«Hilfe!»

Sie ist die ungewöhnlichste First Lady der US-Geschichte – und wirkt in ihrer Rolle alles andere als glücklich. Dennoch hat sie eine Lektion für alle.

Glücklich? Melania wirkte bei der Inauguration vor allem angespannt.

Glücklich? Melania wirkte bei der Inauguration vor allem angespannt. Bild: Keystone

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Sie ist Melania aus dem Block. Einem Betonblock in Ex-Jugoslawien, um genau zu sein. Dort hat die wohl ungewöhnlichste First Lady in der Geschichte der USA ihre Kindheit und Jugend verbracht. Dort wollte sie aber nicht bleiben. Stattdessen zog sie aus, um ihr Glück zu finden, oder einen Mann, je reicher, desto besser. Was kann dabei schon schiefgehen? So wird sie sich gesagt haben. Nun, einiges, das dürfte sie inzwischen selbst gemerkt haben. Jedenfalls macht sie bei öffentlichen Auftritten nicht mehr nur den Eindruck eines geheimen Lidschatten-Reservoirs. Sie wirkt als frage sie sich, ob weniger nicht mehr gewesen wäre.

Allein mit einer Schachtel

In den sozialen Medien wird eifrig über Melanias verkrampften Auftritt gewitzelt. Während des «Women's March» am Wochenende war auf Schildern immer wieder «Free Melania» zu lesen – oder «Blinzle zweimal, wenn du Hilfe brauchst». Beim Empfang im Weissen Haus überreichte Melania den Obamas eine blaue Geschenkschachtel, und in der kollektiven Twitter-Fantasie liegt darin ein Zettel mit den Worten «Help!». Wer wissen will, woher diese Fantasie rührt, muss sich nur die Empfangsszene beim Weissen Haus ansehen. Während Melania sich noch aus der Limousine schält, eilt Trump selbstherrlich die Treppe hoch, um sich von den Obamas begrüssen zu lassen. Melania steht mit ihrer blauen Schachtel da – und trippelt dann brav hinter ihm her. Deutlicher hätte Trump sein Verständnis ehelicher Partnerschaft nicht ausdrücken können.

Gold graben – schiefgelaufen

Was Melania von ihrem Leben wollte und wie sie nun empfindet, weiss nur sie allein. Doch abgesehen von ihrer Person, steht sie auch für einen Typus, den der Goldgräberin. Das sind Frauen, die reiche Männer für ihr Auskommen angeln. Sie nehmen in Kauf, mit einem gigantischen Ego und Ekel verheiratet zu sein und als Trophäe behandelt zu werden. Dafür können sie alle Annehmlichkeiten des Reichtums geniessen. Haben sie ihre reproduktive Schuldigkeit getan und im besten Fall einen Sohn geworfen, können sie sich fortan ihren Haaren und Nägeln und dem Shopping widmen, vielleicht auch dem einen oder anderen Liebhaber, während die Nanny sich ums Baby kümmert. Kein schlechter Plan. Es sei denn, der Sugardaddy hat nicht nur ein grosses, sondern ein gigantisches Ego. Es sei denn, er wird US-Präsident.

Das kann keine Goldgräberin wollen. Der Druck, die permanente Beobachtung von aussen, die Häme dafür, dass sie eben doch bloss eine Trophäe ist – keine beneidenswerte Ausgangslage. Immerhin bietet sie den Frauen eine Lektion: Auch das Leben mit Reichen hat seinen Preis.

Video – wer machts besser? Trump- und Obama-Inauguration im Vergleich:

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 23.01.2017, 17:16 Uhr

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