«Hire and fire» unter Donald Trump

Sicherheitsberater John Bolton war 519 Tage im Amt. Andere schafften nur gerade 10 Tage. Die Geschassten im Überblick.

«You are fired»: Enormer Personalverschleiss in der Präsidentschaft von Donald Trump.

«You are fired»: Enormer Personalverschleiss in der Präsidentschaft von Donald Trump.

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Bei seinem Amtsantritt im Januar 2017 hatte US-Präsident Donald Trump versprochen, nur aussergewöhnlich fähige Mitarbeiter in seine Regierung und Administration zu berufen. Doch seither hat es schon über 60 Rausschmisse, Personalwechsel und Rücktritte von hochrangigen Mitarbeitern gegeben. Zuletzt erwischte es den nationalen Sicherheitsberater John Bolton. Am letzten Dienstag gab Trump dessen Entlassung bekannt. Der Hardliner mit dem markanten Schnauz war bereits der Dritte im Amt des obersten Sicherheitsberaters der USA.

Etliche Minister, Amtsträger und Berater verloren ihren Job unter teils kuriosen Umständen. Wie zum Beispiel Anthony Scaramucci, Kommunikationsdirektor des Weissen Hauses, der sich um Kopf und Kragen redete und bereits nach zehn Tagen wieder gehen musste. Manche Mitarbeiter stellten sich als unfähig heraus, wie zum Beispiel der erste Stabschef des Weissen Hauses, Reince Priebus. Anderen wurden gravierende Vergehen vorgeworfen, so etwa den Umweltministern Ryan Zinke und Scott Pruitt.

Selbst hochkompetente Leute wie H.R. McMaster, der zweite nationale Sicherheitsberater, oder FBI-Chef James Comey mussten abtreten, weil sie Trump widersprachen oder sich nicht genügend loyal verhielten. Andere Mitarbeiter hatten einfach genug vom täglichen Chaos im Weissen Haus oder auch von den rechtsstaatlich und staatspolitisch fragwürdigen Entscheidungen des Präsidenten. Sie gingen von sich aus, wie etwa Rod Rosenstein, der als stellvertretender Justizminister die Russland-Ermittlungen überwachte. Oder sie waren vermutlich sogar froh, dass sie entlassen wurden, wie zum Beispiel John Kelly, der zweite Stabschef des Weissen Hauses. Selbst Trump-Getreue wie Pressesprecherin Sarah Sanders warfen vorzeitig das Handtuch.

Die folgende Liste hochrangiger Ex-Mitarbeiter der Trump-Administration ist lang. Und sie dürfte noch länger werden. Trump ist seit zwei Jahren und acht Monaten im Amt. Seine Präsidentschaft dauert bis Januar 2021, mindestens.

In der Präsidentschaft von Donald Trump war John Bolton bereits der dritte nationale Sicherheitsberater, der abtreten musste. Hintergrund des Rauswurfs waren starke Meinungsunterschiede zwischen Trump und Bolton über die Aussen- und Sicherheitspolitik, insbesondere in Fragen von Militäreinsätzen. Bolton ist ein bekennender Interventionist, der die Invasion im Irak 2003 befürwortet hatte. In den letzten Jahren forderte er Militärschläge unter anderem gegen Nordkorea und den Iran, zuletzt auch in seiner Funktion als nationaler Sicherheitsberater der USA. Ausserdem ist er ein Gegner des Abzugs der US-Truppen aus Afghanistan. Trump ist, obwohl er eine aggressive Aussenpolitik verfolgt, sehr viel zurückhaltender als Bolton, was Kriegseinsätze angeht. Eines seiner wichtigsten Wahlversprechen war, die Kriege, die das US-Militär seit Jahren im Nahen Osten und in Afghanistan führt, zu beenden.

Als Koordinator der 16 US-Geheimdienste von der CIA über die NSA bis zum FBI hat Dan Coats schlicht seinen Job gemacht. Er präsentierte das Wissen der Dienste über Russland, Nordkorea, Iran, den Rest der Welt und die USA gebündelt seinem Chef, US-Präsident Trump, gekürzt, aber ungeschminkt jeden Morgen im Geheimdienst-Briefing. Faktentreue war Coats enorm wichtig. Was dann der Präsident daraus machte, hatte Coats nicht mehr unbedingt zu interessieren. Das Problem war, dass Trump die tatsächliche Lage oft nicht in den Kram passte. Oder dass er beispielsweise lieber Kim Jong-un oder Wladimir Putin glaubt als den Analysen seiner Geheimdienste. Coats liess sich von Trumps Erwartungen nicht beeindrucken. Deswegen gab er sein Amt ab.

Für einen Minister im Trump-Kabinett gab es recht wenig, was darauf deuten liess, dass Alexander Acosta eines Tages seinen Rücktritt würde einreichen müssen. Am Ende war es auch nicht eine etwaig skandalöse Amtsführung oder seine Performance, sondern Acostas Vergangenheit als Staatsanwalt, die ihm seinen Job gekostet hat. Acosta hatte 2008 an einer aussergerichtlichen Vereinbarung mitgearbeitet, die dem umstrittenen Unternehmer und Trump-Kumpel Jeffrey Epstein eine lange Gefängnisstrafe wegen sexuellen Kindesmissbrauchs ersparte. Gemessen an der Schwere der Fälle hätten andere wohl lebenslänglich bekommen. Die Kritik an Acosta wurde so laut, dass der Rücktritt unumgänglich war. Epstein beging am 10. August 2019 Suizid im Gefängnis.

