Zum Hauptinhalt springen

High Noon im Saloon

Immer mehr US-Staaten erlauben geladene Waffen in Bars und Restaurants. Die Waffenlobby freuts. Barbesucher und Servicepersonal fürchten jedoch eine tödliche Kombination.

Die Waffe diene in erster Linie der Selbstverteidigung, sagt die US-Waffenlobby: Eine Bar in Texas.
Die Waffe diene in erster Linie der Selbstverteidigung, sagt die US-Waffenlobby: Eine Bar in Texas.
Keystone

Immer mehr US-Bundesstaaten erlauben ihren Bürgern, eine Bar oder ein Restaurant mit einer Waffe zu besuchen. Tennessee ist einer von vier Staaten, der neben Arizona, Georgia und Virginia vor kurzem ein Gesetz erliess, das sogar explizit eine geladene Handfeuerwaffe in einer Bar oder in einem Restaurant erlaubt, wo Alkohol ausgeschenkt wird. 300'000 Personen verfügen über die entsprechende Waffenbesitz-Zulassung. Wie die «New York Times» berichtet, gilt dieser neue Massstab seit einem Urteil vom Obersten Gericht, wonach jeder Bürger das individuelle Recht auf Selbstverteidigung habe.

Adam Ringenberg aus Tennessee freut sich über die neue Regelung. Er läuft selbst mit einer geladenen 9-Millimeter-Pistole im Hosenbund durch die Gegend und betritt damit auch eine Bar. «Wenn mir jemand eine Waffe ins Gesicht hält, verlasse ich mich nicht darauf, dass diese Person die Grosszügigkeit besitzt, mich am Leben zu lassen», sagt Ringenberg.

Revolverheld in einer Bar

Waffenrechts-Aktivisten feiern das neue Gesetz mit grosser Begeisterung. Restaurant- und Barbesucher wie auch das dortige Servicepersonal sind über die neue Regelung aber entsetzt. Art Andersen arbeitet selbst in einer Bar und sieht im neuen Gesetz grosse Schwierigkeiten. «Du hast quasi das Recht, dich in einer Bar als Revolverheld aufzuführen.»

Experten sind der Meinung, dass die Waffenlobby das Recht auf Waffenbesitz in jedem Staat auszuweiten versuche. Nach dem Umsturz des Waffenverbots in Washington und Chicago seien die Waffenrechts-Aktivisten gestärkt worden. Der republikanische Gouverneur Rick Perry aus Texas verlangt zum Beispiel, Waffen auf einem Universitäts-Campus zu legalisieren. Als Beispiel bringt er die Schiesserei in einer Universität in Texas. Diese hätte von allfälligen bewaffneten Zuschauern rechtzeitig gestoppt werden können.

Gefährliche Kombination von Alkohol und Waffen

Gefahr lauere aber im neuen Gesetz vor allem in der Kombination von Alkohol und Waffenbesitz, sagt die Legal Community Against Violence. Paul Helmke ist Präsident der Brady Campaign to Prevent Gun Violence. Er bedauert, dass die Waffenlobby mit ihren Forderungen nach Waffenbesitz derzeit so viel Rückhalt geniesst. «Die Waffenlobby will, dass es jedem erlaubt sein soll, seine Waffe mitzunehmen, wohin er auch will. In Zukunft solle man dafür überhaupt keine Erlaubnis mehr brauchen.»

Der republikanische Abgeordnete Curry Todd, der das Waffen-in-Bars-Gesetz als Erster eingeführt hatte, sagt, es sei nicht primäre Absicht, in einem Restaurant eine Waffe zu tragen. Es gehe vielmehr darum, dass sich die Menschen auf dem Weg ins Restaurant und auf dem Heimweg verteidigen können. «Es ist eine Frage der persönlichen Sicherheit. Schliesslich werden sehr viele Menschen überfallen und ausgeraubt.» Die Polizei sei nicht fähig, die Menschen zu beschützen, sie untersuche einen Kriminalfall immer erst, wenn er passiert sei.

Niemand will die Stammkundschaft vergraulen

Kritiker des Gesetzes sehen in der neuen Bestimmung aber keinerlei Garantie für mehr Sicherheit. So hat sich kürzlich in Virginia ein Gast in einer Bar erschossen, in der er ein Bier trank. Waffen und Alkohol würden nun mal nicht zusammenpassen. Zwar haben Restaurantbesitzer die Möglichkeit, Waffen in ihrem Betrieb zu verbieten. Zahlreiche Bars und Restaurants würden dieses Verbot aber nicht aussprechen, aus Angst, mit Waffenbesitzern Stammkundschaft zu verlieren.

Gegen das Gesetz ging bisher erst ein Service-Angestellter vor. Er klagte, dass das Arbeitsumfeld für ihn und seine Kollegen unsicher werde, wenn Gäste mit Waffen eine Bar betreten dürften. Seine Klage wurde allerdings abgewiesen. Der Anwalt David Randolph Smith sieht diese Gefahr ebenfalls. Man habe das Recht, in eine Bar zu gehen und auf Menschen zu treffen, die nicht bewaffnet seien. Und der Serviceangestellte habe das Recht auf einen sicheren Arbeitsplatz. Im Moment ist aber die Waffenlobby auf dem Vormarsch. Liegen die Experten richtig, erweitern demnächst weitere Staaten das Waffengesetz.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch