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Heftige Strassenschlachten toben in Caracas

50'000 Menschen haben in den Strassen der venezolanischen Hauptstadt protestiert. Der Zorn der Regierungsgegner ist seit gestern weiter angestiegen.

Demonstranten werfen Steine gegen die Polizei.
Demonstranten werfen Steine gegen die Polizei.
Fernando Llano/AP, Keystone
Der Zug der Demonstrierenden in den Strassen von Caracas.
Der Zug der Demonstrierenden in den Strassen von Caracas.
Carlos Becerra, AFP
Die Polizei sperrt eine Strasse ab.
Die Polizei sperrt eine Strasse ab.
Fernando Llano/AP, Keystone
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Erneut haben in Venezuela Tausende Menschen gegen Präsident Nicolás Maduro demonstriert. Sicherheitskräfte der Regierung gingen in Caracas mit Panzerfahrzeugen, Tränengas und Gummigeschossen gegen die Menge vor. Die Behörden stellten wie bereits in den vergangenen Tagen den Betrieb der U-Bahn ein, offenbar ein Versuch, Menschen von der Teilnahme an den Protesten abzuhalten.

Der Oppositionspolitiker Henrique Capriles sagte in einer kurzen Rede vor Beginn der Demonstration am Samstag, niemand könne das venezolanische Volk disqualifizieren. Die Behörden hatten Capriles am Freitag für 15 Jahre untersagt, für ein öffentliches Amt zu kandidieren. Der zweifache Präsidentschaftsbewerber hat erklärt, das Verbot stärke nur seine Entschlossenheit, den Widerstand auf der Strasse zu suchen.

Auf ihrem Zug in Richtung Innenstadt wurden die Demonstranten in der Nähe des Sitzes des staatlichen Ölkonzerns PDVSA von Einsatzkräften mit Tränengas und Gummigeschossen empfangen. Sondereinsatzkräfte der Polizei versuchten, die Menge auseinanderzutreiben, mussten aber selbst Wurfgeschossen ausweichen, die von hohen Gebäuden auf sie herabgeschleudert wurden. In weiten Teilen der Stadt wurden Kontrollposten errichtet, Autos und Businsassen wurden durchsucht.

Ölreichstes Land steht vor Bankrott

Das ölreichste Land der Welt steht vor dem Bankrott und muss fast monatlich mehrere Milliarden Franken an Auslandskrediten bedienen. Deshalb können kaum noch Lebensmittel und Medikamente importiert werden. Zudem leiden die Menschen unter der hohen Inflation – Maduro macht einen «Ökonomischen Krieg» für die Misere verantwortlich - und den niedrigen Ölpreis. Kritische TV-Sender wurden geschlossen, die Repression hat massiv zugenommen.

Gegner werden eingeschüchtert, Maduro will das von Hugo Chávez begründete Projekt eines «Sozialismus des 21. Jahrhunderts» um jeden Preis verteidigen. Überall hängen im Land Konterfeis von Chávez mit der Losung: «Aqui no se habla mal de Chávez», «hier redet man nicht schlecht über Chávez».

Ferien gegen Massenproteste

Am Samstag riefen die Demonstranten immer wieder: «Wir wollen Freiheit, wir wollen Zukunft, wir wollen Demokratie». Und: «Nieder mit der Diktatur.» Der Vizepräsident des Parlaments, Freddy Guevara, sagte, der Widerstand gehe weiter, bis «Maduro alle politischen Gefangenen freilässt und die verfassungsgemässe Ordnung wiederhergestellt ist».

Maduro hat kurzfristig Montag, Dienstag und Mittwoch zu Feiertagen erklärt, damit die Menschen längere Osterferien haben. Gründonnerstag und Karfreitag sind ohnehin arbeitsfrei. Damit sollen offensichtlich weitere Massenproteste verhindert werden.

Regierungsanhänger greifen Demonstranten an

Seit Tagen greifen zudem nach Angaben von Oppositionellen Anhänger des Regimes auf Motorrädern Demonstranten an. Nach 18.00 Uhr wirkt Caracas wie ausgestorben. Auch die Bischofskonferenz hatte zuletzt vor Gewalt und einem Staatsstreich gewarnt.

Die Lage wurde weiter angeheizt durch die Entscheidung einer Regierungsbehörde, die den Oppositionsführer Henrique Capriles 15 Jahre von der Kandidatur bei Wahlen ausschliesst. Der Grund sollen Unregelmässigkeiten in dem von Capriles regierten Bundesstaat Miranda sein.

«Ich gehe bis ins letzte Dorf»

Dem Gouverneur wurden Verbindungen zu dem in einen Korruptionsskandal verwickelten brasilianischen Baukonzern Odebrecht vorgeworfen. Er streitet alles ab und spricht von einem «Selbstputsch» der Regierung, um die Opposition zu schwächen. Capriles galt als aussichtsreicher Kandidat bei der Wahl 2018. 2013 hatte er nach dem Tod von Hugo Chávez mit 48,9 Prozent knapp gegen Maduro (50,8 Prozent) verloren.

Er werde Proteste im ganzen Land organisieren, sagte der 44-Jährige. «Ich gehe bis ins letzte Dorf von Venezuela, um der Diktatur von Nicolás Maduro ein Ende zu setzen.» Die Lage im Land sei nicht länger hinnehmbar. «Es geht nicht darum, dass ich für die Kandidatur um öffentliche Ämter gesperrt wurde. Hier sterben Menschen vor Hunger, sie sterben in den Spitälern.»

2018 müssen die seit 1999 regierenden Sozialisten mit einer verheerenden Niederlage rechnen, weshalb Beobachter die jetzige Krise als Versuch sehen, die Macht zu zementieren.

(SDA)

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