Im Januar 2019 sagte Sarah Huckabee Sanders einem christlichen Sender, was sie im amtierenden US-Präsidenten sieht: «Gott wollte, dass Donald Trump Präsident wird. Darum ist er im Amt.» So gesehen war Sanders nie einfach nur die Mediensprecherin des Weissen Hauses. Sie war eine Gotteskriegerin. Im Briefing-Raum betrat sie nicht das Podium für eine Medienkonferenz, sondern zog in eine Schlacht. Kritische Fragen von Journalisten betrachtete sie als Gotteslästerung. Sie reagierte mit Sarkasmus, auch mit Gegenfragen und schnitt manchem Reporter das Wort ab. Zuletzt wurde Sanders' Job überflüssig, weil die Journalisten nicht mehr an die «Briefings» gingen. Nach 22 Monaten im Amt kehrte Sanders in ihren Heimatstaat Arkansas zurück.

Kommissarisch war Patrick Shanahan schon seit einigen Monaten im Amt, und er sollte auch regulär Verteidigungsminister werden. Doch daraus wurde nichts: Trumps Kandidat für den Pentagon-Chefposten wollte angeblich lieber mehr Zeit mit der Familie verbringen. Gemäss Medienberichten soll es in der Familie von Shanahan mehrfach zu gewalttätigen Auseinandersetzungen gekommen sein. Neuer Chef des Pentagons wurde Heeresstaatssekretär Mark Esper. Shanahan war seit 2017 zunächst stellvertretender Verteidigungsminister gewesen. Anfang 2019 wurde der frühere Boeing-Manager geschäftsführender Verteidigungsminister, nachdem James Mattis zurückgetreten war.

Ausgerechnet am Internationalen Frauentag 2019 verlor die US-Regierung eine ihrer profiliertesten Frauen: Heather Wilson, Chefin des Luftwaffenamtes im Pentagon. Wilson verwaltete eines der grössten Budgets in der Trump-Administration. Bei ihrem Rücktritt liess die von Trump gelobte Staatssekretärin verlauten, dass sie die Stelle der Präsidentin an der University of Texas in El Paso übernehmen werde. Auf Wilson folgte Barbara Barrett, Ex-Botschafterin der USA und Geschäftsfrau aus Arizona.

Normalerweise sind stellvertretende Minister keine Politstars. Mit Rod Rosenstein aber war das anders – und das nicht ganz freiwillig. Von Trump als Vize von Jeff Sessions nominiert, musste Rosenstein kurz nach seiner Amtsübernahme Ende April 2017 erleben, wie sich Sessions wegen Befangenheit von der Aufsicht über die Russland-Ermittlungen des FBI zurückzog. Die Verantwortung lag nun bei Rosenstein, der den früheren FBI-Chef Robert Mueller als Sonderermittler einsetzte. Was wohl Trump laut Bericht, der im März 2019 herauskam, zu der Aussage veranlasste: «I'm fucked!» Jedenfalls war Trump lange nicht mehr gut auf Rosenstein zu sprechen. Nach dem Rauswurf von Sessions im November 2018 schienen auch Rosensteins Tage gezählt. Der neue Justizminister William Barr bat ihn noch zu bleiben, bis Mueller seinen Bericht fertiggestellt hat. Ende April 2019 reichte Rosenstein seinen Rücktritt ein.

Es galt mal als ehernes Gesetz, dass Sicherheitsbehörden mit grosser Kontinuität geführt werden sollten. Zu viele Wechsel würden nur Unruhe in den Apparat bringen. Und wenn es um Sicherheitsfragen geht, ist Unruhe eher kontraproduktiv. Aber auch das änderte sich unter Präsident Trump. Anfang April 2019 feuerte Trump den Chef des Secret Service, Randolph «Tex» Alles ohne Angabe von Gründen. Der Secret Service ist mit seinen 6500 Mitarbeitern neben der Bekämpfung der Finanzkriminalität vor allem für die Sicherheit des US-Präsidenten, seiner Familie und der wichtigsten Minister zuständig. Alles' Rauswurf schien Teil einer grossangelegten Aktion zu sein, das Heimatschutzministerium personell umzukrempeln und alle Führungskräfte auszutauschen, die Trumps früherem Stabschef John Kelly nahestanden.

Präsident Trump und Heimatschutzministerin Kirstjen Nielsen konnten nicht miteinander. Das war spürbar, seit sie Mitte Oktober 2017 mit damals 44 Jahren in ihr Amt gelangte. Nielsen galt als zu unerfahren für den wichtigen Posten. Sie machte zwar stets klar, dass sie Trumps Agenda voll unterstützt. Doch der Präsident warf ihr immer wieder vor, der angeblichen Migrationskrise an der südlichen Grenze nicht entschieden genug zu begegnen. Am Ende war es wohl ein Personalstreit, der beide endgültig entzweite. Trump zog überraschend die Nominierung von Ronald Vitiello als Direktor der Immigrations- und Zollbehörde zurück. Er war der Kandidat von Nielsen. Ein paar Tage später war die Karriere von Nielsen als Heimatschutzministerin beendet.

Trump hat ein Faible für das Wrestling. Vielleicht spielte das eine Rolle, als er Linda McMahon einen wichtigen Posten anvertraute. Mit ihrem Ehemann Vince McMahon hatte sie das Unternehmen World Wrestling Entertainment zu einem international erfolgreichen Konzern gemacht. In der Trump-Administration übernahm sie die Leitung der Small Business Administration, also der Bundesbehörde zur Unterstützung von kleinen und mittleren Unternehmen. Nach ihrem Rücktritt gab sie bekannt, dass sie sich bei den Wahlen 2020 für die Wiederwahl Trumps engagieren werde.

Brock Long nannte familiäre Gründe für seinen Rücktritt als Leiter der Bundesbehörde für Katastrophenschutz (Federal Emergency Management Agency). Long stand allerdings in der Kritik. Dem Fema-Chef war die unerlaubte Nutzung von Dienstfahrzeugen durch ihn und seine Familie vorgeworfen worden. Deswegen führte das übergeordnete Heimatschutzministerium eine Untersuchung durch.

Mit Bill Shine verlor Trump seinen sechsten Kommunikationsdirektor innerhalb von zwei Jahren. Wie andere hochrangige Mitarbeiter im Weissen Haus war Shine vom regierungsfreundlichen TV-Sender Fox News gekommen. Bei seinem Abgang teilte Shine mit, dass er künftig als Berater für das Wahlkampflager Trumps arbeiten werde.

Das Medienunternehmen Fox Corporation bietet vielerlei Chancen für eine Karriere in der Trump-Administration. Schlieslich ist Fox News der Lieblingssender des Präsidenten. Es gibt aber auch Karrierwege in die umgekehrte Richtung. So wechselte Raj Shah zum Fox-Konzern, um «Senior Vice President» zu werden. Im Weissen Haus hatte Shah, dessen Eltern aus Indien eingewandert waren, als Stellvertreter von Pressesprecherin Sarah Sanders gewirkt. Zuvor hatte er für die Republikaner gearbeitet.

Nick Ayers war Stabschef von Vizepräsident Mike Pence und hätte in gleicher Funktion zu Präsident Trump wechseln können. Ayers, erst 36 Jahre alt, sagte aber ab. Er hatte ohnehin schon länger einen Rückzug aus dem Weissen Haus geplant – angeblich aus familiären Gründen. Ayers war Trumps Wunschkandidat gewesen, nachdem John Kelly als Stabschef gefeuert worden war. Ayers hatte in Trumps Übergangsteam als Berater mitgewirkt. Bei seinem Abschied von Washington sagte Ayers, dass er nun Trump von aussen unterstützen werde, insbesondere bei den Präsidentschaftswahlen 2020.

Es gab viele gute Gründe, Ryan Zinke in seinem Amt als Zumutung zu empfinden. Er war mehr Anti-Umweltminister denn Beschützer der grossen Naturreservate der USA. Er stutzte Naturschutzgebiete massiv zurück, um dort Kohleabbau und Ölförderung zu ermöglichen. Andererseits stand er in Diensten einer Regierung, deren Chef den von Menschen gemachten Klimawandel leugnet. Gehen musste Zinke, weil er ethische und wohl auch strafrechtliche Grenzen übertreten hatte. Gegen ihn laufen mehrere Ermittlungen, die ihn ins Gefängnis bringen könnten. Der schwerwiegendste Fall: In seiner Heimatstadt Whitefish in Montana soll er in seiner Funktion als Umweltminister den Bau einer Hotelanlage unterstützt haben, die das Land direkt gegenüber um einiges wertvoller machen würde. Pikant: Dieses Stück Land gehört Zinke.

Der Rücktritt Nikki Haleys ist ein Sonderfall. Während viele Mitarbeiter Trumps sich zum Abgang gezwungen sahen oder sogar gefeuert wurden, pflegt Haley bis heute ein gutes Verhältnis zum US-Präsidenten. Entsprechend überraschte ihre Ankündigung am 9. Oktober, derzufolge sie ihren Posten als US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen zum Jahresende niederlegt. Trump selbst erklärte, Haley könne jederzeit in die US-Regierung zurückkehren, möglicherweise mit einer anderen Aufgabe. Über die Gründe ihres Rücktritts kursierten verschiedene Interpretationen: Manche sagten ihr Ambitionen auf höhere politische Ämter nach. Andere spekulierten, dass sie angesichts privater Schulden einen lukrativen Posten in der Wirtschaft anstrebte. Ein weiterer möglicher Grund: Wachsende Spannungen im Team Trump durch den zunehmenden Einfluss von Aussenminister Mike Pompeo sowie Sicherheitsberater John Bolton. Pompeo und Bolton waren von Trump neu in die Regierung berufen worden.

John Kelly wirkte am Ende so unglücklich in seinem Job, dass er es als Weihnachtsgeschenk empfunden haben dürfte, als ihm der US-Präsident Anfang Dezember 2018 seine Entlassung ankündigte. Kelly war knapp eineinhalb Jahre Stabschef im Weissen Haus und eigentlich dafür zuständig, dass dort kein Chaos ausbricht. Dafür hatte ihn Trump im Juli 2017 von seinem Posten als Heimatschutzminister abgezogen und zum Nachfolger des überforderten Reince Priebus gemacht. Im Grunde war schon nach wenigen Monaten die Luft raus. Alle Versuche, Disziplin zu etablieren, schlugen fehl. Trump soll Kelly zuletzt nur noch gehalten haben, um vor den Midterm-Wahlen kein schlechtes Bild abzugeben. Kelly, ein pensionierter 4-Stern-General, soll allein aus Pflichtgefühl geblieben sein.

Zuletzt war es Trumps Entscheidung kurz vor Weihnachten, die US-Truppen aus Syrien abzuziehen – gegen den Rat von Jim Mattis. Es war das eine Ärgernis zu viel für den Verteidigungsminister. In seinem Rücktrittsschreiben an Trump erklärte Mattis, der Präsident habe «jedes Recht auf einen Verteidigungsminister, dessen Ansichten besser mit den Ihren übereinstimmen». Seine Ansicht sei es, «Verbündete mit Respekt» zu behandeln. Nicht mal diese hatte Trump in seine Syrien-Entscheidung eingebunden. Meinungsunterschiede gab es auch bei anderen Themen. So hatte Trump Mattis damit überrascht, transsexuelle Personen aus dem Militärdienst zu verbannen. Und Trump ignorierte Mattis' Bedenken gegen eine Verlegung von Truppen an die Grenze zu Mexiko. Anfangs hatte Mattis zu den einflussreichen Stimmen im US-Kabinett gezählt.

