In San Francisco ist die Luft schlechter als in Delhi

Die kalifornische Küstenstadt ist im Rauch der Waldbrände kaum noch zu sehen. Schulen und Touristenattraktionen werden geschlossen.

Dicke Luft: Winde haben den Rauch der Waldbrände im Norden Kaliforniens bis nach San Francisco getrieben. (Video: CBS)

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Die Waldbrände in Kalifornien haben bisher schon über 60 Menschenleben gekostet, Hunderte Quadratkilometer Wald und Tausende Häuser wurden zerstört. Mehr als 600 Menschen werden noch vermisst, die Ortschaft Paradise ist fast völlig abgebrannt.

Auch in vielen nicht direkt betroffenen Teilen Kaliforniens sind die Auswirkungen des «Camp»-Feuers im Norden des Bundesstaats zu spüren. Die Behörden warnen vor gefährlicher Rauchbelastung und schlechter Luftqualität. In San Francisco etwa wurde am Donnerstag der Betrieb der bei Touristen beliebten Cable-Car-Bahnen eingestellt.

Auch der Schulbetrieb ist eingeschränkt. Alle Aktivitäten ausserhalb der Gebäude wurden diese Woche abgesagt, am Freitag bleiben die öffentlichen Schulen sogar ganz geschlossen. Die Stadt hat die Öffentlichkeit aufgefordert, wenn möglich zu Hause zu bleiben, und verteilt Atemschutzmasken an die Obdachlosen der Stadt.

Die ausserordentlich hohen Luftverschmutzungswerte haben in der Stadt die Stufe «sehr ungesund» erreicht, wie die staatliche Monitoringstelle Airnow gemessen hat. Grund dafür sei einerseits der Wind, der am Donnerstag nach Süden gedreht habe und andererseits eine Temperaturinversion. Eine Sprecherin der Stadt erklärte diese dem Guardian als eine Art Luftglocke. «Wärmere Luft liegt über der kälteren Luft», sagte sie. «Der Smog sitzt darin fest und wir bekommen immer wieder neuen Rauch».

Video: Tödliche Waldbrände

Mindestens 63 Tote, über 600 Vermisste: Vorläufige Bilanz der Grossbrände in Kalifornien. (Video: Storyful)

Auch das Schweizer Unternehmen IQAir misst die Luftqualität in vielen Städten der Welt und listet San Francisco derzeit als schmutzigste Metropole überhaupt, noch vor den chronisch versmoggten Delhi, Kalkutta oder Dhaka.

Luftqualität am Donnerstagnachmittag Quelle: IQAir/airvisual.com

Der Index entspricht jenem der USA und rechnet Feinstaubmessungen in einen skalierten Wert um. Ein Wert im roten Bereich, von 151 bis 200, bedeutet «ungesund», ab 201 beginnt die violette Stufe «sehr ungesund» und ab 301 lautet die Bezeichnung «gefährlich».

In San Francisco gingen die Werte auch über Nacht nicht markant zurück, die Stadt verbleibt im violetten Bereich und mit Abstand an der Spitze der Rangliste:

Luftqualität am Freitagmorgen Quelle: IQAir/airvisual.com

Am Freitag soll es gemäss Prognosen noch schlimmer werden in der «City by the Bay». Die Warnungen bezüglich Luftqualität gelten noch bis mindestens Dienstag, wie die Stadtbehörden mitgeteilt haben.

Dabei ist die Küstenmetropole im Vergleich zu den direkt betroffenen Gebieten noch gut dran. In Sacramento werden Werte von über 300 bis zu 400 gemessen und im Norden, in der fast komplett abgebrannten Stadt Paradise, zeigen die Messgeräte einen Luftqualitätsindex von über 600 an.

Im Rest von Kalifornien Anklicken zum Vergrössern. (Quelle: IQAir/airvisual.com)

Auch in der Schweiz sind einzelne Messstationen mit dem Monitoringsystem von IQAir verbunden. Mit Werten von 29 in Basel, bis zu 50 in Zürich und 80 in Bern liegen diese in guten Bereichen. Die Differenzen können durch die Messorte erklärt werden, es ist aber auch zu berücksichtigen, dass im Gegensatz zu den USA nur sehr wenige Geräte an das Messnetz angeschlossen sind. Diese Karte stellt demnach Einzeldaten dar:

Und in der Schweiz Anklicken zum Vergrössern. (Quelle: IQAir/airvisual.com) (anf)

Erstellt: 16.11.2018, 11:26 Uhr

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