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Kaum einer will Trump vertreten

Donald Trump braucht dringend Anwälte. Top-Talente aber meiden den Präsidenten.

Der Präsident höre nicht auf ihn, begründet John Dowd seinen Abgang. Foto: Keystone
Der Präsident höre nicht auf ihn, begründet John Dowd seinen Abgang. Foto: Keystone

Russland-Sonderermittler Robert Mueller kommt ihm bedrohlich nahe, die Pornodarstellerin Stormy Daniels bereitet ihm jede Menge Scherereien. Donald Trump aber hat Probleme, Top-Anwälte zu finden, die ihn vertreten.

Drängten sich Spitzenanwälte aus angesehenen Kanzleien in der Vergangenheit danach, der Nummer eins im Staat zu Diensten zu sein, so gibt es nun Absagen. Bill Clinton konnte 1998 während der Anklageerhebung gegen ihn im Kongress auf den Beistand bester Anwälte zählen, Trump hingegen verlor vergangene Woche seinen Top-Anwalt John Dowd.

Anwälte für das Amt

Der Präsident höre nicht auf ihn, begründete Dowd intern seinen Abgang. Zwar kann Trump in der Russland-Affäre auf die beiden Anwälte Ty Cobb und Don McGahn, den offiziellen Rechtsbeistand des Weissen Hauses, zurückgreifen. Beide aber werden vom Steuerzahler alimentiert und repräsentieren das Amt – und nicht Trump persönlich.

Dafür ist allein Jay Sekulow zuständig, ein erfahrener Anwalt, der jedoch niemals zuvor einen Mandanten in einem Kriminalfall vertreten hat. Das Manko wiegt umso schwerer, als Sonderermittler Mueller ein Team von Top-Juristen leitet, die in der Branche als die Besten ihres jeweiligen Spezialgebiets gelten.

Eine Trump-Anfrage kürzlich beim Washingtoner Spitzenanwalt Ted Olson lehnte dieser ab: «Da ist Durcheinander, da ist Chaos und Konfusion, es ist nicht gut», begründete Olson, ein legendäres juristisches Schwergewicht, seine Absage an das Weisse Haus.

Vielfältige Absagebegründungen

Trump tut unterdessen, als existiere das Problem nicht. «Viele Anwälte und Top-Kanzleien wollen mich in der Russland-Sache vertreten», log er am Sonntag in einem Tweet. Am Montag kamen dann neuerlich Absagen: Zwei renommierte Anwälte, Tom Buchanan und Dan Webb, lehnten es ab, den Präsidenten zu vertreten. «Geschäftliche Konflikte» hätten dies verhindert, teilte ihre Kanzlei mit.

Schon zuvor hatte Trump selbst die Notbremse gezogen, nachdem er das Anwaltspaar Joseph DiGenova und dessen Gattin Victoria Toensing ins Auge gefasst hatte. DiGenova war Trump angenehm aufgefallen, als er den Präsidenten auf Fox News vehement verteidigte und dabei Verschwörungstheorien verbreitete.

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Video – «Lass Trump in Ruhe! Vergiss die Story»

Ex-Pornodarstellerin Stormy Daniels über ihre angebliche Affäre mit Donald Trump: Ein Nachspiel könnte dem US-Präsidenten rechtliche Probleme bringen. (Video: Tamedia/CBS)

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Offiziell hiess es, das Gespann habe Interessenkonflikte und könne deshalb nicht für Trump arbeiten. Tatsächlich aber fand der künftige Mandant bei einem gemeinsamen Abendessen am vergangenen Donnerstag keinen Draht zu Toensing und DiGenova.

Bessere Anwälte benötigte Trump auch bei seinen juristischen Schachzügen gegen Stormy Daniels: Sein persönlicher Anwalt Michael Cohen hat sich bislang nicht sonderlich hervorgetan; in der Branche gilt der New Yorker Trump-Vertraute eher als Lusche.

Frauen in den Kanzleien wollen ihn nicht

Top-Anwälte hingegen sind nicht sonderlich interessiert an Trump. Er gilt als schwieriger Mandant, der den Rat seiner Anwälte oft in den Wind schlägt. So war John Dowd frustriert von Bord gegangen, nachdem Trump sich wider den Rat des Anwalts zu einer Einvernahme durch Sonderermittler Mueller bereit erklärt hatte – ein gefährliches Unterfangen, da sich Trump bei früheren Befragungen unter Eid stets in Widersprüche verwickelt und oft geflunkert hatte.

Ein Meineid bei Mueller aber könnte dem Präsidenten eine Anklageerhebung einbringen. Ebenfalls bedenklich ist für Spitzenanwälte, dass Trump unweigerlich Chaos verbreitet und juristische Strategien spontan umwirft.

Insider in Washington verweisen zudem auf ein anderes Problem: In vielen Top-Kanzleien arbeiten mittlerweile Frauen in führenden Positionen oder als junge Anwältinnen. Sie würden protestieren, wenn ihre Firma Trump repräsentieren würde. Dem Renommee einer Kanzlei kann dieser Präsident offenbar nur schaden.

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