Es war klar, dass sich Justizminister Jeff Sessions nach den Midterms 2018 nicht lange im Amt würde halten können. Es ist aber nicht so, dass Sessions irgendetwas falsch gemacht hätte. Der konservative Hardliner war immer loyal zu Trump. Aber er war eben einer, der sich in letzter Konsequenz nicht über Recht und Gesetz stellen würde. Deshalb hatte er sich im Frühjahr 2017 von der Aufsicht über die Russland-Ermittlungen zurückgezogen. Er war befangen, weil er selbst Kontakte zu russischen Offiziellen hatte, die das FBI damals untersuchte. Das FBI wiederum ist formal dem Justizminister unterstellt. Es war eine richtige und anständige Entscheidung, dass Sessions die Aufsicht in dieser Sache seinem Stellvertreter Rod Rosenstein überliess. Rosenstein war es dann, der Robert Mueller als Sonderermittler in der Russland-Affäre installierte. Das hat Trump Sessions persönlich angekreidet und ihm nie verziehen.

Don McGahn interpretierte seine Rolle als Rechtsberater des Weissen Hauses relativ unabhängig. Er sah sich mehr als Berater des Präsidentenamtes und weniger als Berater des Präsidenten – was unweigerlich zu Konflikten mit Trump führte. Nachdem McGahn im Zusammenhang mit den Russland-Untersuchungen intensiv mit Sonderermittler Robert Mueller kooperiert hatte, waren seine Tage als Rechtsberater im Weissen Haus gezählt. Bei drei Zeugenterminen sagte der Jurist mehr als 30 Stunden lang aus. McGahn hatte unter anderem berichtet, dass Trump ihn angewiesen hatte, die Entlassung von Mueller voranzutreiben. Doch McGahn weigerte sich, dies zu tun.

Als Vize-Stabschef des US-Präsidenten spielte Joe Hagin eine zentrale Rolle bei der Organisation des historischen Gipfeltreffens zwischen Trump und Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un in Singapur. Hagin hatte bereits unter George W. Bush in hochrangiger Position im Weissen Haus gearbeitet. Warum Hagin als Vize-Stabschef von Trump zurücktrat, blieb unklar. Hagin wechselte in die Privatwirtschaft.

Niemand sonst in der Trump-Regierung verursachte derart viele Fragezeichen und hochgezogene Augenbrauen wie Scott Pruitt. In seinem früheren Leben als Justizminister von Oklahoma hatte er die Umweltbehörde EPA über ein Dutzend Mal verklagt. Dann wurde er EPA-Chef und nutzte sein Amt, um so viele Umweltregeln wie möglich ausser Kraft zu setzen. Wirtschaftsförderung sollte klar vor Umweltschutz stehen. Diese Haltung dürfte ihn lange vor dem Rücktritt bewahrt haben. Aber Pruitts kostspielige Extravaganzen waren selbst für Trump zu sehr zur Belastung geworden. Beispielsweise soll Pruitt gerne und häufig erster Klasse in seine Heimat Oklahoma geflogen sein, obwohl die Richtlinien der Regierung zu Sparsamkeit mahnen.

Knapp ein Jahr wirkte Ricky Waddell, ein pensionierter 2-Stern-General, im bedeutenden Nationalen Sicherheitsrat der USA. Er war Stellvertreter des nationalen Sicherheitsberaters H.R. McMaster. Nach dem Rauswurf von McMaster ging auch Waddell. Der Grund war McMasters Nachfolger: John Bolton.

Nach der Berufung von John Bolton zum nationalen Sicherheitsberater kündigte auch Nadia Schadlow ihren Rücktritt an. Schadlow war Vize-Beraterin für Strategiefragen und galt als enge Vertraute von H.R. McMaster, der von Trump entlassen wurde.

Die Tage von Thomas Bossert waren gezählt, als John Bolton seinen Dienst als neuer nationaler Sicherheitsberater im Weissen Haus antrat. Bossert stand gleich auf Boltons Abschussliste – weswegen, ist nicht ganz klar. Als anerkannter Fachmann hatte Bossert den Präsidenten in Fragen der Cybersicherheit und der Terrorismusabwehr beraten.

Dass einer wie Herbert Raymond McMaster für Trump würde arbeiten wollen, damit haben damals im Februar 2017 viele nicht gerechnet. Aber der 3-Stern-General McMaster ist ein Staatsdiener von altem Schlag. Wenn der Präsident ruft, dann folgt er. Auch wenn der Mann im Oval Office erkennbar nicht seinen Standards entspricht. Gut möglich, dass McMaster dachte, einer muss doch Trump im Zaum halten. Und wenn nicht er, wer dann? West-Point-Absolvent, in Geschichte promoviert, tadellose Militärkarriere: McMaster hatte dennoch – oder gerade deswegen – seine liebe Not mit Trump. Iran-Deal, Nordkorea, internationale Verpflichtungen und Bündnisse, Beziehungen zu Russland: Überall lagen sie über Kreuz. McMaster konnte zum Schluss kaum noch zu Trump durchdringen. Dem US-Präsidenten war die Realität zu kompliziert. Wer weiss, ob McMaster am Ende noch glücklich war in seinem Job? Gross gegen seine Entlassung gewehrt hat er sich allerdings wohl nicht mehr.

Als Präsident Trump John Bolton zum nationalen Sicherheitsberater machte, gingen etliche Mitglieder des wichtigen Beratergremiums. Einer von ihnen war Michael Anton, Direktor für strategische Kommunikation beim Nationalen Sicherheitsrat.

