Juristen, Milliardäre, Popsänger

Welche Akteure in die Russland-Affäre um Donald Trump Junior verwickelt sind.

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Die Russland-Affäre rückt immer näher an US-Präsident Donald Trump persönlich heran. Zuletzt gab sein ältester Sohn zu, sich im Wahlkampf 2016 mit der russischen Anwältin Natalia Weselnizkaja getroffen zu haben, die angeblich Verbindungen zum Kreml haben und offenbar «ultra-heikles» Material über Trumps Konkurrentin Hillary Clinton liefern sollte. Wer ist in das Treffen von Donald Trump Junior und Weselnizkaja involviert?

DER MUSIKAGENT:

Eingefädelt wurde das Treffen von dem Briten Rob Goldstone. Der frühere Boulevardjournalist ist Musikmanager, seine Firma in New York ansässig. Zu seinen Kunden gehört auch der russische Popsänger Emin Agalarow, der 2013 beim «Miss Universe»-Schönheitswettbewerb in Moskau auftrat. Dort traf Goldstone auch Donald Trump, dem damals die Miss-Universe-Organisation gehörte.

Der 57-Jährige genoss laut der Website «Daily Beast» früher den Ruf eines Playboys und veranstaltete regelmässig Saufgelage in einem Restaurant nahe des Trump Towers. Nach Trumps Wahlsieg soll er im Onlinedienst Instagram ein Foto platziert haben, auf dem er in einem Hemd mit dem Aufdruck «Russia» zu sehen war.

DIE ANWÄLTIN:

Weselnizkaja arbeitet für die private Anwaltskanzlei Camerton mit Sitz in Moskau. Goldstone hatte sie als «Regierungsanwältin» bezeichnet. Sie selbst bestreitet jegliche Verbindung zur Regierung. Der Kreml seinerseits erklärte, Weselnizkaja nicht zu kennen.

Auch wenn im Dunkeln bleibt, ob die Anwältin sich im Regierungsauftrag mit dem Trump-Sohn traf oder nicht - klar ist zumindest, dass sie sich für Anliegen einsetzt, die der Kreml als zentral für das Verhältnis zu den USA betrachtet. Beim Gespräch mit Trump Junior soll es etwa um US-Sanktionen gegen russische Funktionäre gegangen sein.

Weselnizkaja arbeitet auch für die Kazyw-Familie. Pjotr Kazyw ist Vizechef der staatlichen russischen Eisenbahngesellschaft. Dessen Sohn wurde vom New Yorker Bundesanwalt Preet Bharara wegen Geldwäsche verfolgt. Nach Bhararas Rauswurf durch Trump gelang es Weselnizkaja, den Fall gegen eine Millionenzahlung ihres Mandanten beizulegen.

Video – Trump Jr. gibt Russland-Kontakte zu

Donald Trumps ältester Sohn hat eine russische Anwältin getroffen. (Video: Tamedia/AFP)

DER POPSÄNGER:

Den Tipp, dass die russische Justiz angeblich über belastendes Clinton-Material verfügte, hatte Goldstone laut den von Trump Junior veröffentlichten E-Mails von dem Popsänger Emin Agalarow. Es war demnach auch der Musiker, der das Treffen mit Weselnizkaja vorschlug.

Der 37-Jährige ist der Sohn des Milliardärs Aras Agalarow und nicht nur als Musiker, sondern auch als Unternehmer tätig. Trump trat 2013 in einem Videoclip des in Russland erfolgreichen Sängers auf.

DER MILLIARDÄR:

Die angeblich kompromittierenden Informationen über Clinton stammten laut Goldstone vom russischen Generalstaatsanwalt, der Aras Agalarow davon in Kenntnis gesetzt habe. Agalarow ist ein milliardenschwerer Unternehmer, der zwei Stadien für die Fussball-WM 2018 baut. Er organisierte zusammen mit Trump den «Miss Universe»-Wettbewerb in Moskau.

Nach seinem damaligen Treffen mit den Agalarows twitterte Trump, dass ein Trump Tower in Moskau gebaut werden solle. Emin Agalarow zufolge wurde das Projekt nach Trumps Einstieg in das Präsidentschaftsrennen gestoppt.

DER STRAFVERFOLGER:

Der russische Generalstaatsanwalt Juri Tschaika schlug Goldstone zufolge vor, das kompromittierende Clinton-Material dem Trump-Team über den Umweg von Aras Agalarow zukommen zu lassen. Seine Behörde erklärte indes, Informationen nur im Einklang mit internationalem Recht herauszugeben und diese allein mit den zuständigen Stellen zu teilen.

Gegen den früheren Justizminister Tschaika gibt es seit langem Korruptionsvorwürfe. Kreml-Kritiker Alexej Nawalny zufolge soll Tschaikas Familie durch illegale Machenschaften ein enormes Vermögen angehäuft haben.

DER LOBBYIST:

An dem Treffen mit Trump Junior nahm auch der US-russische Lobbyist Rinat Akhmetshin teil. US-Medienberichten zufolge soll er früher für die sowjetische Spionageabwehr gearbeitet und noch heute Verbindungen zum russischen Geheimdienst haben.

Akhmetshin weist das zurück. Den Medienberichten zufolge soll er auch im russischen Militär gedient haben. Wie Weselnizkaja wendet auch er sich gegen US-Sanktionen gegen russische Funktionäre.

(ij/AFP)

Erstellt: 15.07.2017, 18:21 Uhr

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