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«Heute hat Mitt Romney die Wahl verloren»

Viele US-Kommentatoren sind sich einig: Das Video, in dem sich Mitt Romney abschätzig über die Hälfte der amerikanischen Bevölkerung äussert, ist ein schwerer Schlag für seine Präsidentschaftskampagne.

Das heimlich aufgenommene Video von Mitt Romneys Rede an einer privaten Spendenveranstaltung hat in den USA ein grosses Medienecho ausgelöst. Romney hatte sich in der Rede abschätzig über die 47 Prozent der Amerikaner geäussert, die keine Einkommenssteuern zahlen: «Die denken, die Regierung hätte eine Verantwortung ihnen gegenüber, sie hätten ein Anrecht auf Gesundheitsversorgung, Essen, Wohnraum. Mein Job ist es, mir keine Gedanken um sie zu machen. Ich kann sie sowieso nicht überzeugen, selbst Verantwortung für sich zu übernehmen.»

Die Kommentatoren der wichtigen amerikanischen Medien sind sich einig: Diese Aussagen sind ein weiteres PR-Desaster für Romney. «Heute hat Mitt Romney die Wahl verloren», ist sich «Bloomberg»-Kommentator Josh Barro sicher. «Romney hatte schon immer Probleme damit, eine Beziehung zur Bevölkerung aufzubauen, die Leute zu überzeugen, dass er sich für sie interessiert. Jetzt ist er dabei ertappt worden, wie er die Hälfte der Bevölkerung als hoffnungslose Loser bezeichnet. Das ist ein Riesendesaster.»

Etwas weniger schwarz sieht es Chris Cillizza in der «Washington Post», obwohl auch er die Veröffentlichung des Videos als «Mitt Romneys dunkelste Stunde» bezeichnet: «Es ist ein weiterer Schlag für eine Kampagne, die sich immer selber im Weg gestanden ist.» Es sei jedoch ein Fehler, das Rennen für entschieden zu erklären, denn bis zum 1. November könne noch viel passieren.

«Der echte Romney erweist sich als ein höhnischer Plutokrat» titelt das «New York Magazine». «Das Video zeigt den authentischen Romney als einen viel düstereren Charakter als ich ihn mir hätte vorstellen können», schreibt Jonathan Chait. «Er scheint untrennbar verbunden mit den schädlichen Mythen, die wie ein Wahn seine Partei ergriffen haben.»

«New York Times»-Kolumnist David Brooks gibt Romney zwar Recht in seiner Grundaussage, der Wohlfahrtsstaat sei aufgebläht und müsse zurückgestutzt werden. Aber anstatt vernünftige Argumente vorzutragen, teile Romney die Nation in zwei Gruppen: die Macher und die Schmarotzer. «Das zeigt, dass er nicht viel von seinem Land versteht. Und es zeigt auch, dass er jegliches Gefühl für den sozialen Zusammenhalt verloren hat.» «Romneys Kommentare sind eine Country-Club-Fantasie», schreibt Brooks. «So reden selbstzufriedene Millionäre miteinander. Es verstärkt jede negative Sicht, welche die Leute von Romney haben.»

Auch auf die Rechtfertigungen, die Romney für seinen Fauxpas bereit hatte, gibt es bereits erste Reaktionen. Zerknirscht räumte Romney gestern ein, dass er sich «nicht elegant» ausgedrückt habe. Er habe «aus dem Stegreif» auf eine Frage geantwortet. An den Aussagen hielt der frühere Finanzinvestor und Gouverneur von Massachusetts aber fest. Roger Simon, Chef-Kolumnist beim einflussreichen Politblog Politico.com, schreibt heute auf Twitter: «Romneys Erklärung für seine Kommentare sind vielleicht noch schlimmer als die Kommentare selber.»

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