Zum Hauptinhalt springen

Kommentar: Lateinamerika hat innert weniger Jahre seine Zukunft verspielt

Es ist noch nicht lange her, da schien Lateinamerika ein Beispiel für eine Erneuerung von links zu sein. Mit viel Hoffnung hievten die Wähler Regierungen ins Amt, die gegen den Welttrend soziale Akzente in der Wirtschafts­politik setzten und Transparenz in die Gesellschaft brachten. Das ist Geschichte. Beim Lateinamerikagipfel in Lima gab der Halbkontinent ein desas­tröses Bild ab.

Eigentlich läuft überall alles schief: Im Gastgeberland musste erst vor kurzem der Präsident wegen Korruptionsvorwürfen gehen. Mexiko versinkt mehr denn je in Gewalt. Brasilien scheint nach der Ermordung einer linken Stadträtin in Rio de Janeiro und der Inhaftierung von Ex-Präsident Lula auf dem Weg in eine Art postmoderne Rechtsdiktatur zu sein. Doch nicht nur von rechts droht Gefahr: Venezuela, einst Ausgangsland der Erneuerung, leidet unter einem autoritären System, weshalb Präsident Maduro gar nicht erst nach Lima kommen durfte.

Der Grund, warum Lateinamerika seine Zukunft binnen so weniger Jahre verspielt hat, liegt auf der Hand. Auch der wohlmeinendsten Regierung kann es nicht gelingen, innerhalb von einer oder zwei Wahlperioden die fatale Abhängigkeit von den Rohstoffexporten zu beenden. Diese aber machen korrupte Eliten stark, die nun auch politisch wieder das Ruder übernommen haben. Sie werden es so bald nicht mehr loslassen.

Sebastian Schoepp

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch