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Koran wird nicht verbrannt, «nicht heute, nicht irgendwann»

Mit der angekündigten Koranverbrennung sorgte Pastor Terry Jones weltweit für Aufsehen. Nun hat er die Aktion endgültig abgesagt. Seine Mission sei bereits erfüllt.

Ankunft unter Polizeischutz: Der umstrittene Pastor Terry Jones am Flughafen La Guardia in New York.
Ankunft unter Polizeischutz: Der umstrittene Pastor Terry Jones am Flughafen La Guardia in New York.
Keystone
Unterstützung für das islamische Kulturzentrum: Tausende New Yorker versammeln sich im Namen der Religionsfreiheit in der Nähe des World Trade Center.
Unterstützung für das islamische Kulturzentrum: Tausende New Yorker versammeln sich im Namen der Religionsfreiheit in der Nähe des World Trade Center.
Keystone
Toleranz statt Hass: Gloria Michelle Ferrer (links) verlor bei den Terroranschlägen vom 11. September 2001 ihre Schwester Celeste Torres-Victoria. Bruce Schoup (rechts) setzt sich für die Religionsfreiheit ein.
Toleranz statt Hass: Gloria Michelle Ferrer (links) verlor bei den Terroranschlägen vom 11. September 2001 ihre Schwester Celeste Torres-Victoria. Bruce Schoup (rechts) setzt sich für die Religionsfreiheit ein.
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Der radikale US-Pastor Terry Jones verzichtet endgültig auf die von ihm ursprünglich für Samstag geplante Verbrennung des Koran. «Wir werden den Koran definitiv nicht verbrennen», sagte Jones dem US-Sender NBC am Samstag. «Nicht heute, nicht irgendwann.»

Das Ziel seiner Kirche aus Gainesville im Bundesstaat Florida sei gewesen, «zu zeigen, dass es ein sehr gefährliches und sehr radikales Element im Islam gibt». Dieses Ziel sei inzwischen «vollständig erreicht» worden, die Mission sei damit erfüllt.

Weltweite Empörung

Jones' evangelikale Gruppe Christian Dove World Outreach Center hatte zunächst angekündigt, zum Jahrestag der Terroranschläge vom 11. September 2001 rund 200 Koran-Ausgaben zu verbrennen. Die Pläne hatten weltweit für Empörung gesorgt, in einigen Ländern der muslimischen Welt kam es zu gewalttätigen Protesten. Auch die US-Regierung verurteilte das Vorhaben scharf.

Am Donnerstag blies Jones die Aktion ab und erklärte, im Gegenzug die Zusage erhalten zu haben, dass die Moschee am Ground Zero nicht gebaut werde. Der New Yorker Imam Feisal Abdul Rauf wies diese Darstellung dagegen zurück.

Islamzentrum soll verschoben werden

Am Freitag stellte Jones dem Imam ein Ultimatum: Binnen zwei Stunden müsse der Imam klären, ob er zu einem Treffen und zu Gesprächen über eine Verlegung des Islamzentrums bereit sei, sagte Jones in Gainesville. Er liess offen, ob er ohne ein solches Treffen die zunächst abgesagte Koranverbrennung am Samstag doch noch abhalten werde.

Allerdings verstrich das Ultimatum, ohne dass der Imam reagierte. Jones flog dennoch nach New York. «Pastor Jones ist nicht mehr in Gainesville», sagte sein Vertrauter K.A. Paul der Nachrichtenagentur AFP. «Er fliegt nach New York. Ich selbst habe ihm das Ticket gekauft und ein Zimmer in New York gebucht.» Ob es zu dem Treffen mit dem Imam kommen würde, war aber weiterhin unklar.

2000 Menschen demonstrierten mit Kerzen

Nahe des Ground Zero demonstrierten am Abend rund 2000 Menschen mit Kerzen und sprachen sich für den Bau der Moschee aus. Das muslimische Gemeindezentrum soll zwei Blocks entfernt vom Standort des zerstörten World Trade Center (Ground Zero) entstehen. Die Pläne haben einen USA-weiten Ausbruch antimuslimischer Ressentiments geschürt, in Umfragen lehnt eine Mehrheit der US-Bürger zwei Monate vor den Kongresswahlen den Bau ab.

«Wir weisen die Vorstellung zurück, dass Nachbarschaft in unserer tollen Stadt für einige Gruppen verboten ist», sagte Susan Lerner von der Bürgerrechtssgruppe Gemeinsame Sache in einer Ansprache. «Wir halten zusammen, um Stereotype zurückzuweisen.»

Die Direktorin der Organisation Jüdische Stimmen für den Frieden, Rebecca Vilkomerson, sagte, es gehe nicht wirklich um Ground Zero. Vielmehr gehe es um die zunehmende Islamfeindlichkeit, einer neuen Form des Rassismus, die als legitim angesehen werde.

Weitere Proteste geplant

Auch für Samstag waren Demonstrationen geplant - wie auch in den Vorwochen von Gegnern wie von Befürworten des Moschee-Projekts. Die Aktivisten beider Seiten brechen damit eine bislang geltende unausgesprochene Regel, dass die Gedenktage zum 11. September, an dem zahlreiche Gedenkverstaltungen für die Opfer der Terroranschläge abgehalten werden, nicht für politische Ziele vereinnahmt werden.

AFP/miw

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