Trumps Personalpolitik liefert immer wieder grosse Überraschungen, so zum Beispiel bei einer Spitzenpersonalie im Veteranenministerium. Überraschend war weniger die Entlassung von David Shulkin. Der Veteranenminister hatte sich und seiner Frau eine Europa-Reise auf Kosten der Steuerzahler gegönnt. Grosses Staunen und viele Fragen löste die Nachfolgeregelung aus. Denn Trump ernannte seinen Leibarzt, Admiral Ronny L. Jackson, zum neuen Veteranenminister. Jackson hatte Trump bescheinigt, in bester physischer und geistiger Verfassung zu sein. Jacksons Vorgänger im Ministeramt war der einzige Mitarbeiter im Trump-Kabinett, der noch aus der Obama-Ära stammte.

Nach der Präsidentschaftswahl 2016 gehörte Rick Dearborn dem Übergangsteam des designierten Präsidenten an. Dearborn, der schon Präsident George W. Bush gedient hatte, bekam den Job des stellvertretenden Stabschefs des Weissen Hauses. Nach 14 Monaten verliess Dearborn – aus unbekannten Gründen – die Trump-Administration.

Andrew McCabe war dem Präsidenten von Anfang an ein Dorn im Auge. Zu gut war dessen Verhältnis zu James Comey, den Trump im Mai 2017 als FBI-Chef gefeuert hatte. Mangels Möglichkeiten musste Trump McCabe dennoch zum kommissarischen FBI-Chef machen. Was der dann drei Monate lang blieb. Es fand sich schneller kein geeigneter Kandidat, der den Posten übernehmen wollte. Vom neuen FBI-Chef Christopher Wray forderte Trump immer wieder, er möge McCabe so schnell wie möglich feuern. Der aber hatte mit McCabe längst einen Deal gemacht. Sobald McCabe im März 2018 die Pensionsgrenze erreichen würde, würde er gehen. An dem Plan hielten beide fest. Fast wäre er aufgegangen. Kurz vor der Pensionsgrenze aber liess Trump McCabe feuern – trotz seines bereits angekündigten Rücktritts. Angeblich wegen seiner Amtsverfehlungen, als er mit der Clinton-Affäre befasst war.

Das Erstaunlichste an Rex Tillersons Rauswurf war, dass er so lange auf sich warten liess. Den Grossteil seiner gut einjährigen Amtszeit als Aussenminister verbrachte der frühere ExxonMobil-Chef im Clinch mit Trump. Zwischenzeitlich soll er Trump als «Trottel» bezeichnet haben. Dann distanzierte sich Tillerson von Trumps umstrittener Reaktion zum Neonazi-Aufmarsch von Charlottesville im August 2017. Ein paar Monate später zog Tillerson den Unmut seines Chefs auf sich, als er bekannt gab, man führe Gespräche mit Nordkorea. Dass Tillerson dann im März 2018 doch gehen musste, kam zumindest für eine Person überraschend: Rex Tillerson selbst. Ein Mitarbeiter Tillersons erklärte, der Präsident habe seinem Chef keinen Grund für den Rauswurf genannt – und Tillerson wäre gern Aussenminister geblieben.

«Ich hatte die Schnauze voll von diesen Karrierepolitikern», sagte John McEntee Reportern im August 2015 – Trump dagegen habe ihn überzeugt. McEntee, damals Angestellter bei Fox News, mailte dem Präsidentschaftskandidaten seinen Lebenslauf, wurde erst Volunteer und dann Mitarbeiter in Trumps Wahlkampf-Team. Nach der Wahl machte ihn der neue US-Präsident zu seinem persönlichen Assistenten. Er verlor seinen Job am selben Tag wie Aussenminister Rex Tillerson. Die Rede war zunächst von Sicherheitsbedenken, später berichteten Medien, es gehe um finanzielle Vergehen, die nicht in Zusammenhang mit Trump stünden. Warum er gefeuert wurde, blieb unklar.

So hatte sich Gary Cohn, ein früherer Topmanager von Goldman Sachs, seine Karriere im Weissen Haus sicher nicht vorgestellt. Über ein Jahr lang sah der prominente Wirtschaftsberater zu, wie Trump ein Freihandelsabkommen nach dem anderen aus den Angeln hob und internationale Verträge infrage stellte. Dass Trump im Sommer 2017 auch noch rechtsradikale Gewalttäter in Schutz nahm, hatte Cohn, der jüdischen Glaubens ist, gerade noch weggesteckt. Doch als der US-Präsident Strafzölle auf Aluminium und Stahl ankündigte, reichte es seinem obersten Wirtschaftsberater.

Das frühere Model hielt es für Trump-Verhältnisse ziemlich lange an der Seite des US-Präsidenten aus. Hope Hicks war bereits für Trumps Firma tätig und wechselte als Sprecherin ins Wahlkampfteam, als ihr Chef beschloss, Politiker zu werden. Schliesslich übernahm sie nach dem Rücktritt von Anthony Scaramucci das Amt der Kommunikationsdirektorin im Weissen Haus. Trump soll ihr besonders vertraut haben. Einen Tag vor ihrem Rücktritt räumte die 29-jährige Hicks in einer Anhörung vor dem Geheimdienstausschuss des Repräsentantenhauses ein, ihre Arbeit für Trump erfordere es, manchmal zu lügen. Trump sagte: «Ich werde sie an meiner Seite vermissen.»

Rachel Brand hatte als «Associate Attorney General» das dritthöchste Amt im Justizministerium der USA. Für eine in Harvard ausgebildete Karrierejuristin war das eigentlich ein Traumjob. Dennoch verliess sie den Staatsdienst, um für den Handelskonzern Walmart zu arbeiten. Brand hatte zuvor unter den Präsidenten George W. Bush und Barack Obama gedient. Unter Präsident Trump entsprach ihre Arbeit aber nicht mehr ihren Vorstellungen. Im Zusammenhang mit den Russland-Ermittlungen hatte Trump wiederholt das Justizministerium attackiert.

Es muss gewaltig gekracht haben während der zweieinhalbjährigen Ehe von David Sorensen und Jessica Corbett. Nachdem seine Ex-Frau ihn öffentlich beschuldigt hatte, ihr unter anderem mit dem Auto über den Fuss gefahren zu sein und eine Zigarette in ihrer Hand ausgedrückt zu haben, trat er umgehend von seinem Amt zurück. Zugleich behauptete Sorensen, nicht sie, sondern er sei das wahre Opfer häuslicher Gewalt. Seine Ex-Frau habe ihn mehrfach geschlagen oder beim Autofahren ins Lenkrad gefasst.

Rob Porter hatte im Weissen Haus keine herausragende Stellung, aber dennoch eine wichtige Aufgabe. Er war als Stabssekretär dafür zuständig, dass dem Präsidenten die richtigen Papiere zur richtigen Zeit vorgelegt werden konnten. Gehen musste Porter, nachdem Vorwürfe zweier Ex-Frauen öffentlich geworden waren, er habe sie misshandelt. Von einer der Frauen kursierten Fotos, die sie mit zerschundenem Gesicht zeigen. Das alles wäre schon Skandal genug gewesen. Der Eklat um den Stabssekretär verschärfte sich wegen Trumps Stabschef John Kelly, der Porter in sein Team geholt hatte, obwohl er von den Vorwürfen gewusst haben soll.

Eigentlich war ihr Job, den Ausbruch von Krankheiten möglichst zu verhindern und präventiv die Menschen über Gesundheitsrisiken aufzuklären. Risiken, wie sie zum Beispiel von Zigaretten ausgehen. Das aber hinderte Brenda Fitzgerald nicht daran, ihr Geld ausgerechnet in Tabakfirmen, Bierbrauereien und Hersteller von Softgetränken zu investieren. Die Anteile an den Unternehmen hatte sie zudem erst gekauft, nachdem sie ihren neuen Job angetreten hatte. Fitzgeralds Interessenkonflikte waren zu eindeutig.

Das Alter spielt ja in der Politik nicht immer eine entscheidende Rolle. Aber der rasante Aufstieg von Taylor Weyeneth im Weissen Haus machte dann doch stutzig. Zuletzt war er im Alter von 23 Jahren zum stellvertretenden Stabschef im Büro für Drogenkontrolle des Weissen Hauses befördert worden. Zum Verhängnis wurde dem Juristen aber nicht das Alter, sondern Unregelmässigkeiten im Lebenslauf. Er hatte etwa angegeben, bis April 2016 für eine Anwaltskanzlei gearbeitet zu haben, vergass aber zu erwähnen, warum er dort nicht mehr gern gesehen war. Er sei gefeuert worden, weil er schlicht nicht mehr zur Arbeit erschienen war, berichtete die «Washington Post».

Als Leiter der Bundesbehörde CNCS (Corporation for National and Community Service) hätte Carl Higbie das gesellschaftliche Engagement der US-Bürgerinnen und -Bürger fördern sollen. Higbie war aber nur knapp 160 Tage im Amt, nachdem er in die Kritik geraten war, weil er rassistische, sexistische sowie antimuslimische Äusserungen gemacht hatte. Der frühere Navy Seal erlangte in den USA Bekanntheit, weil er die Birther-Theorie propagiert hatte. Diese Verschwörungstheorie behauptet, Barack Obama sei nicht in den USA geboren und habe seine Geburtsurkunde gefälscht.

Dina Powell, deren Eltern aus Ägypten eingewandert waren, hatte gleich zwei Funktionen in der Trump-Administration. Im Januar 2017 wurde sie Trumps Beraterin für ökonomische Initiativen im Kabinettsrang und zwei Monate später auch noch stellvertretende nationale Sicherheitsberaterin für Strategie. Doch bereits im Januar 2018 zog sich Powell zurück, um zu Goldman Sachs zurückzukehren, wo sie Karriere gemacht hatte. Nach dem Rücktritt von Nikki Haley als US-Botschafterin bei der UNO meldete sich Trump bei Powell. Doch sie verzichtete auf die Nachfolge von Haley.

Bevor sie im Weissen Haus Karriere machte, war Omarosa Manigault Newman einst Teilnehmerin in Trumps TV-Show «The Apprentice». Was genau die Gründe für ihren Rücktritt waren, ist nicht klar. Nach ihrem Abgang machte sie dubiose Ankündigungen: Sie habe einige Geschichten zu erzählen. Newman war eine der wenigen Schwarzen in Trumps Team.

Tom Price hatte für seine Dienstflüge etwas zu oft die sehr teuren Maschinen der Regierung oder des Militärs genutzt. Die nach den Richtlinien der Regierung dringend empfohlenen günstigen Linienflüge nutzte er nur selten. Darüber konnte auch Trump nicht länger hinwegsehen.

Im Weissen Haus kümmert sich das «Office of Public Liaison» (OPL) um die Beziehungen zur Privatwirtschaft und insbesondere zu Top-Unternehmen, zu Bundesstaaten und Stadtregierungen sowie zu Interessengruppen und anderen Organisationen. Mit dem Amtsantritt von Trump am 20. Januar 2017 übernahm George Sifakis die OPL-Leitung. Gleichzeitig gehörte er zu den Sonderberatern des Präsidenten. Doch nach rund acht Monaten war schon Schluss. Sifakis' Abgang war vermutlich eine Folge der Entlassung von Stabschef Reince Priebus zwei Monate zuvor. Sifakis und Priebus sind befreundet, im Weissen Haus galten sie als enge Verbündete.

