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Hoffnung aus Papier

Wahlen, nicht Bücher sind die einzige Möglichkeit, um Trump für sein Verhalten zu bestrafen.

Michael Wolffs Trump-Enthüllungsbuch ist jetzt schon ein Bestseller: «Fire and Fury». Video: Reuters/Tamedia

Viele Menschen, die Donald Trump nicht für einen guten Präsidenten halten, hegen immer noch eine Hoffnung. Vielleicht ist es auch eher eine Sehnsucht – eine Sehnsucht nach dem Moment, in dem auch all jene, die Donald Trump durchaus für einen guten Präsidenten halten, ihren Irrtum einsehen. In dem dann auch Trumps Anhänger sagen: Jetzt langt es. Dieser Mann ist so (bitte ankreuzen, es ist mehr als eine Auswahl möglich) irre, dumm, gefährlich, durchgedreht, ignorant, zerstörerisch, korrupt, dass man sich versündigt, wenn man ihn weiter unterstützt. Er muss weg.

Das ist, psychologisch gesehen, der Boden, auf dem die Hysterie wächst, die das Buch «Fire and Fury» ausgelöst hat. Trump facht sie zwar an, wenn er voller Trotz und Wut behauptet, ein «sehr stabiles Genie» zu sein. Aber in Wahrheit besteht die Aufregung zu einem Gutteil aus der zitternden Erwartung des trumpfeindlichen Publikums, dass der oben erwähnte Augenblick endlich da ist. Aus einem Buch, das schildert, was jeder weiss, welcher Wahnsinn Trump nämlich umgibt, wird auf diese Art das Buch, das den Moment herbeiführt: Trumps Sturz.

«Warum kommen alle diese Leute aus Drecksloch-Ländern zu uns?» US-Präsident Donald Trump. (Archivbild)
«Warum kommen alle diese Leute aus Drecksloch-Ländern zu uns?» US-Präsident Donald Trump. (Archivbild)
Evan Vucci, Keystone
Unerwartete Äusserungen von Trump über den nordkoreanischen Machthaber Kim Jong-un. (Archivbild)
Unerwartete Äusserungen von Trump über den nordkoreanischen Machthaber Kim Jong-un. (Archivbild)
KCNA, AFP
epa06382774 YEARENDER 2017 NOVEMBER.Russian President Vladimir Putin (R) and US President Donald J. Trump (L) talk at the break of a leader's meeting at the 25th Asia-Pacific Economic Cooperation (APEC) summit in Da Nang, Vietnam, 11 November 2017. The APEC summit brings together world leaders from its 21 member nations and is being hosted for the second time by Vietnam, the first being in 2006.  EPA/MIKHAIL KLIMENTYEV/SPUTNIK/KREMLIN POOL MANDATORY CREDIT
epa06382774 YEARENDER 2017 NOVEMBER.Russian President Vladimir Putin (R) and US President Donald J. Trump (L) talk at the break of a leader's meeting at the 25th Asia-Pacific Economic Cooperation (APEC) summit in Da Nang, Vietnam, 11 November 2017. The APEC summit brings together world leaders from its 21 member nations and is being hosted for the second time by Vietnam, the first being in 2006. EPA/MIKHAIL KLIMENTYEV/SPUTNIK/KREMLIN POOL MANDATORY CREDIT
Keystone
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In Wahrheit freilich ist dieser Moment eine Illusion. Donald Trump wird nicht über «Fire and Fury» stürzen. Die Republikaner in Washington, die ja auch längst wissen, was für eine Gestalt sie da zum Präsidenten gemacht haben, werden ihn nicht wegen ein paar Seiten Papier fallen lassen. Immerhin unterschreibt er brav jedes Gesetz, das sie ihm vorlegen. Auch Trumps Wähler werden sich nicht von ihm abwenden, nur weil ein reicher, linker New Yorker Journalist ihren Präsidenten als unflätig entlarvt. Genau deswegen lieben sie Donald Trump ja, weil er jedem kräftig in den Hintern tritt. Wer in Amerika vor dem Buch noch an Trump glaubte, der glaubt auch nach dem Buch noch an ihn. Den erschüttert nichts.

Die Schutzmauer um Trump

Die hoffnungsvollen Trump-Stürzer übersehen, dass es – abgesehen von einem Rücktritt – vielleicht in der Theorie Wege gibt, einen Präsidenten loszuwerden, aber kaum in der Praxis. In Artikel 1 und im 25. Zusatzartikel der amerikanischen Verfassung steht zwar, wie ein Präsident aus dem Amt entfernt werden kann. Grob gesagt, ist das möglich, wenn der Amtsinhaber entweder kriminell oder geistig umnachtet ist. Doch selbst dann ist eine politische Mehrheit im Kongress für die Amtsenthebung notwendig. Und die Wahrheit ist: Nichts, was bisher über Donald Trumps Taten und Charakter bekannt ist, reicht, um ein Impeachment zu rechtfertigen, so bizarr und verwerflich er sich auch benehmen mag. Das kann sich irgendwann ändern; aber bestimmt nicht jetzt durch «Fire and Fury».

Donald Trump profitiert davon, dass die Verfassung ihn vor dem Rauswurf bewahrt. Wenn es etwas Stabiles in seinem Leben gibt, dann ist es die Schutzmauer, die Amerikas Gründer­väter um den Präsidenten gebaut haben. Die Voraussetzung, um Präsident der Vereinigten Staaten zu werden, ist nicht, fleissig oder klug zu sein, gebildet, menschenfreundlich oder würdevoll. Es reicht vollkommen, eine Wahl zu gewinnen. Diese Wahl hat Donald Trump gewonnen.

Und deswegen sind Wahlen, nicht Bücher die einzige Möglichkeit, um Trump für sein Verhalten zu bestrafen. Am 6. November 2018 wird der Kongress neu gewählt, am 3.November 2020 der amerikanische Präsident. Vielleicht ist das dann der Tag, an dem Donald Trump stürzt.

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