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«Ich bin ein Escort, keine Prostituierte»

Erstmals spricht die Frau, die den Skandal im Secret Service ausgelöst hat. Beim Streit zwischen ihr und einem US-Agenten sei es um viel mehr Geld gegangen als bisher bekannt.

Von hier sollen die Mitarbeiter des Secret Service 20 Prostituierte in ihre Hotelzimmer mitgenommen haben: Der «Play Club» in Cartagena. (18. April 2012)
Von hier sollen die Mitarbeiter des Secret Service 20 Prostituierte in ihre Hotelzimmer mitgenommen haben: Der «Play Club» in Cartagena. (18. April 2012)
AFP
Einer von Obamas Leibwächtern wollte nicht bezahlen: Prostituierte in der Altstadt von Cartagena. (14. April 2012)
Einer von Obamas Leibwächtern wollte nicht bezahlen: Prostituierte in der Altstadt von Cartagena. (14. April 2012)
Reuters
Mitarbeiter des Secret Service in der Nähe des Kongresszentrums von Cartagena. (14. April 2012)
Mitarbeiter des Secret Service in der Nähe des Kongresszentrums von Cartagena. (14. April 2012)
Keystone
Hier sollen Agenten und Armeeangehörige im Vorfeld des Amerika-Gipfels mit Prostituierten gefeiert haben: Hotel Caribe in Cartagena, Kolumbien. (14. April 2012)
Hier sollen Agenten und Armeeangehörige im Vorfeld des Amerika-Gipfels mit Prostituierten gefeiert haben: Hotel Caribe in Cartagena, Kolumbien. (14. April 2012)
Keystone
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Die Kolumbianerin ist wütend. Die 24-Jährige, die im Zentrum des Sexskandals steht, der den US Secret Service erschüttert, will ihren Namen den Reportern der «New York Times» nicht angeben. Denn sie hat Angst: «Das ist etwas wirklich Grosses. Das ist die US-Regierung. Ich habe Probleme mit den Nerven. Ich weine die ganze Zeit», sagt sie dem Reporter, dem es gelang, sie in Cartagena ausfindig zu machen.

Erstmals wird so ihre Version der Geschichte bekannt. Sie deckt sich laut US-Politikern, die die «New York Times» zitiert, weitgehend mit der Schilderung der Agenten. Dennoch hat Senatorin Susan Collins, die im Homeland-Security-Senatsausschuss sitzt, Abweichungen in einigen Details ausgemacht. Insbesondere beim Geldbetrag, um den es bei dem Streit gegangen sei.

Das 800-Dollar-Escort-Girl

Nicht wegen 50 Dollar sei die Situation dermassen eskaliert, sagt die Kolumbianerin. Da sie den potenziellen Freier als vermögenden Ausländer eingeschätzt hatte, habe sie 800 Dollar verlangt, damit sie auf sein Hotelzimmer mitgehe. Allein der Preis zeige: «Ich bin ein Escort-Girl, keine Prostituierte.» Das sei zwar dasselbe, aber doch verschieden. Denn sie sei viel wählerischer bei ihrer Kundschaft und stehe nicht auf der Strasse rum. «Es ist, wie wenn man einen guten Rum oder ein iPhone kauft», erklärt die 24-Jährige. «Die haben einen anderen Preis.» Als Escort habe man einen «höheren Rang».

Vor einer Woche sollen elf Mitarbeiter des Secret Service und zehn Angehörige des Militärs in ihrem Hotel mit 20 Prostituierten eine Orgie gefeiert haben. Die Amerikaner, die auch viel Alkohol getrunken hatten, waren für die Sicherheitsvorbereitungen für den Kolumbien-Besuch von Präsident Barack Obama zuständig. In Washington wurde befürchtet, sie könnten Geheimnisse ausgeplaudert haben oder durch ihr reglementswidriges Verhalten erpressbar geworden sein. Sie wurden umgehend suspendiert. Inzwischen wurde nun einer entlassen, einer trat in den Ruhestand und einer habe von sich aus gekündigt (siehe Info-Box).

Ausrede des Agenten

Zum Eklat kam es laut der Frau im Zentrum des Skandals, als sie um 6.30 Uhr einen Weckruf von der Reception des Hotels Caribe erhielt. Die Hausregeln sehen vor, dass Prostituierte das Haus bis 7 Uhr verlassen müssen. Als sie von ihrem Freier, von dessen Mitarbeit beim Secret Service sie nichts gewusst habe, das Geld forderte, habe dieser gesagt, er sei betrunken gewesen, als sie den Preis verhandelt hatten. Er bot ihr 50'000 Pesos an, umgerechnet 30 Dollar.

Als sie insistierte, sei der Amerikaner wütend geworden, habe sie beschimpft und aus dem Zimmer geworfen. Weinend habe sie mit einem zweiten Escort-Girl, das die Nacht mit einem anderen Amerikaner auf derselben Etage verbracht hatte, an die Tür geklopft und das Geld verlangt. Keine Antwort. Als sie drohte, die Polizei zu rufen, sei ein weiterer Amerikaner aus einem andern Zimmer gekommen und habe sie gebeten, das nicht zu tun. Schliesslich sei sie von dannen gezogen.

Polizisten setzen sich für Frauen ein

Im Flur begegnete sie jedoch einem Polizisten, der dort stationiert war. Der habe einen Englisch sprechenden Kollegen gerufen. Gemeinsam zogen sie vor das Zimmer des Gringos. Zwei weitere Amerikaner kamen daraufhin aus ihren Zimmern und pflanzten sich vor der abgeschlossenen Tür ihres Kollegen auf. Die beiden Polizisten setzten sich für die Frauen ein. Der Streit eskalierte. Ein Sicherheitsangestellter des Hotels kam hinzu, und die Frau senkte ihre Preisforderung auf 250 Dollar. Das sei der Betrag, den sie ihrem Zuhälter bezahlen müsse. Die Amerikaner kramten darauf ihr Geld hervor und übergaben der Frau rund 225 Dollar. Sie ging.

Mehrere Tage später habe ein Freund sie angerufen und gesagt, ihre Geschichte sei am Fernsehen gekommen. Erst dann habe sie erfahren, dass es sich bei ihrem zahlungsunwilligen Freier um einen Mitarbeiter des Secret Service gehandelt habe. Der verschwiegene Dienst wollte gegenüber der «New York Times» zu dieser Schilderung keinen Kommentar abgeben. Offenbar wäre er für die Untersuchung der Affäre jedoch interessiert daran, die Frau zu befragen. Das wolle sie aber nicht, schreibt die «New York Times». Sie plane Cartagena demnächst zu verlassen.

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