Keith Schiller stand lange in Trumps Diensten. Der einstige Detektiv der New Yorker Polizei war seit 2004 Chef des Sicherheitsteams im Trump Tower in New York. Schiller gehörte zu den wenigen Leuten ausserhalb der eigenen Familie, denen der Präsident völlig vertraute. Über seine Rücktrittsgründe konnte nur spekuliert werden.

Am Ende hiess es nur, Sebastian Gorka arbeite nicht länger für das Weisse Haus. Der ungarischstämmige Gorka gehörte zum Kern jener umstrittenen und hartrechten Mitarbeiter, die mit Stephen Bannon in den Dunstkreis des Präsidenten gelangt waren. Eine Woche nach Bannons Demission war auch für Gorka kein Platz mehr im Weissen Haus. Ob Gorka gefeuert wurde oder selbst ging, blieb unklar.

Trump hatte nach den rechtsextremen Ausschreitungen in Charlottesville im August 2017 unter anderem gesagt, es gebe «feine Leute» auf beiden Seiten. Und er geriet dafür mächtig unter Feuer. Im Weissen Haus machten dafür manche den früheren «Breitbart»-Chef Stephen Bannon verantwortlich. Bannon hatte Trump damals beraten – und der Präsident wohl auf ihn gehört. Dem neuen Stabschef John Kelly muss spätestens da klar geworden sein, welch zerstörerisches Potenzial Bannon hat. Und weil Trump seit Längerem missfiel, dass sich Bannon als Strippenzieher des Wahlsiegs inszenierte und von Medien als «President Bannon» bezeichnet wurde, konnte Kelly seinen Chef überzeugen, dass Bannon gehen muss.

Der Immobilien-Milliardär Carl Icahn war dem Ruf seines alten Geschäftspartners Trump gefolgt und übernahm einen unbezahlten Beraterposten in dessen Regierung. Als das Magazin «The New Yorker» die diversen Interessenkonflikte offenlegte, die Icahn in diesem Amt haben musste, nahm er seinen Hut. Icahn schien seinen Beratungsschwerpunkt weniger auf das Wohl des Landes und mehr auf seine eigenen Geschäfte auszurichten – und damit auch auf das Business von Trump.

Kenneth Frazier, Chef des US-Pharmakonzerns Merck, trat aus Protest gegen Trumps verharmlosende Äusserungen zu rechter und rassistischer Gewalt in Charlottesville zurück. Trump beschimpfte den Afroamerikaner danach auf Twitter. Es folgten reihenweise weitere Rücktritte aus zwei wichtigen Beiräten des Weissen Hauses. Verstimmt und mangels ergebener Mitglieder löste Trump beide Gremien auf.

Der frühere New Yorker Finanzmanager Anthony Scaramucci sollte eigentlich das Kommunikationschaos im Weissen Haus beseitigen. Er machte aber alles noch viel schlimmer. Im Gespräch mit Journalisten beschuldigte «The Mooch» den gerade erst zurückgetretenen Stabschef Reince Priebus, dieser sei der von Trump gesuchte Leaker, der brisante Informationen an die Medien gebe. Trumps Chefstrategen Stephen Bannon beschimpfte Scaramucci mit den Worten: «Ich versuche wenigstens nicht dauernd, mir selbst einen zu blasen.» John Kelly, der Nachfolger von Priebus, schaute sich das Spiel nicht lange an. Und er feuerte Scaramucci nach nur zehn Tagen im Amt.

Reince Priebus galt als schwacher Stabschef, der die Streitereien zwischen den diversen Lagern im Weissen Haus weder schlichten noch kanalisieren konnte. Von Anfang an war ihm Chefstratege Stephen Bannon, der völlig andere politisch Ziele als Priebus verfolgt, gleichgestellt, sodass es keine Ordnung geben konnte. Im Grunde hatte jeder jederzeit Zugang zum Oval Office. Und jeder konnte den Präsidenten mit Informationen füttern – auch wenn sie noch so falsch waren. Dass etwas schieflief, blieb auch Trump nicht verborgen. Er holte schliesslich den strengen Ex-General John Kelly.

Sean Spicers Medienkonferenzen waren legendär. Nie zuvor hatte jemand in dieser Position die Journalisten derart unverfroren persönlich angegriffen und sich zugleich selbst in Widersprüche verstrickt. Er log sogar über nachweisbare Fakten wie die Zahl der Teilnehmer an Trumps Amtseinführung. Die Medienkonferenzen aus dem Weissen Haus hatten Einschaltquoten wie nie zuvor. Über einen Rücktritt oder Rauswurf hatte es wochenlange Spekulationen gegeben. Spicer trat zurück, als Trump ihm Anthony Scaramucci als neuen Kommunikationsdirektor vor die Nase setzte. Trumps Politik verteidigte Spicer nach seinem Abgang immer noch – nun aber in TV-Studios.

Berufen wurde Walter Shaub 2013 vom damaligen Präsidenten Barack Obama. Eigentlich für eine fünfjährige Amtszeit. Shaub merkte aber schnell, dass unter Trump für die Ethik-Behörde ein anderes Zeitalter angebrochen war. Ethische Fragen wurden unwichtig, seine Anfragen an die Regierung liefen oft ins Leere, wurden nicht oder nur halbherzig beantwortet. Am Ende gab Shaub auf, warnte vor einer «Kleptokratie» und forderte strengere Ethikregeln, denen sich die US-Regierung nicht so leicht entziehen dürfe.

