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Kurz vor der Explosion regnete es schwarzen Dreck

Der Kapitän Alwin Landry hat die Explosion der Ölplattform Deepwater Horizon von seinem Versorgungsschiff aus hautnah miterlebt. Kurz vor der Katastrophe herrschte eine apokalyptische Stimmung.

Ein «schwarzer Regen» und ein lautes Getöse von entweichendem Gas sei unmittelbar vor der Explosion auf der Ölplattform Deepwater Horizon vorausgegangen. Das bezeugte gestern der Schiffskapitän Alwin Landry vor dem Energieausschuss des US-Senats. Die Anhörung vor dem Senat zur Aufklärung der Öl-Katastrophe im Golf von Mexiko wird heute fortgesetzt werden.

Alwin Landrys Versorgungsschiff Damon Bankston befand sich zum Zeitpunkt der Explosion in unmittelbarer Nähe der Bohrinsel. Landry sagte, das erste Anzeichen der Katastrophe sei eine «dreckige» Bohrflüssigkeit gewesen, die auf sein Schiff fiel. «Wir haben sofort alle Türen in der Steuerkabine geschlossen. Ich ging zur Backbordseite und sah, wie die Flüssigkeit aus der Spitze des Bohrturms spritzte.»

Landry nahm sofort Kontakt zur Deepwater Horizon auf. Dort habe man ihm gesagt, es gebe Probleme und er solle sein Schiff so schnell wie möglich aus der Gefahrenzone bringen. Sekunden später «blitzte es grün» und der Bohrturm explodierte. Elf Personen wurden dabei getötet. Das Versorgungsschiff hat die Überlebenden aufgelesen, darunter auch den Kapitän der Bohrinsel, Curt Kutcha.

Mit Sandsäcken gegen Ölteppich

Im Kampf gegen die Ölpest haben die Rettungskräfte weitere verzweifelte Versuche zum Schutz der Küsten unternommen. Von Militärhelikoptern aus warfen sie tonnenweise Sandsäcke vor der Küste in den Golf, um den Ölteppich zu stoppen. Im nahe gelegenen Port Fourchon stellten Experten des britischen Ölkonzerns BP unterdessen eine kleine Stahlglocke fertig, die sie über das Ölleck in 1500 Metern Tiefe stülpen wollen.

Es handelt sich um eine kleinere Version der riesigen Stahlkuppel, mit der die Experten am Wochenende gescheitert waren. BP hofft, dass sich in der kleineren Konstruktion nicht wie in der zunächst eingesetzten Stahlglocke Eiskristalle bilden, die das Abpumpen des Öls verhinderten.

Die Zeit wird knapp

BP arbeitet zudem weiter mit Hochdruck daran, den Ölteppich auf dem Wasser in Schach zu halten. So wurden bis rund 15 kontrollierte Brände zum Abfackeln von Teilen des schmierigen Films gelegt. Ausserdem schoss ein Roboter-Fahrzeug Chemikalien zum Aufbrechen des Öls direkt in das Hauptleck am Meeresboden. Auch das Abschöpfen des Öls auf dem Wasser geht weiter. Dabei wird die Zeit immer knapper: Heftige Winde könnten in den kommenden Tagen Teile des Ölteppichs in Richtung Mississippi-Delta drücken. Bislang waren die Küsten der südlichen Bundesstaaten am Golf vom Ölteppich verschont geblieben.

Ungeachtet der Umweltkatastrophe sieht ein neuer Gesetzentwurf weitere Ölbohrungen vor der US-Küste vor. Allerdings plant die Gesetzesinitiative des demokratischen Senators John Kerry und seines unabhängigen Kollegen Joe Lieberman zusätzliche Schutzmassnahmen, wie US-Medien berichteten. Unter anderem sollen Bundesstaaten ein Vetorecht bei Bohrungen vor ihren Küsten erhalten.

Streit voll entbrannt

Inzwischen ist der Streit über die Schuld an der Katastrophe voll entbrannt. Die Spitzenmanager der drei in das Unglück verstrickten Unternehmen schoben sich am Dienstag die Verantwortung gegenseitig in die Schuhe. Bei der Anhörung des US-Senats griff der Chef von BP Amerika, Lamar McKay, den Eigner der Ölplattform Transocean an, von dem BP die Bohrinsel geleast hatte.

In einer für die Senatsanhörung vorbereiteten Stellungnahme, von der AFP eine Kopie erhielt, wirft BP Transocean vor, sie sei für die Sicherungsventile verantwortlich gewesen. Transocean hat seinen Sitz in Zug und ist an der Schweizer Börse kotiert.

Transocean versichert wiederum, der Fehler liege in einer Betonkonstruktion von Öldienstleister Halliburton, die die Ölquelle hätte verschliessen müssen. Auch Vertreter von Halliburton sind zu den Anhörungen geladen.

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