Judenstern 2.0

Wie Rechtsradikale neuerdings im Netz gegen Juden hetzen.

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Die Klammerzeichen werden von den Angegriffenen als Symbol des Zusammenhalts verwendet. Quelle: Twitter

Zuerst fällt es Jonathan Weisman auf, einem jüdischen Journalisten bei der «New York Times». Als er auf Twitter einen Essay über Faschismus in Amerika verlinkt, bekommt er von CyberTrump, einem Trump-Anhänger, folgende Nachricht: «Hello ((Weisman)).» Wofür die Klammern stünden, will Weisman wissen. Antwort: «Das ist eine Hundepfeife, du Idiot.» Was meint CyberTrump damit?

Die gehäuften Klammern sind eine neue Methode, die amerikanische Rechtsradikale in sozialen Medien verwenden. Damit markieren sie jüdische Journalisten, die in ihren Augen Teil der «jüdischen Zersetzung» sind, einer von eigenen Interessen getriebenen Spezies angehören und eine Gefahr für das amerikanische Volk darstellen. Weil Suchmaschinen wie Google die Satzzeichen herausfiltern, lassen sich die Urheber dieser Hetze nicht zurückverfolgen. Die Klammern funktionieren ähnlich wie der Ton von Hundepfeifen, den Menschen nicht hören können. Nur die Opfer dieser Stigmatisierung wissen, dass es sie überhaupt gibt. Die Klammern sind der unsichtbare Judenstern.

Donald Trump, der republikanische Präsidentschaftsanwärter, hat das Klima für diese Art von Diffamierung geprägt. Unverhohlen hetzt er gegen Minderheiten und die Presse, wenn sie ihn kritisiert. Was immer und immer wieder gesagt wird, die Erfahrung zeigt es: Irgendwann glauben es die Leute. Und wer schon vorher ähnlich dachte wie Trump, für den gibt es erst recht keinen Grund mehr, sich zurückzuhalten – der Republikaner tut es ja auch nicht. Was er am Rednerpult sagt, geht durch die Gesellschaft und aktiviert die Extremen am rechten Rand.

Jüdische Autoren, Journalisten und ihre Sympathisanten reagieren auf ihre Art: Sie setzen sich gleich selber in Klammern. Was als Ausschluss gedacht war, wird zum Symbol des Zusammenhalts.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 07.06.2016, 18:29 Uhr

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