«Klima-Irrsinn beenden»

Die Bewohner der Marshallinseln ziehen in die amerikanische Stadt Springdale – vermehrt wegen des Klimawandels.

Springdale Atoll: Die Stadt in Arkansas ist zu einem Magnet für Menschen der Marshallinseln geworden.

Springdale Atoll: Die Stadt in Arkansas ist zu einem Magnet für Menschen der Marshallinseln geworden. Bild: Keystone

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Zuerst kamen sie wegen besserer Bildungschancen, wegen der Arbeitsmöglichkeiten und der Gesundheitsversorgung. Mittlerweile ziehen Bewohner der Marshallinseln im Pazifik auch wegen des steigenden Meeresspiegels nach Springdale im ländlichen Nordwesten des US-Staats Arkansas. Rund 8000, mehr als zehn Prozent der Gesamtbevölkerung der 32 bewohnten Atolle und Inseln zwischen Hawaii und Australien, leben und arbeiten in Springdale, der mit 70'000 Einwohnern viertgrössten Stadt in Arkansas.

«Ein Land der Chancen»

Die Inselbewohner befürchten, dass ihre knapp zwei Meter über dem Meer liegenden Inseln wegen des steigenden Meeresspiegels im Gefolge globaler Erwärmung bald nicht mehr bewohnbar sein werden. Ein Ausweg wäre die Umsiedlung weiterer Marshallesen nach Springdale. Dank einer Vereinbarung mit der US-Regierung dürfen die Inselbewohner in den Vereinigten Staaten leben und arbeiten, erhalten jedoch keine staatlichen Sozialleistungen. Dennoch sei Arkansas «ein Land der Chancen», sagte unlängst der bereits nach Springdale umgezogene Josen Kaious der Nachrichtenagentur AP.

Begonnen hatte die Zuwanderung der Inselbewohner nach Arkansas schon 1979, als John Moody auf der Suche nach Bildungs- und Arbeitsmöglichkeiten in Springdale eintraf. Seitdem kamen immer mehr Marshallesen, worauf die Regierung der Inseln ein Konsulat in Springdale einrichtete. Noch immer zögen ihre Landsleute wegen besserer Arbeitsbedingungen nach Springdale, zunehmend aber verliessen sie ihre Heimat auch wegen des Anstiegs des Meeresspiegels, sagte Carmen Gum, die Leiterin des Konsulats, der US-Zeitung «Christian Science Monitor».

Politiker aus der Heimat werben um Stimmen

Erst im August waren die 600 Bewohner der kleinen Insel Kili wegen Überflutungen zeitweilig völlig von der Aussenwelt abgeschnitten. Kilis Bewohner stammten ursprünglich vom Bikini-Atoll und waren wegen der amerikanischen Atombombentests in ihrer Heimat umgesiedelt worden. Jetzt könnten sie auf US-Entschädigungsgelder zurückgreifen und neuerlich umziehen, vielleicht nach Springdale. Dort drucken die Zuwanderer aus dem Pazifik inzwischen eine eigene Zeitung, sogar Politiker aus den Marshallinseln besuchen Springdale und werben vor Wahlen um die Stimmen der Ausgewanderten.

«Der Gedanke einer Evakuierung ist furchtbar für uns, das Vernünftigere wäre, diesen Klima-Irrsinn zu beenden», klagte neulich der Aussenminister der Marshall-Inseln, Tony de Brum, gegenüber der AP. Springdale aber richtet sich auf weitere Zuwanderer von den Marshallinseln ein.

Eindringlicher Appell: Der Aussenminister Tony de Brum bei der Uno. (Foto: Reuters) (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 02.12.2015, 21:37 Uhr

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