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Kommt ein weiterer Exzentriker an die Macht in Südamerika?

In Kolumbien wird am 20. Juni ein neuer Präsident gewählt. Der Mathematiker und Philosoph Antanas Mockus hat in den Umfragen die Nase vorn.

Grün ist seine Farbe: Antanas Mockus an einer Wahlveranstaltung in Manizales.
Grün ist seine Farbe: Antanas Mockus an einer Wahlveranstaltung in Manizales.
Keystone

Wenn Kolumbien Ende Mai einen neuen Präsidenten wählt, könnte ein Exzentriker das Rennen machen: Antanas Mockus. Von seinen Anhängern wird der 58-jährige Mathematiker und Philosoph für seine unkonventionellen Ideen gefeiert. Seine Gegner halten ihn für steif und langweilig. Doch der Ex-Bürgermeister von Bogotá hat Umfragen zufolge gute Aussichten, Ex-Verteidigungsminister Juan-Manuel Santos zu überflügeln.

Seriöse Umfrageinstitute wie Gallup sehen für die erste Runde ein knappes Rennen zwischen Mockus und Santos, dem selbsterklärten politischen Erben des scheidenden Präsidenten Alvaro Uribe, voraus. In der Stichwahl am 20. Juni aber hätte Mockus nach übereinstimmender Einschätzung klar die Nase vorn.

Für Kolumbien wäre ein Wechsel von Uribe zu einem Präsidenten Mockus zwar kein politischer Paradigmenwechsel, denn auch der Grünen-Politiker ist bislang weder als Gegner der neoliberalen Reformpolitik des Amtsinhabers aufgetreten - noch steht er für einen Bruch mit der harten Linie gegenüber der Guerillaorganisation Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (FARC).

Bildungsreform und Korruptionsbekämpfung

Aber Mockus konzentriert laut Beobachtern seinen Wahlkampf auf das, was viele Menschen im Land vermissen, auf Bildungsreformen, Bekämpfung der Korruption und Transparenz. Dazu gehört auch, dass er seine Parkinson-Erkrankung nicht verschweigt.

In der von der scharfen Polarisierung der Uribe-Jahre ermüdeten kolumbianischen Bevölkerung kommt er damit offenbar gut an. Viele trauen Mockus zu, dass er auf seine Art auch einen anderen Zugang zur FARC findet als der Hardliner Uribe.

Rektor und Bürgermeister

Seinen Ruf als unkonventioneller Politiker hat sich Mockus als Rektor der Universidad Nacional de Colombia und während seiner zwei Amtszeiten als Hauptstadt-Bürgermeister von 1995 bis 1999 und 2001 bis 2004 erworben. Dabei streifte der Freund französischer Wissenschaftstheoretiker bisweilen die Grenze zum Peinlichen, als er etwa streikenden Studenten seinen nackten Hintern zeigte.

Der Vorfall soll ihn sein Amt gekostet haben. Während der Amtszeit von César Gaviria (1990-1994) schlug er mit einem Pappschwert bewaffnet Purzelbaum vor dem Präsidentenpalast. Und 1996 heiratete er die Soziologin Adriana Córdoba auf dem Rücken eines Zirkus-Elefanten im Kreise von sieben Tigern.

Studium in Frankreich

Seine Lust an einer gewissen kontrollierten Anarchie hat sich Mockus seit seiner Zeit in Frankreich erhalten, als dort die Studentenunruhen von 1968 für Aufmerksamkeit sorgten. Mockus selbst studierte in Dijon. Bisweilen ruft die selbstironische Grundhaltung des Mannes, der Zuhörer mit langen Reden in unveränderter Tonlage ermüden kann, neuartige Herangehensweisen an alte Probleme hervor.

In Bogotá stiftete Mockus mit unkonventionellen Aktionen einen neuen Bürgersinn, der auch dazu beitrug, dass die Kriminalitätsrate um mehr als ein Viertel zurückging: So stellte er wegen Personalmangels bei der Polizei Schauspieler an, die Passanten über die Strasse halfen. Mit gelben und roten Farbkarten schärfte er den Sinn der Menschen für friedliche Konfliktregelung.

Alkohol- und Waffenverbot

Das Rennen ums Bürgermeisteramt machte er damals mit einem Aufruf zu einer «neuen Bürgerkultur» als «Schwungkraft» für sozialen und wirtschaftlichen Fortschritt. Zugleich schreckte er an der Spitze der einstigen Verbrechenshochburg Bogotá nicht vor unpopulären Massnahmen zurück und verbot das öffentliche Alkohol-Trinken nach Mitternacht. Das Waffenverbot in der Öffentlichkeit konnte der Sohn litauischer Einwanderer allerdings nicht durchsetzen.

Vor allem ist Mockus den Wählern als Sanierer der Stadtfinanzen in Erinnerung. Noch heute ist der Mathematiker stolz, dass er für seine Wahlkampagne 1994 nur 3700 Dollar (2915 Euro) ausgegeben habe. Im laufenden Wahlkampf lehnte er zwei Millionen Dollar öffentliche Unterstützung ab.

Die Grünen vor dem ersten Grosserfolg

Anders als seine politische Couleur vermuten liesse, stehen grüne Themen nicht im Zentrum seines Programms. Die kolumbianischen Grünen gibt es als politische Partei allerdings auch erst seit 2009. Am 30. Mai könnten sie mit Mockus einen rasanten Aufstieg erleben.

AFP/jak

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