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Kennedy vs. Trump

US-Präsident Donald Trump spricht heute Nacht zur Lage der Nation. Die Antwortrede der Demokraten hält ein Politiker mit berühmtem Namen: Joe Kennedy.

Hoffnungsträger der Demokraten: Joe Kennedy, Abgeordneter im Repräsentantenhaus.
Hoffnungsträger der Demokraten: Joe Kennedy, Abgeordneter im Repräsentantenhaus.
Reuters

Mit Spannung wird die erste Rede von US-Präsident Donald Trump zur Lage der Nation erwartet. Nach Angaben des Weissen Hauses wird er den Fokus auf «ein sicheres, starkes und stolzes Amerika» legen. Bis zu 40 Millionen Amerikaner werden heute Abend (21 Uhr, Ortszeit / 3 Uhr, MEZ) Trumps Auftritt im Fernsehen verfolgen.

Mit dem alljährlichen Präsidentenritual bietet sich Trump die Gelegenheit, sich als Vater der Nation mit einer einenden Botschaft zu präsentieren. Republikaner äusserten die Erwartung, dass Trump vor den beiden Kammern des Kongresses «präsidentenmässig» auftreten werde.

US-Medien zufolge wird Trump die gute wirtschaftliche Entwicklung betonen und die Bedeutung seiner Steuerreform hervorheben. Erwartet wird auch, dass Trump endlich seine Pläne zur Modernisierung der Infrastruktur präsentiert. Trump plant offenbar Investitionen in der Höhe von mehreren Hundert Milliarden Dollar, um Strassen, Brücken und Flughäfen zu verbessern.

Protest und Fernbleiben

Ein Schwerpunkt der Rede dürften auch die Einwanderungs- und die Sicherheitspolitik sein. Zuletzt zeigte sich Trump bereit, rund 1,8 Millionen Kindern von illegal eingereisten Menschen den Weg zur US-Staatsbürgerschaft zu eröffnen. Im Gegenzug fordert er aber 25 Milliarden Dollar für den Bau der Grenzmauer zu Mexiko. Für diesen Deal braucht Trump allerdings die Unterstützung der Opposition im Kongress. Deshalb dürfte der US-Präsident in seiner «State of the Union»-Rede die Demokraten zur Zusammenarbeit aufrufen.

Mehrere Demokraten haben angekündigt, der Trump-Rede fernbleiben zu wollen. Darunter ist John Lewis, eine Ikone der afroamerikanischen Bürgerrechtsbewegung. Einige demokratische Frauen wollen Solidarität mit der #MeToo-Bewegung zeigen und sich ganz in Schwarz kleiden, um ein Zeichen gegen sexuelle Gewalt zu setzen.

Grossneffe von John F. Kennedy

Die Rede zur Lage der Nation wird nicht nur wegen Trump mit Spannung erwartet, sondern auch wegen der offiziellen Antwortrede der Demokraten. Diese haben einen Politiker bestimmt, dessen Name in der Geschichte der USA bedeutend ist und immer noch viele Amerikaner fasziniert. Er heisst Kennedy. Der 37-jährige Joe Kennedy gehört seit 2013 dem US-Repräsentantenhaus an und entstammt der berühmten Kennedy-Dynastie. Joseph Patrick Kennedy III, wie er mit vollem Namen heisst, ist ein Enkel von Robert F. Kennedy und Grossneffe von John F. Kennedy (die beiden Kennedy-Brüder kamen 1968 und 1963 bei Attentaten ums Leben). Sein Vater ist Joe Kennedy II, der von 1987 bis 1999 als Abgeordneter im Repräsentantenhaus war. Der Jurist mit Harvard-Doktorat hatte als Finanzanalyst und Staatsanwalt gearbeitet, bevor er in die Politik wechselte und im Bundesstaat Massachusetts gewählt wurde.

Joe Kennedy III kritisiert im Repräsentantenhaus Donald Trumps Steuerreform. Video: Youtube/Reflect

Trotz seines berühmten Namens ist Joe Kennedy im Abgeordnetenhaus bisher eher unauffällig geblieben. Am meisten nationale Aufmerksamkeit erhielt er im letzten Jahr mit seinem Engagement gegen die geplante Abschaffung von Obamacare sowie die Steuerreform von Trump. Kennedy gilt als seriös und talentiert. Manche Demokraten sehen im 37-jährigen Abgeordneten einen kommenden Star der Partei. Kennedy wird auch schon im Zusammenhang mit den Präsidentschaftswahlen 2020 erwähnt.

Nancy Pelosi, demokratische Minderheitsführerin im Abgeordnetenhaus, lobt Kennedy als «starke Stimme für soziale und wirtschaftliche Gerechtigkeit». Kennedy sei «ein unermüdlicher Kämpfer für die Interessen der arbeitenden Amerikaner». Er engagiere sich für Mindestlöhne, zahlbare Krankenversicherungen, bessere Bildungschancen oder auch die rechtliche Besserstellung von Migranten und anderen Minderheiten.

Der Abgeordnete Kennedy sagte der Zeitung «Boston Globe», Trump habe seine Versprechen, die er den Familien gemacht hatte, nicht eingehalten. Trumps Steuerreform belaste die Mehrheit des Mittelstands und sei ein Geschenk für die Reichen, hatte Kennedy schon in einer Rede im Repräsentantenhaus kritisiert. In seiner heutigen Replik zum Trump-Auftritt wird Kennedy vor allem die Arbeiter und die Mittelschicht ansprechen. Die Botschaften der Demokratischen Partei sind auch wichtig im Hinblick auf die Midtherm-Wahlen im kommenden November.

Mit der offiziellen Antwortrede der Demokraten kann der junge Kennedy seine landesweite Bekanntheit steigern, seine Position in der Partei stärken und sich als Anti-Trump profilieren. Joe Kennedy III ist nicht der erste Politiker der Kennedy-Dynastie, der die offizielle Antwortrede der Demokraten zur «State of the Union»-Ansprache eines amerikanischen Präsidenten hält. 1982 war es sein Grossonkel Edward Kennedy, der die Rede des damaligen Präsidenten Ronald Reagan konterte.

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