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Trumps Sprecher, rechthaberisch und gefangen

Sean Spicer sagt, Fakten seien letztlich eine Frage der Auslegung. Willkommen bei George Orwell in «1984».

Rechthaberisch und gefangen in einer eigenen Version der Realität: Sean Spicer an seiner ersten Pressekonferenz (21. Januar 2017).

Donald Trump begann sein Amt als US-Präsident, wie er den Wahlkampf beendet hatte: mit scharfen Attacken gegen die Medien. Sean Spicer ist dabei sein perfektes Sprachrohr. Der neue Kommunikationschef bewies sich bereits auch als Schüler von George Orwell und dessen pessimistischer Vision einer Regierung, der die Desinformation ein Mittel zum Zweck der Machterhaltung ist.

Die Medien waren gewarnt. Trump hatte sie im Wahlkampf 18 Monate schlechtgeredet und ihnen mit juristischen Sanktionen gedroht, wie dies kein Kandidat je getan hatte. Somit war der erste offene Schlagabtausch nur eine Frage der Zeit. Überraschend war es dann aber doch, als Sean Spicer bereits bei seinem ersten Auftritt den Medienschaffenden unterstellte, die Öffentlichkeit immer wieder in die Irre zu führen und nichts anderes zu wollen, als den Präsidenten zu demontieren. Dabei aber tischte er selber ein halbes Dutzend falsche Behauptungen auf, die im Sprachgebrauch der Regierung aber nur «alternative Fakten» sind. Spicer ist wie die echte Stimme seines Chefs: rechthaberisch und gefangen in einer eigenen Version der Realität.

Bildstrecke – die Ära Trump hat begonnen:

«Wir geben die Macht dem Volk zurück»: Donald Trump, 45. Präsident der USA, spricht zur Menge in Washington DC. (20. Januar 2017)
«Wir geben die Macht dem Volk zurück»: Donald Trump, 45. Präsident der USA, spricht zur Menge in Washington DC. (20. Januar 2017)
Patrick Semansky/AP, Keystone
Daumen hoch: Trump tritt für seine Antrittsrede ans Pult auf dem Capitol Hill. (20. Januar 2017)
Daumen hoch: Trump tritt für seine Antrittsrede ans Pult auf dem Capitol Hill. (20. Januar 2017)
Saul Loeb, AFP
Mit Kappen und Hüten: Anhänger von Donald Trump stehen am frühen Morgen Schlange zur Inauguration.
Mit Kappen und Hüten: Anhänger von Donald Trump stehen am frühen Morgen Schlange zur Inauguration.
John Minchillo, Keystone
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Der Anlass für die Attacke auf die Medien war ebenso kleinlich wie typisch. Trump regte sich über Berichte über seine Amtseinsetzung auf, die zeigten, dass Barack Obama seinerzeit mehr Besucher nach Washington geholt hatte. Nicht nur Fotos bewiesen dies, auch die Passagierzahlen der U-Bahn und die Schätzungen der Polizei bestätigten es. Das hinderte Spicer nicht, das Darstellen von Fakten als versuchte Diskre­ditierung der Regierung darzustellen. Am Montag doppelte er dann nach: Die Medien neigten zum übereilten Urteil gegenüber Trump. «Wenn ihr meine Integrität infrage stellt, so habe ich das Recht, die Fakten richtigzustellen.» Er sei der Wahrheit verpflichtet, versicherte er. «Wir alle versuchen nur, das Beste aus unserer Arbeit zu machen.»

Spicer ist ein geschickter Botschafter seines Chefs. Er ist wortgewandt und charmant. Obwohl er nur zweite Wahl war, bewies er bei seiner ersten grossen Medienkonferenz vom Montag, dass er die Dossiers kennt und Präsident Trump besser verkaufen kann als dieser sich selbst. Der 45-Jährige hat das Handwerk im Militär gelernt, unter anderem als Öffentlichkeitsbeauftragter der US Navy, sowie als Kommunikationschef der Republikanischen Partei. Er leistete gute Arbeit und sanierte die Finanzen der Partei. Im Kabinett Trump findet er sich nun wieder in einem vertrauten Umfeld, haben doch nicht weniger als fünf Minister, der CIA-Chef und Chefstratege Steve Bannon eine Militärkarriere hinter sich. Spicer weiss, wo sein Platz in der Hierarchie ist. Fakten seien letztlich eine Frage der Auslegung, sagte er. Darin aber verbirgt sich eine Regierung, vor der George Orwell in «1984» warnte; eine Regierung, die die Desinformation als legitimes Machtmittel betrachtet.

Video – wer machts besser? Trump- und Obama-Inauguration im Vergleich:

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