«Impeachment? Nicht mit mir»

US-Präsident Trump hat seine erste Wahlkampfrede seit dem Beginn des Verfahrens gehalten. Seinem Selbstbewusstsein geht es bestens.

«Wie soll man so Geschäfte machen?» Donald Trump äusserte sich in Minneapolis zur Ukraine-Affäre. (10. Oktober 2019) Video: Tamedia

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Der Donnerstag fing für Donald Trump wohl unerfreulicher an, als er endete. Am Morgen veröffentlichte Fox News eine neue Umfrage, derzufolge erstmals 51 Prozent der US-Amerikaner für ein Impeachment gegen ihn sind. Der US-Präsident tat daraufhin, was er gerne in solchen Situationen tut: Er twitterte. «Wer immer diese Umfrage gemacht hat, er ist eine Niete.»

Einige Stunden später zeigte Trump dann auf offener Bühne, was er von den ganzen Vorwürfen in der Ukraine-Affäre gegen ihn hält: Nämlich nichts.

In Minneapolis im US-Bundesstaat Minnesota trat der Präsident in einer Halle vor Tausenden Fans auf – während vor den Türen Demonstranten Anti-Trump-Schilder in die Höhe hielten. Es war Trumps erste Wahlkampfrede, seitdem die Demokraten vor zwei Wochen ein Impeachment-Verfahren gegen ihn starteten. Trump machte in Minneapolis das, was er am besten kann.

Unterstützer sind begeistert von Trumps Auftritt in Minneapolis. (10. Oktober 2019) Bild: Leah Millis/Reuters

Er lobte sich selbst, er lobte die Vereinigten Staaten von Amerika, er machte sich lustig über politische Kontrahenten und über Journalisten. Die Menge wusste es ihrer lautstarken Reaktion nach zu schätzen, es wurde gebuht, wenn Trump es wollte, es wurde gejohlt.

Besonders ausgiebig bedachte er Joe Biden mit seinem Spott. Der demokratische Präsidentschaftsbewerber sei vom «Washingtoner Sumpf kontrolliert». Biden würde niemals mit den Chinesen oder Nordkoreas Machthaber so verhandeln können, wie er es könne, prahlte Trump. Er sei nur ein guter Vizepräsident gewesen, weil er Barack Obamas Hintern geküsst habe.

«Kranke und gestörte Leute»

Die Vorwürfe der Demokraten gegen ihn selbst in der Ukraine-Affäre seien ein Witz. «Wir haben es mit einigen wirklich kranken und gestörten Leuten zu tun», schimpfte Trump. «Impeachment? Nicht mit mir.» Er stimmte seine Unterstützer auf den Wahlkampf der nächsten Monate ein: «Die Demokraten wollen unsere Demokratie zerstören. Sie wollen eure Stimme auslöschen und eine demokratische Wahl rückgängig machen. Aber wir lassen das nicht zu. Wir werden sie besiegen.»

Die Demokraten bekämen bei der nächsten Präsidentschaftswahl 2020 die Quittung für ihren Versuch, die Regierung zu stürzen. Was sie täten, sei nichts als eine «Hexenjagd».

Gerührte Zuhörerinnen während des Rallye in Minneapolis. (10. Oktober 2019) Bild: Leah Millis/Reuters

Trump wird von den Demokraten vorgeworfen, die Macht seines Amtes missbraucht zu haben, damit sich eine ausländische Regierung zu seinen Gunsten in den Wahlkampf einmischt.

Der US-Präsident hatte den ukrainischen Präsidenten Wolodimir Selenski in einem Telefonat zu Ermittlungen gegen Joe und Hunter Biden ermuntert. Den Demokraten zufolge nutzte Trump zeitweise blockierte Militärhilfe für die Ukraine als Druckmittel. Sie haben daher Ermittlungen für ein mögliches Amtsenthebungsverfahren gegen ihn angestossen.

