«Ich bin nicht frustriert und ich kündige nicht»

US-Stabschef John Kelly hat bei einem seiner seltenen öffentlichen Auftritte Rücktrittsgerüchte dementiert.

«Das ist ein wirklich, wirklich harter Job»: Stabschef John Kelly. (Video: Tamedia/AP)

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Harter Job – Ja; Frustration oder Rücktritt – Nein: In einem seltenen öffentlichen Auftritt ist Donald Trumps Stabschef John Kelly allen Rücktrittsgerüchten entgegengetreten.

«Ich bin nicht so frustriert, dass ich gehe. Und ich werde auch nicht gefeuert», sagte Kelly am Donnerstag vor der White-House-Presse. Der Ex-General hatte Ende Juli den glücklosen Reince Priebus abgelöst.

«Das ist ein wirklich, wirklich harter Job», sagte Kelly. Es gebe immens viele Herausforderungen. Auch habe er bei seinem Amtsantritt sehr viele Dinge vorgefunden, die aufgeschoben worden waren und eigentlich früher hätten gelöst werden müssen. Er habe in der Tat einen gewissen Grad an Organisation in das Weisse Haus gebracht, sagte Kelly lächelnd – und fügte hinzu, er wolle das aber gewiss nicht als Vorwurf verstanden wissen.

Gutes Feedback

Kelly erhielt von US-Medien sehr viel Lob für seinen Auftritt. Er sei informiert, sachlich, abgewogen, interessiert, freundlich, diplomatisch und souverän gewesen. «Der beste Auftritt von diesem Podium seit neun Monaten», twitterten Reporter.

Das Lob für Kelly speist sich auch daraus, dass sich die White-House-Presse oft harscher Kritik von Trumps Sprechern ausgesetzt sieht oder Fragen sehr ausweichend, gar nicht oder sachlich unkorrekt beantwortet werden.

Kelly hatte erkennbar Spass an seinem rund 30-minütigen Auftritt. In der Sache war der Ex-General trotzdem knallhart und liess keinen Zweifel aufkommen, für wen er arbeitet. Eine der grössten Frustrationen des Präsidenten «sind Sie», sagte er an die White-House-Presse. «Sie alle. Nicht alle, aber viele von Ihnen.» Die Hauptstadtmedien sollten sich bessere Quellen erarbeiten, schlug Kelly vor.

Körpersprache falsch interpretiert

Gefragt, was ihn nachts nicht schlafen lasse, verwies Kelly auf Nordkorea. Ausdrücklich lobte Kelly das US-Aussenministerium, das in dieser Krise einen hervorragenden Job mache. Das ist insofern bemerkenswert, als Trump die US-Diplomatie und Aussenminister Rex Tillerson öffentlich geringgeschätzt hat. Immer öfter verweist Trump auf «andere» Optionen und kann damit kaum andere als militärische meinen.

Auf viral verbreitete Bilder angesprochen, die ihn während verschiedener Trump-Reden in vermeintlich verzweifelter Haltung mit der Hand vor den Augen zeigen, sagte Kelly: «Ihr fotografiert mich immer nur, wenn ich hart nachdenke.» (chk/sda)

Erstellt: 13.10.2017, 05:35 Uhr

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