«Ich nenne es den patriotischen Frühling»

Der holländische Rechtspopulist Geert Wilders war auf Besuch bei Donald Trumps Nominierungsparteitag in Cleveland. Er sieht den Milliardär als Teil einer neuen Bewegung.

Begehrter Gast: Geert Wilders spricht am republikanischen Kongress zu Reportern (19. Juli 2016).

Begehrter Gast: Geert Wilders spricht am republikanischen Kongress zu Reportern (19. Juli 2016). Bild: AP Photo

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Herr Wilders, Donald Trump zeichnet ein düsteres Bild unsere Zeit: Terror, Kriminalität, Arbeitslosigkeit. Die USA gehe vor die Hunde und er allein könne sie retten, behauptet er. Ist es denn so einfach?
Geert Wilders: Donald Trump stellt die richtigen Fragen, hält die Finger in die Wunden und hat in kurzer Zeit mehr bewirkt, als die ganzen sogenannt etablierten Politiker. Das ist ihm hoch anzurechnen. Und ich bin froh, dass wir auch in Europa immer mehr zur Vernunft kommen und es viele neue Leader gibt, die wie Trump zunächst auf ihr eigenes Land schauen. Ich nenne es den patriotischen Frühling, der durch Europa zieht, und der nach all den Jahren des Multikulturalismus unserem Kontinent gut tun wird.

Wer erinnert Sie in Europa an Donald Trump?
Es geht nicht um Personen, es geht um Ideen. Donald Trump hat erkannt, wie sehr sich die Bürger von den politischen Eliten, seien sie nun in Washington oder Berlin, entfernt haben. Viele Menschen fühlen sich nicht mehr ernst genommen, nirgends aufgehoben und übergangen. Ihre Lebenswirklichkeit hat nichts mehr damit zu tun, was Politiker in inhaltslosen Reden von sich geben.

Donald Trump ist als Millionär geboren, woher soll ausgerechnet er die Sorgen der einfachen Menschen verstehen?
Was ist das für eine Frage? Er ist ein harter Arbeiter, der mehr gesehen hat, als alle Politiker zusammen. Die Menschen haben Angst vor Islamisierung, vor offenen Grenzen und einem allgemeinen Wertezerfall. Er hat das nicht nur erkannt, er hatte den Mut, es anzusprechen, weil Donald Trump, anders die meisten, nicht blind ist vor lauter politischer Korrektheit.

Männer wie Donald Trump oder auch Sie spielen mit diesen Ängsten.
Den Vorwurf höre ich oft von Journalisten — und ich verstehe ihn nicht. Ich spiele nicht damit, sondern nehme die Angst ernst. Natürlich verstehen viele Menschen in Holland, Amerika oder Deutschland nicht, was gerade vor sich geht in ihren Länder. Dass man Flüchtlingen mehr Beachtung schenkt, dass man sie herzlich empfängt, obwohl sie dann, wie in Köln, die Bewohner belästigen und in Schrecken versetzen. Natürlich macht es Angst, wenn ein Junge aus Afghanistan mit der Axt durch einen Zug läuft, aber diese und ähnliche Taten keine politischen Folgen haben. Manchmal habe ich das Gefühl, dass neben den Politikern auch viele Journalisten den Bezug zur Allgemeinbevölkerung verloren haben.

Donald Trump will eine Mauer bauen, um sein Land vor Immigranten zu schützen. Wollen Sie auch eine Mauer um Holland?
Die Medien machen sich lustig über Trumps Pläne, dabei hat er recht. Es geht nicht konkret um die Mauer, aber wir müssen unsere Grenzen besser schützen. Ob in Amerika oder in Holland. Es kann nicht sein, dass islamistische Attentäter zu uns kommen, bei uns aufwachsen und uns dann bekriegen. Solche Menschen wollen wir nicht. Das ist nicht fremdenfeindlich, wenn ich das sage. Es ist gesunder Menschenverstand.

Trump stellt mit seiner Forderung, die Grenzen für sämtliche Muslime zu sperren, eine ganze Religion an den Pranger.
Nein, das tut er nicht. Er sagt, er will keine Terroristen aus Syrien. In den Niederlanden leben rund 900'000 Muslime. Die meisten sind friedlich, wir haben nichts gegen sie. Es sind die Radikalen, die wir bekämpfen müssen.

Wollen Sie aus der EU aussteigen, so wie die Briten?
Natürlich.

Wann?
Wenn es nach mir ginge, morgen. Die Briten werden langfristig vom Brexit profitieren, davon bin ich überzeugt, und auch wir würden von einem EU-Austritt profitieren. Wir erhielten unsere Souveränität zurück, unsere Selbstbestimmung in der Einwanderungspolitik und in Finanzfragen.

Werden Sie Trump nach Holland einladen?
Das weiss ich nicht. Er hat in den nächsten Monaten wohl anderes zu tun.

Erstellt: 24.07.2016, 18:30 Uhr

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