Streit um Security-Kosten in Minneapolis

Trotz aller Vorwürfe war es ein Heimspiel für Trump an diesem Abend inmitten seiner Fans. Dabei ist Minneapolis nicht das leichteste Terrain. Die Stadt in Minnesota gilt als liberal, die demokratische Kongressabgeordnete Ilhan Omar hat hier ihren Wahlkreis und den Umfragen zufolge hohe Zustimmungswerte. Ihr hatte Trump vor geraumer Zeit geraten, dorthin zurückzugehen, wo sie herkomme. Omar wurde in Somalia geboren, wanderte später in die USA ein und wurde US-Bürgerin.

Es würde auch an Omar liegen, dass er die nächsten Wahlen dort gewinnen werde, sagte der US-Präsident im Vorfeld des Rallye. In der Halle wiederholte Trump diesen Anspruch. «Wir werden diesen Bundesstaat gewinnen», brüllte er in die Menge. Seit Richard Nixon 1972 hat kein Republikaner mehr den Staat bei Präsidentschaftswahlen gewonnen. 2016 gewann Hillary Clinton in Minnesota – allerdings mit nur 44’000 Stimmen Vorsprung vor Trump.

Im Vorfeld der Wahlkampfrede in Minneapolis gab es Proteste. Trump-Unterstützer und Demonstranten gerieten aneinander, es gab «Verletzte. (10. Oktober 2019) Bild: Jeff Wheeler/«Star Tribune» via AP

Im Vorfeld der Wahlkampfveranstaltung gab es Streit zwischen der Trump-Kampagne und dem Bürgermeister von Minneapolis, wer die Security-Kosten von einer halben Million Dollar zahlen solle. Trump argumentierte, dass auch Clinton und Obama nicht hätten zahlen müssen in der Vergangenheit, der Bürgermeister hielt dagegen, dass Trump nicht als Präsident, sondern als Wahlkämpfer in die Stadt komme und deshalb selbst für die Security zahlen solle.

Donald Trump in Minneapolis: «Die Demokraten wollen unsere Demokratie zerstören.» (10. Oktober 2019) Bild: Leah Millis/Reuters

Für ihn hatte der US-Präsident am Ende seiner Rede daher auch ein wenig Spott übrig. Minneapolis sei eine tolle Stadt, sagte Trump, mal abgesehen von ihrem Bürgermeister. Dabei wisse doch jeder, dass man nirgends so viel Spass habe wie auf einem Trump-Rallye. Seine Anhänger dürften das genauso sehen: Sie brachen in lautstarken Jubel aus.


Podcast «USA: Entscheidung 2020»

Hören Sie sich die neuste Folge vom Podcast «Entscheidung 2020» mit USA-Korrespondent Alan Cassidy und Redaktor Philipp Loser auch auf Spotify oder auf iTunes an.


Erstellt: 11.10.2019, 07:43 Uhr

Artikel zum Thema

Trumps «Kriegserklärung» gegen Impeachment-Ermittlungen

Das Weisse Haus verweigert jegliche Kooperation in der Ukraine-Affäre. Alle News im Ticker. Mehr...

Trump zündelt – und seine Anhänger stehen bewaffnet bereit

Analyse Ob WTO oder Impeachment: Was Donald Trump nicht passt, verunglimpft er. Seinen «Feinden» droht er dieser Tage unverhohlen mit Gewalt. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Paid Post

Rioja fasziniert mit neuer Vielfalt

Die Winzer aus der Region Rioja glänzen mit stetig zunehmender Finesse und Vielfalt. Neben Weissweinen sind auch Einzellagen, Orts- und Gebietsweine auf dem Vormarsch.

Kommentare

Die Welt in Bildern

Klimawand: Andres Petreselli bemalt in San Francisco eine Hausfassade mit einem Porträt von Greta Thunberg. (8. November 2019)
(Bild: Ben Margot) Mehr...