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«Grösster Kontrollfreak aller Zeiten» tritt bald als Chef der NSA ab

Nach acht Jahren an der Spitze der National Security Agency wird General Keith Alexander als deren Chef zurücktreten. Auch Alexanders Vize geht. Damit würde die Bahn frei für einen Umbau der NSA.

Chef von Zehntausenden Soldaten, Mathematikern und Spionen: Der Vier-Sterne-General Keith Alexander.
Chef von Zehntausenden Soldaten, Mathematikern und Spionen: Der Vier-Sterne-General Keith Alexander.
Reuters

Die Chefs des wegen seiner Lauschaktionen umstrittenen US-Geheimdienstes NSA werden nach Angaben aus Regierungskreisen in den kommenden Monaten ihre Posten räumen. Eine Gelegenheit für US-Präsident Barack Obama, den auch international in Kritik geratenen Geheimdienst neu aufzustellen.

NSA-Chef und Armeegeneral Keith Alexander habe erklärt, er werde sich bis März oder April zurückziehen, hiess es am Mittwoch. In einem seltenen Portrait nannte das Magazin «Wired» Alexander den «grössten Kontrollfreak aller Zeiten». Sein Stellvertreter John Inglis, ein Zivilist, werde die NSA, die als mächtigster der 16 amerikanischen Spionagedienste gilt, wohl bereits Ende dieses Jahres verlassen.

Admiral als Nachfolgekandidat gehandelt

Als aussichtsreicher Kandidat für die Nachfolge des 61-jährigen Alexander gelte Vize-Admiral Michael Rogers, der derzeit die 10. US-Flotte und das US-Flotten-Cyber-Command, das Kommando der Marine für die virtuelle Kriegsführung, leitet. Eine Entscheidung sei aber noch nicht gefallen, hiess es in den Kreisen. Auch andere Kandidaten könnten in Betracht kommen.

NSA-Sprecherin Vanee Vines sagte der Nachrichtenagentur Reuters, Alexander wolle den Geheimdienst im Frühjahr verlassen, nachdem seine Dienstzeit bereits dreimal verlängert worden sei. «Das hat nichts mit Medienberichten zu tun, die Entscheidung für seinen Rückzug ist vorher gefallen», teilte Vines mit.

Mit dem Verteidigungsministerium war Alexander ihren Angaben zufolge übereingekommen, seine Amtszeit bis März 2014 zu verlängern. Er steht seit August 2005 an der Spitze des Geheimdienstes und ist damit der NSA-Chef mit der längsten Amtszeit.

Längste Amtszeit

Alexander führt auch den militärischen Auslandsgeheimdienst CSS (Central Security Service) und das Cyber Command, welches quasi Amerikas neue Truppe für Internetkriege ist. Ihm unterstehen Zehntausende Soldaten, Mathematiker, Spione und Informatiker. Inglis hat seine Karriere bei der NSA als Spezialist für Computer-Sicherheit begonnen. Seit 2006 ist er Alexanders Stellvertreter.

Mit dem Weggang von Alexander und Inglis kann Obama entscheiden, ob die NSA und das Cyber Command noch getrennte Führungen haben sollen. Immerhin hat das Cyber Command, das sowohl mit dem Führen virtueller Verteidigungs- als auch Angriffskriege betraut ist, in den vergangenen Jahren an Bedeutung gewonnen.

Snowdens Vater meldet sich zu Wort

Die NSA geriet dieses Jahr in die Kritik, als der frühere Mitarbeiter Edward Snowden Ausspähaktivitäten des Geheimdienstes enthüllte und Zehntausende geheime Dokumente der NSA und des mit ihr kooperierenden britischen Geheimdienstes an Medien weitergab. Unter anderem in Deutschland und Brasilien löste die massenhafte Ausspähung von Bürgern Empörung aus.

Snowden hält sich seit Ende Juni in Russland auf, wo er politisches Asyl gefunden hat. Sein Vater Lon Snowden sagte am Mittwoch in New York nach der Rückkehr von einem Besuch bei seinem Sohn in Moskau, er habe ihm geraten, in Russland zu bleiben, um sicherzustellen, dass die wahre Geschichte erzählt werde.

SDA/kpn

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