Maduro verbreitet wieder Verschwörungstheorien

Venezuelas Präsident instrumentalisiert ein Attentat, um von seinem Versagen abzulenken.

Nicolás Maduro (links) wird vom Sicherheitspersonal geschützt. (Xinhua via AP)

Nicolás Maduro (links) wird vom Sicherheitspersonal geschützt. (Xinhua via AP)

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Dem venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro ergeht es wie dem Hirten im Märchen, der mehrmals falschen Alarm wegen eines angeblich sich der Schafherde nähernden Wolfs schlägt – bis ihm keiner mehr glaubt, als der Wolf dann wirklich kommt. Maduro hat in seiner unrühmlichen Karriere als Präsident immer wieder abstruse Attentats- und Putschgerüchte in die Welt gesetzt, ohne jemals einen stichhaltigen Beweis vorzulegen. Mal trachtete ihm angeblich der kolumbianische Ex-Präsident Álvaro Uribe nach dem Leben, dann waren es die Amerikaner oder einheimische Finsterlinge aus der Opposition.

Bei Feiern zu Ehren der venezolanischen Armee ist nun am Samstag in Caracas zwar tatsächlich etwas vorgefallen – aber dass sofort Zweifel an der offiziell verbreiteten Attentatsversion zu kursieren begannen, hat sich Maduro selber zuzuschreiben.

Seine Behauptung, der abtretende kolumbianische Präsident und Friedensnobelpreisträger Juan Manuel Santos sei der Drahtzieher der Tat, ist vollkommen lächerlich und lässt lediglich zwei Schlüsse zu: Entweder war der angebliche Anschlag auf das Staatsoberhaupt eine Inszenierung. Oder es fand tatsächlich ein Mord­versuch statt (bei Maduro müsste man von einem versuchten Tyrannenmord sprechen) – und der Venezolaner beweist mit seinen bizarren, vorschnellen Anschuldigungen einmal mehr, wie erbärmlich er als Präsident und als Person ist.

Was nun in Venezuela geschehen wird, ist unabhängig von den Hintergründen des samstäglichen Ereignisses absehbar: Maduro wird es als Vorwand nutzen, um die Verantwortungfür die katastrophale wirtschaftliche Lage, für Hunger, Verzweiflung und Hyperinflation auf andere abzuschieben. Niemanden würde es wundern, wenn er nun noch rabiater gegen seine Kritiker vorginge.

Dabei sollte das mutmassliche Attentat der Weltöffentlichkeit eines in Erinnerung rufen: Je länger Maduro an der Macht bleibt und je schlimmer er sein Land zugrunde richtet, desto wahrscheinlicher wird es, dass dieses südamerikanische Drama mit Gewalt endet.

Erstellt: 05.08.2018, 19:27 Uhr

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