeschichte des südamerikanischen Landes im vergangenen Jahrzehnt plötzlich in einem anderen Licht. Bild: Eine Protestaktion an der Copacabana in Rio de Janeiro erinnert an die Toten der Demonstrationen.
Im Juni 2013, anlässlich des Konföderationen-Cups, brachen in mehreren Städten Brasiliens Demonstrationen aus. Damit erschien die Erfolgsgeschichte des südamerikanischen Landes im vergangenen Jahrzehnt plötzlich in einem anderen Licht. Bild: Eine Protestaktion an der Copacabana in Rio de Janeiro erinnert an die Toten der Demonstrationen.
Keystone
Auslöser der Demonstrationen war eine Erhöhung der Preise für öffentliche Verkehrsmittel in São Paolo. Nach Übergriffen der Polizei entlud sich landesweit die Unzufriedenheit über Spitäler und Schulen, Korruption und Alltagskriminalität in gewalttätigen Aktionen, so auch in Rio de Janeiro (Bild).
Auslöser der Demonstrationen war eine Erhöhung der Preise für öffentliche Verkehrsmittel in São Paolo. Nach Übergriffen der Polizei entlud sich landesweit die Unzufriedenheit über Spitäler und Schulen, Korruption und Alltagskriminalität in gewalttätigen Aktionen, so auch in Rio de Janeiro (Bild).
Keystone
Obwohl die siebtgrösste Volkswirtschaft der Welt ins Stottern geraten ist, will Luiz Carlos Mendonça de Barros nichts von Pessimismus wissen. Der einstige Präsident der mächtigen brasilianischen Entwicklungsbank ist heute Chef eines Investitions- und Beratungsunternehmens in São Paulo.
Obwohl die siebtgrösste Volkswirtschaft der Welt ins Stottern geraten ist, will Luiz Carlos Mendonça de Barros nichts von Pessimismus wissen. Der einstige Präsident der mächtigen brasilianischen Entwicklungsbank ist heute Chef eines Investitions- und Beratungsunternehmens in São Paulo.
AFP
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Brasiliens Aufstiegseuphorie ist verflogen, und das ausgerechnet im Jahr der Fussball-WM. Das Land, das dem Traum von der Ersten Welt nachhing, das Lateinamerikas ökonomische und poli­tische Führungsmacht werden wollte, das internationale Investoren anzog und begonnen hatte, das Klischee sambabeschwingter, aller Armut trotzender Frivolität abzuschütteln – es fürchtet einmal mehr den Fluch, den der österreichische Schriftsteller und Emigrant Stefan Zweig in seinem 1941 erschienenen Buch «Brasilien. Ein Land der Zukunft» evoziert hatte: Brasilien, Hort des ewigen, stets enttäuschten Optimismus.

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