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Interner Streit um Bloomberg entbrannt

Der Ton wird rauer, entschieden ist nichts: Auch die Vorwahl in Nevada wird das Dilemma der US-Demokraten um Bloomberg nicht lösen.

Martin Kilian, Washington
Mike Bloomberg ist bei den US-Demokraten umstritten. Erkauft er sich seine Unterstützer? Foto: Keystone
Mike Bloomberg ist bei den US-Demokraten umstritten. Erkauft er sich seine Unterstützer? Foto: Keystone

Am Samstag beginnt der dritte Akt des Dramas um die Präsidentschaftskandidatur der Demokratischen Partei: Nach Iowa und New Hampshire ist es nun am Staat Nevada, politische Präferenzen anzumelden. Erstmals werden Afroamerikaner und vor allem Latinos dabei eine Rolle spielen, erstmals auch ist Mike Bloomberg zum Hauptthema der demokratischen Vorwahlen geworden.

Zwar fehlt Bloombergs Name auf den Wahlscheinen in Nevada, denn erst Anfang März beim Superdienstag will sich der Milliardär den demokratischen Wählern stellen. Aber im Vorfeld der Abstimmung in Nevada ist der innerparteiliche Streit um den New Yorker Milliardär voll entbrannt.

Alle gegen Bloomberg

Am Wochenende hieben seine Konkurrenten kräftig auf ihn ein: Sowohl die fragwürdigen Polizeiaktionen des damaligen New Yorker Bürgermeisters gegen Minderheiten wie auch seine sexistischen Ausfälle gegen Frauen boten reichlich Munition für Elizabeth Warren, Joe Biden, Amy Klobuchar, Pete Buttigieg und Bernie Sanders. Zumal Bloomberg bereits über 400 Millionen Dollar aus eigener Schatulle für TV- und Internet-Werbung ausgegeben hat – mehr als alle seine Mitbewerber zusammen.

Der Milliardär verstecke sich hinter seinen TV-Spots, anstatt bei den Debatten der Kandidaten mitzumachen, wird Bloomberg vorgeworfen. Am Mittwoch wird in Las Vegas neuerlich debattiert, doch am Montag war noch immer unklar, ob Bloomberg teilnehmen wird.

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Warum aber sollte sich der Ex-Bürgermeister bei einer TV-Debatte den Angriffen seiner Rivalen aussetzen, wenn er nicht einmal zur Wahl steht? Eine Sprecherin Bloombergs versicherte, er werde teilnehmen, falls er sich für die Debatte qualifiziere, demokratische Strategen indes bezweifeln den politischen Wert einer solchen Entscheidung.

Erkaufte Unterstützung

Dabei bezieht sich der vor allem von Bernie Sanders erhobene Vorwurf, der Milliardär wolle sich die demokratische Kandidatur kaufen, nicht nur auf Bloombergs riesiges Werbebudget, das nebenbei auch noch die Anzeigenpreise für den Rest des Felds steil nach oben treibt. Bloomberg hat seit 2016 Dutzende von US-Städten mit wohltätigen Projekten bedacht. Deren Bürgermeister bedanken sich jetzt für die Grosszügigkeit und stellen sich hinter Bloomberg.

Ebenfalls clever war Bloombergs Entscheidung, bei den Kongresswahlen 2018 nahezu 100 Millionen Dollar an demokratische Kandidaten auszuschütten. Niemand gab mehr als er, nun rechnen sich die Geldgeschenke für ihn.

Falls Senator Sanders auch in Nevada siegt, ist er klarer Spitzenreiter im Feld der Kandidaten, wenngleich der progressive Sozialist bisher kaum mehr als ein Viertel der Stimmen erhielt. Die gemässigte Opposition bekommt mehr, ist jedoch zersplittert, weshalb der Weg auch in Nevada frei werden könnte für Sanders.

Zweikampf zwischen Sanders und Bloomberg

Wird Mike Bloombergs Aufstieg nicht gebremst und bleiben moderate Kandidaten wie Joe Biden, Pete Buttigieg und Amy Klobuchar hinter Sanders, könnte es tatsächlich zu einem Zweikampf zwischen Sanders und Bloomberg kommen – ein Albtraum für viele Demokraten. Schon ist der Ton im Kandidatenfeld rauer geworden, schon wird spekuliert, der Kampf um die demokratische Nominierung könnte sich bis zum Präsidentschaftsparteitag im Juli in Milwaukee hinziehen.

Weder die Parteiversammlungen in Nevada noch die Vorwahl in South Carolina Ende Februar werden Klärung bringen. Schon eher der Superdienstag Anfang März, wenn 14 Staaten abstimmen und Mike Bloomberg erstmals zur Wahl steht.

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