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Jetzt liegt es an Trump, dass es nicht zum Krieg kommt

Nach dem iranischen Angriff kann der US-Präsident einen offenen Konflikt verhindern. Nur: Die USA sind unberechenbar geworden.

«Alles ist gut», twitterte Donald Trump nach den iranischen Angriffen auf US-Basen im Irak von heute Nacht. Foto: Keystone
«Alles ist gut», twitterte Donald Trump nach den iranischen Angriffen auf US-Basen im Irak von heute Nacht. Foto: Keystone

Der konservative Radio-Talker Hugh Hewitt befragte Donald Trump im September 2015 zur US-Aussenpolitik. Trumps Kandidatur für das Präsidentenamt war absehbar, und Hewitt wollte seinem Gast den aussenpolitischen Puls fühlen.

«Kennen Sie General Soleimani?», fragte er. Trump schien verwirrt, worauf Hewitt ihn aufklärte: «Er führt die Quds-Streitkräfte.» Trump erwiderte, «die Kurden» seien «von uns schrecklich behandelt worden». «Nein, nein, nicht die Kurden, die iranischen Revolutionsgarden, die Quds-Brigaden», erklärte Hewitt. «Ich dachte, Sie hätten Kurden gesagt», antwortete Trump.

Viereinhalb Jahre später betreibt Donald Trump eine Aussenpolitik der Improvisation, die Freund wie Feind verwundert. Das zeigt auch seine Reaktion auf die Angriffe des Iran auf US-Basen im Irak von heute Nacht: «Alles ist gut», twitterte er.

Pläne sind nicht Trumps Stärke

Von Nordkorea über China zur Nato bis hin zum Iran: Der Präsident improvisiert, ohne dass er eine Katastrophe ausgelöst hätte – bislang. Nach der gezielten Tötung von General Soleimani am vergangenen Freitag und den iranischen Vergeltungsangriffen ist jedoch nicht mehr kalkulierbar, wohin Trumps Aussenpolitik führt.

Das US-Vorgehen gegenüber dem Iran hatte Aussenminister Mike Pompeo am Dienstag bei einer Pressekonferenz in drei Worte zusammengefasst: «Konfrontieren und eindämmen» wolle man Teheran. Eine Strategie hierfür aber gibt es nicht. Dafür sorgt ein Präsident, dem der Kamm schwillt, wenn er im TV mit alarmierenden Bildern eines Mobs vor der US-Botschaft in Bagdad konfrontiert wird.

Pläne und Strategien sind nicht unbedingt Donald Trumps Sache. Er will Stärke zeigen und dominieren. Deshalb muss das Schlimmste befürchtet werden nach den nächtlichen Raketenangriffen Teherans auf US-Stützpunkte im Irak.

«Wir sind von der unberechenbaren Reaktion eines einzigen Menschen abhängig.»

Gérard Araud, bis 2019 Frankreichs Botschafter in Washington

«Die Amerikaner sind völlig unberechenbar geworden», sagte Gérard Araud, bis 2019 Frankreichs Botschafter in Washington und ein aufmerksamer Beobachter der Szene in der US-Hauptstadt, am Wochenende dem Wirtschaftsdienst Bloomberg: «Es gab keine Antwort auf die iranischen Angriffe auf Öltanker oder auf den Abschuss einer amerikanischen Drohne oder auf die Angriffe auf saudische Ölanlagen, aber plötzlich kommt dieser Schlag gegen Soleimani wie ein Blitz aus heiterem Himmel.»

Arauds Fazit: «Wir sind von der unberechenbaren Reaktion eines einzigen Menschen abhängig.» Als James Mattis Trumps Verteidigungsminister war, durften dem Präsidenten niemals militärische Optionen vorgelegt werden, die zu einem Waffengang mit Teheran geführt hätten. Das war einmal. Inzwischen ist Trump von Beratern umgeben, die seinem Ego huldigen.

Vorneweg marschiert Aussenminister Mike Pompeo. Im Vorjahr pflichtete Pompeo in einem Interview mit dem christlichen TV-Sender CBN dem Fragesteller bei, als dieser sagte, Gott habe Trump zum Schutz Israels vor der «iranischen Bedrohung» gesandt. Befreit von den Fesseln, die ihm Berater wie Mattis oder Ex-Stabschef John Kelly anlegten, frönt Trump jetzt seinen Launen und Stimmungen. Seine Umgebung widerspricht bisweilen dezent, zähmen aber will sie den Präsidenten nicht.

Teheran wird es Trump nicht leicht machen

Im Gegenteil: Pompeo und Sicherheitsberater Robert O’Brien sind Iran-Falken, die Emotionen und mediale Beeinflussbarkeit des Präsidenten Trümpfe in ihrem Kalkül. Niemand in Trumps Regierung scheint ernsthaft darüber nachzudenken, wie der eskalierende Konflikt mit dem Iran entschärft werden könnte, niemand baut an einer Rampe, die weg von einer Konfrontation führen würde. Stattdessen beginnt mit dem iranischen Vergeltungsschlag ein Gewaltzyklus, der in einen Krieg zwischen Teheran und Washington münden könnte.

2008 verlangte Trump ein Impeachment des damaligen Präsidenten George W. Bush. «Er hat uns angelogen, er hat uns mit seinen Lügen in einen Krieg verwickelt», klagte er. Jetzt liegt es an Präsident Trump, dass es dazu nicht kommt. Teheran wird es ihm nicht leicht machen.

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