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«Heute haben sie versucht, mich umzubringen»

Per Drohne sollte offenbar ein Sprengstoffanschlag auf Venezuelas Präsident Maduro verübt werden. Bekannt hat sich eine mysteriöse Gruppe.

Venezuelas Präsident Maduro macht Kolumbiens Präsident für den Anschlag verantwortlich. Video: AFP/Tamedia

Venezuelas Präsident Nicolás Maduro ist einem Sprengstoffanschlag entgangen. Auf Maduro sei ein Anschlag mit einer sprengstoffbeladenen Drohne verübt worden, sagte Kommunikationsminister Jorge Rodríguez am Samstag.

Der Präsident Venezuelas sei allerdings unversehrt geblieben. Maduro hatte zuvor eine live im Fernsehen übertragene Rede bei einer Militärzeremonie in Caracas abrupt abgebrochen. Er und andere Personen auf dem Podium schauten nach oben und sahen erschrocken aus.

Hier entgeht Venezuelas Präsident Nicolás Maduro angeblich nur knapp einem Sprengstoffanschlag mit Drohnen. (Video: Tamedia/AFP)

Die Kamera schwenkte dann auf Soldaten der Militärparade, die anfingen, auseinander zu laufen, bevor auch kein Bild der Übertragung mehr zu sehen war. Anderen Regierungsmitgliedern sei bei dem Zwischenfall - analog zu Maduro - nichts passiert. Sieben Soldaten der Nationalgarde seien jedoch verletzt worden, als am Samstag mit Sprengstoff ausgestattete Drohnen entlang der Militärparade explodiert seien.

Nach dem mutmasslichen Anschlagsversuch gegen Venezuelas Präsident Nicolás Maduro will der autoritäre Staatschef Abgeordnete der Opposition vor Gericht bringen.
Nach dem mutmasslichen Anschlagsversuch gegen Venezuelas Präsident Nicolás Maduro will der autoritäre Staatschef Abgeordnete der Opposition vor Gericht bringen.
Venezuelan Presidency, AFP
Maduro behauptet, dass der im Exil lebende frühere Parlamentspräsident Julio Borges (Bild) sowie der Oppositionsabgeordnete Juan Requesens in das mutmassliche Attentat verwickelt seien.
Maduro behauptet, dass der im Exil lebende frühere Parlamentspräsident Julio Borges (Bild) sowie der Oppositionsabgeordnete Juan Requesens in das mutmassliche Attentat verwickelt seien.
Jean-Francois Badias, Keystone
Maduro unterhält sich mit einem Mitglied der Nationalgarde, das bei der mutmasslichen Attacke verletzt wurde. (7. August 2018)
Maduro unterhält sich mit einem Mitglied der Nationalgarde, das bei der mutmasslichen Attacke verletzt wurde. (7. August 2018)
Miraflores Palace, Reuters
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Ganze Elite im Visier

Laut Kommunikationsminister Rodríguez explodierte ein Sprengsatz in der Nähe des Podiums, auf dem Maduro stand. Das Attentat habe sich zum Abschluss der Militärparade ereignet. Weitere Sprengsätze seien an verschiedenen Orten entlang der Militärparade im Zentrum der Hauptstadt Caracas detoniert. Venezuelas Präsident Maduro sprach nach einer Explosion von einem versuchten Anschlag auf sein Leben. Zudem beschuldigte er gewisse Kreise in Kolumbien, hinter der Attacke zu stecken.

«Es war ein Anschlag, um mich zu töten. Heute haben sie versucht, mich umzubringen», sagte Maduro kurze Zeit nach dem Zwischenfall im Staatsfernsehen. Er habe sogar «keinen Zweifel», dass gewisse Kreise in Kolumbien dahintersteckten und letztlich der scheidende kolumbianische Präsident Juan Manuel Santos die Verantwortung dafür trage. Ein kolumbianischer Regierungsvertreter wies den Vorwurf umgehend als unbegründet zurück.

«Diese Drohne galt mir. Aber es gab ein Schutzschild der Liebe», sagte Maduro. «Ich bin mir sicher, dass ich noch viele Jahre leben werde.»

Sechs Personen wurden festgenommen

Die Geldgeber des Attentats sässen in den USA. Sechs Personen seien zudem bereits festgenommen worden. Einer der als «Terroristen» bezeichneten Verdächtigen werde beschuldigt, bereits in einen Anschlag auf eine Militärbasis im Jahr 2017 verwickelt gewesen zu sein, teilte Innenminister Nestor Reverol am Sonntag mit. Er sei deshalb per Haftbefehl gesucht worden. Ein weiterer Festgenommener sei bereits 2014 wegen Protesten gegen die Regierung in Gewahrsam genommen worden, sagte Reverol. Es gebe Hinweise, dass einige Finanziers und Planer des Anschlags in Florida lebten. Maduro hoffe auf die Kooperation der Regierung von US-Präsident Donald Trump.

Maduro beschuldigt allerdings regelmässig die Opposition oder die USA, einen Staatsstreich gegen ihn zu planen. Die wirtschaftliche Misere seines Landes ist nach seiner Darstellung Folge eines «Wirtschaftskrieges» des Auslands.

Mysteriöse Gruppe

Die bisher weitgehend unbekannte Gruppe «Nationale Bewegung von Soldaten in T-Shirts» («Soldados de Franelas») bekannte sich zu der Tat und kündigte weitere Angriffe auf die Staatsführung an.

Kritiker im In- und Ausland werfen dem linksnationalistischen Präsidenten Maduro vor, durch die Entmachtung des Parlaments eine Diktatur errichtet zu haben. Der Sozialist liess sich im Mai für eine weitere fünfjährige Amtszeit im Amt bestätigen. Die Wahlen wurden von der Europäischen Union und anderen Staaten aber nicht anerkannt. Zahlreiche Oppositionspolitiker sitzen zudem im Gefängnis. Das ölreiche Land steckt seit Jahren in einer tiefen Wirtschaftskrise, die zu Unterernährung in der Bevölkerung, Hyperinflation und Massenauswanderung geführt hat.

afp/sda/roy/fal

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