Der Medienunternehmer Mike Dubke trat sein Amt am 6. März 2017 an, nachdem Sean Spicer die Doppelbelastung zu viel wurde. Er sollte eigentlich dafür sorgen, die Kommunikationsstrategie des Weissen Hauses «fokussierter und disziplinierter» zu machen. Warum er das Amt so schnell wieder verliess, blieb Dubkes Geheimnis.

Robert Iger, Chef des Medienkonzerns Walt Disney, verliess das überparteiliche Beratergremium aus Protest gegen Trumps Entscheidung, die Unterstützung der USA für das Klimaabkommen von Paris zu beenden. Danach wurde spekuliert, dass Iger 2020 selbst für das Weisse Haus kandidieren möchte.

Elon Musk, Chef des Elektroauto-Herstellers Tesla, protestierte mit seinem Rücktritt gegen Trumps Entscheidung, die Unterstützung der USA für das Klimaabkommen von Paris zurückzuziehen. Musk verliess sowohl das «American Manufacturing Council» als auch ein in allgemeinen Wirtschaftsfragen beratendes Gremium, den «Business Advisory Council».

Kathleen McFarland war vor allem durch Auftritte als Analystin des konservativen TV-Senders Fox News bekannt geworden und hatte eng mit Trumps erstem Sicherheitsberater Michael Flynn zusammengearbeitet. Als dessen Nachfolger H.R. McMaster seine Position übernahm, war für sie kein Platz mehr im Team der Sicherheitsberater. Trump schickte McFarland als US-Botschafterin nach Singapur.

FBI-Chef James Comey war mitten in den Ermittlungen über die Verbindungen von Trumps Wahlkampfteam zu russischen Regierungsvertretern, als Trump ihn völlig überraschend feuerte. Der Präsident hatte sich wohl erhofft, damit die unangenehmen Russland-Ermittlungen endlich beenden zu können. Aber ausgerechnet sein Justizministerium setzte mit dem einstigen FBI-Chef Robert Mueller einen unabhängigen Sonderermittler ein, der als noch härterer Hund galt. Nach seinem Rauswurf veröffentlichte Comey ein Buch, in dem er mit Trump abrechnete.

Angella Reid war seit 2011 die erste Frau und zweite Schwarze, die im und um das Weisse Haus herum für Sauberkeit, Ordnung und das richtige Besteck am richtigen Platz verantwortlich war. Trumps Vorgänger Barack Obama hatte sie auf den Chefposten gehoben. Das allein wäre schon Grund genug gewesen für Trump, sie zu feuern. Ausserdem soll Trump Schwarze nicht als Mitarbeiter mögen. Einen plausiblen Grund für ihre Kündigung erfuhr Reid nicht. Üblicherweise bleiben «White House Chief Usher», wenn sie einmal ernannt wurden, bis zur Rente auf ihrem Posten.

Katie Walsh war zuvor eine führende Mitarbeiterin der Republikanischen Partei und eine Vertraute von Reince Priebus. Nach ersten Personalumbauten im Weissen Haus ging auch Walsh – ohne Gründe zu nennen. Walsh blieb Trump allerdings treu und übernahm einen Beraterposten in Trump-nahen Organisationen.

Der konservative Politikwissenschaftler war im wichtigen Beratergremium für die «westliche Hemisphäre» zuständig. Graig Deare musste gehen, weil er sich in privater Runde abfällig über Trump und insbesondere über dessen Mexiko-Politik geäussert hatte. Zudem soll er sich beschwert haben, keinen direkten Zugang zum Präsidenten zu haben. Wissenschaftskollegen warfen Deare «ethische und moralischen Lücken» vor.

Michael Flynn musste zurücktreten, nachdem er Präsident Trump angeblich falsche Angaben über die Inhalte von Treffen mit dem russischen Botschafter in Washington gemacht hatte. Diese Treffen sowie einige Telefonate fanden kurz vor Trumps Vereidigung statt. Das war wohl illegal, weil die Politik des Amtsinhabers nicht untergraben werden darf. Flynn, ehemaliger Drei-Sterne-General, geriet danach ins Visier von Sonderermittler Robert Mueller, der die Verbindungen von Trumps Wahlkampf- und Übergangsteam zu Russland untersuchte. Laut eigenen Aussagen suchte Flynn auf Bitten von Trumps Leuten den Kontakt zu Moskaus Botschafter.

Travis Kalanick, Gründer des Fahrgast-Dienstleisters Uber, trat aus Protest gegen das von Trump unterzeichnete Dekret zurück, wonach Menschen aus bestimmten muslimischen Ländern nicht mehr in die USA einreisen sollten. Zuvor hatten Tausende Kunden Kalanicks Mitarbeit in Trumps Gremium kritisiert und unter #DeleteUber dazu aufgerufen, die App des Unternehmens zu löschen.

Trump feuerte Sally Yates, nachdem sie allen ihrem Ministerium unterstehenden Juristen die Order gegeben hatte, den Einreisestopp des Präsidenten gegen Menschen aus muslimischen Ländern nicht vor Gericht zu verteidigen. Sie hielt das Dekret für eindeutig verfassungswidrig. Diverse Urteile sollten der Demokratin später recht geben. Zudem hatte sie das Weisse Haus kurz nach Trumps Vereidigung über die Russland-Kontakte von Sicherheitsberater Michael Flynn informiert und vor negativen Folgen gewarnt. Unter Präsident Barack Obama war Yates Vize-Justizministerin gewesen.


Entscheidung 2020 - der Podcast zu den Wahlen in den USA

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Erstellt: 13.09.2019, 13:15 Uhr

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