Zum Hauptinhalt springen

Macron, der Trump-Flüsterer

Am ersten Tag seines Staatsbesuchs schmeichelt Emmanuel Macron dem US-Präsidenten. Das ist auch nötig: Der Franzose hat heikle Themen im Gepäck.

Zusammen eine Eiche gefplanzt: US-Präsident Donald Trump hat seinen französischen Kollegen Emmanuel Macron im Weissen Haus empfangen. Video: Tamedia/SDA

US-Präsident Donald Trump schaut, als wisse er nicht, wie ihm geschieht. Die linke Wange von Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron berührt gerade seine linke Wange. Und zwar keine Sekunde nachdem Macrons rechte Wange schon seine rechte Wange berührt hat. Macrons linke Hand liegt währenddessen auf Trumps Schulter und zieht den deutlich grösseren wie gewichtigeren US-Präsidenten an sich.

Trump hat keine Chance, dem Wangenkuss seines Amtskollegen zu entkommen, als er und seine Frau Melania das französische Präsidentenpaar vor dem Weissen Haus begrüssen.

Küsse auf die Wange: Emmanuel Macron ist auf Staatsbesuch in den USA. Foto: Carlos Barria, Reuters.
Küsse auf die Wange: Emmanuel Macron ist auf Staatsbesuch in den USA. Foto: Carlos Barria, Reuters.

Solche Gesten sind wichtig in der Welt von Trump. Er hat Staatsgäste auch schon rabiat an sich gezogen und deren Hände schraubstockartig umklammert, womöglich, um ihnen Respekt einzuflössen.

Macron aber war von Beginn ein Meister darin, Trumps Handshake-Herausforderung zu begegnen. Mal, indem er einem asiatischen Kampfkünstler gleich Trumps Energie verpuffen lässt. Mal, indem er Trumps Hand packt und knebelt und sie dann kaum noch loslassen zu wollen scheint.

Und jetzt: der Kuss.

Die Macrons sind drei Tage lang auf grossem Staatsbesuch in den USA. Am Montag haben die beiden Präsidentenpaare auf dem Landsitz Mount Vernon des einstigen US-Präsidenten George Washington zu Abend gegessen. Und zuvor am Weissen Haus eine Eiche gepflanzt. Die hatte Macron als Gastgeschenk mitgebracht, um die grosse Bedeutung zu unterstreichen, die die französisch-amerikanische Freundschaft für ihn habe.

Straffes Programm

Das war das Aufwärm-Programm. An diesem Dienstag kommen er und Trump zum Vier-Augen-Gespräch zusammen mit anschliessender Pressekonferenz. Danach gibt es ein Mittagessen mit Vize-Präsident Mike Pence im Aussenministerium. Im Anschluss geht es zum Nationalfriedhof Arlington an das Grab des unbekannten Soldaten. Schliesslich wartet im Weissen Haus ein Staatsbankett. Darum gibt es in den USA einige Aufregung: Anders als üblich hat sich Trump geweigert, Repräsentanten der Demokraten zu dem Bankett einzuladen.

Mittwoch hält Macron dann zunächst eine Rede vor dem Kongress. Zuletzt wird er sich den Fragen von Studenten an der George-Washington-Universität stellen.

Macron hat für das Vier-Augen-Gespräch am Dienstag einige Aufgaben im Gepäck, die ihm seine europäischen Amtskollegen hineingelegt haben.

  • Er soll Trump dazu bringen, den Atom-Deal mit Iran noch eine Chance zu geben. Der US-Präsident will den Deal aufkündigen. Es dürfte das schwerste Gespräch werden, hinter den Kulissen verhandeln EU-Staaten bereits mit den USA.
  • Er soll Trump überzeugen, dass das Klimaschutzabkommen von Paris für alle Seiten gut ist. Was der US-Präsident nicht glaubt, weil er schon die globale Erwärmung für Quatsch hält.
  • Macron soll Trump dazu bringen, die US-Truppen noch deutlich länger auf syrischem Boden zu lassen. Weil ein voreiliger Abzug nur bedeuten würde, dass er Syrien Russland und Iran überlässt.
  • Er soll Trump überzeugen, keine Strafzölle auf Produkte der Europäischen Union zu erheben. Weil das der EU und den USA schaden würde.

Die Hoffnung ist, dass Trump auf Macron hört. Der Franzose gehört zu den wenigen westlichen Staatslenkern, die mit dem US-Präsidenten gut können. Womöglich ist er sogar der einzige. Er gilt als Trump-Flüsterer. Weil er weiss, was dieser braucht: Aufmerksamkeit und Lob. Ob die Chemie stimmt, ist für Trump wichtiger als gemeinsame Interessen.

Macron hatte seinen Durchbruch mit Trump vergangenen Sommer.

Die beiden Staatschefs sollen mehrmals in der Woche miteinander telefonieren. «Ist das das Telefon?», fragt Macrons Frau Brigitte den US-Präsidenten, als sie am Montag kurz im Oval Office zusammenkommen. Trump nickt. «Damit spreche ich mit ihrem Ehemann», sagt er. Dann gehen alle um Trumps Schreibtisch herum und bewundern das Telefon, mit dem Trump Macron anruft. «Abhörsicher», sagt Trump. Und dass es das «neueste und tollste» am Markt sein soll. Macron nickt, als hätte Trump selbst das Telefon erfunden.

----------

«Nicht Trump ist verrückt, die Amerikaner sind es»

Soziale Probleme zu psychischen Krankheiten zu erklären, diente viel zu oft als Ausrede, findet Psychiater Allen Frances. (Abo+)

----------

Macron hatte seinen Durchbruch mit Trump vergangenen Sommer. Da hatte er ihn als Ehrengast nach Frankreich eingeladen. Während es in Grossbritannien schon Debatten gab, ob ein Rüpel wie der US-Präsident jemals als Staatsgast britischen Boden betreten dürfe, hat Trump zusammen mit Macron in Paris die Militärparade zum französischen Nationalfeiertag abgenommen. Er war so geschmeichelt und beeindruckt, dass er sich für Mitte November eine eigene Militärparade bestellt hat.

Gemeinsamkeiten betont

Vor seinem Besuch hat Macron sogar Trumps Lieblingssender Fox News ein langes Interview gegeben und ihre Gemeinsamkeiten herausgestellt, nicht etwa Gegensätze. Wie Trump sei er in der Wirtschaft erfolgreich gewesen. Wie Trump habe er als Aussenseiter auf Anhieb eine Präsidentschaftswahl gewonnen.

Im Gegenzug wird Macron jetzt die Ehre zuteil, der erste Regierungschef zu sein, den Trump nach weit über einem Jahr im Amt zum Staatsbesuch eingeladen hat. Seit Calvin Coolidge, dem 30. US-Präsidenten, hat keiner seiner Vorgänger mehr solange bis zum ersten Staatsbesuch gewartet.

Die zeitliche Nähe zum eintägigen Arbeitsbesuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel in Washington an diesem Freitag kann Zufall sein. Oder ein deutliches Zeichen von Trump an Merkel, ihm mit mehr Respekt entgegenzutreten. Vor einem Jahr etwa, als er auf einer Pressekonferenz mit Merkel im Weissen Haus sagte, er sei womöglich genauso von Präsident Barack Obama abgehört worden wie Merkel, hielt Trump das offenbar für lustig. Später hat er sich gegenüber Mitarbeitern geärgert, dass Merkel nicht mal reagiert habe. «Sie hätte wenigstens lächeln können! Das war der Spruch des Tages!», soll er gesagt haben.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch