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McCain: In fünf Schritten ins Weisse Haus

Der republikanische Kandidat für Amerikas Präsidentenamt, John McCain, hat derzeit die besseren Chancen. Erfüllen sich folgende fünf Bedingungen, dürfte er 44. US-Präsident werden.

Der Wahlkämpfer: John McCain auf einer Veranstaltung der Republikaner in Jacksonville, Florida.
Der Wahlkämpfer: John McCain auf einer Veranstaltung der Republikaner in Jacksonville, Florida.
Keystone
Er will das amerikanische Präsidentenamt für die Republikanische Partei verteidigen: John Mc Cain.
Er will das amerikanische Präsidentenamt für die Republikanische Partei verteidigen: John Mc Cain.
Keystone
Politiker im Glanz von populären Sportlern: John McCain stellt seiner Frau Cindy den Autorennfahrer Carl Edwards vor.
Politiker im Glanz von populären Sportlern: John McCain stellt seiner Frau Cindy den Autorennfahrer Carl Edwards vor.
Keystone
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Die Nominierung von Sarah Palin als seine Stellvertreterin am Parteitag in Denver hat die Kandidatur von John McCain spürbar beflügelt. Laut jüngsten Umfragen liegt der Senator um zwei Prozentpunkte vorn.

1. McCain schlüpft in die Rolle des Aussenseiters

Obschon er seit Jahrzehnten im Washingtoner Kongress sitzt und längst Teil der Insiderszene der Hauptstadt ist, gibt sich der republikanische Präsidentschaftskandidat als politischer Aussenseiter. Gelingt es ihm, seine Nähe zum unpopulären Präsidenten zu verwischen und statt dessen seine Unabhängigkeit von der Republikanischen Partei zu betonen, könnte John McCain in den Mantel eines Reformers schlüpfen. Der Senator kann trotz seiner Anbiederung bei Bush und beim christlich-konservativen Flügel seiner Partei darauf verweisen, in wichtigen legislativen Vorhaben erfolgreich mit Demokraten zusammengearbeitet zu haben. McCains Nominierung von Sarah Palin könnte diese Aussenseiterrolle bestätigen – und die amerikanischen Wähler überzeugen, dass nicht Barack Obama, sondern der Senator aus Arizona für die gewünschte Veränderung in Washington steht.

2. Obama wird als typischer linker Demokrat entlarvt

Barack Obama gewann den demokratischen Vorwahlkampf gegen Hillary Clinton vor allem deshalb, weil er sich als Garant eines grundlegenden Wechsels präsentierte. Wenn es dem republikanischen Lager gelingt, Obama als einen typischen linksliberalen Demokraten zu zeichnen, der obendrein dem linken Flügel seiner Partei zuzurechnen ist, dürften die Wahlchancen des Demokraten erheblich sinken. Zumal sein Anspruch, über dem Parteiengezänk zu stehen, durch die im Ton schärfer gewordenen Angriffe auf seinen republikanischen Konkurrenten Schaden zu nehmen droht. Je mehr Obama zu einem politischen Schlagabtausch gezwungen wird, desto grösser wird die Gefahr, dass er als gewöhnlicher Politiker wahrgenommen wird. Verstärkt wird der daraus resultierende Nachteil für Obama durch den Versuch seiner politischen Gegner, ihn als elitären Intellektuellen darzustellen, dem jegliches Verständnis für die Sorgen und Nöte des kleinen Mannes fehlt.

3. Parteilose Wähler wenden sich von Obama ab

Wahrscheinlich wird die Präsidentschaftswahl im November in nur wenigen Bundesstaaten entschieden – Ohio, Pennsylvania, Virginia, Colorado, New Hampshire, Michigan, Florida. Und entscheidend für das Ergebnis in diesen Staaten dürfte das Wahlverhalten parteiloser Wähler sein, sogenannter Independents, die sich weder als Republikaner noch als Demokraten verstehen. Im Gefolge des republikanischen Parteitags in Minneapolis büsste Barack Obama seinen Vorsprung bei diesen Wechselwählern ein – unter anderem auch deshalb, weil die Republikaner alte Zweifel an der Fähigkeit der Demokraten weckten, die nationale Sicherheit zu garantieren. Wird der Wahlkampf überdies weniger um Sachthemen und mehr über Person und Charakter der Kandidaten geführt, könnte McCains Lebensgeschichte viele dieser Wechselwähler überzeugen. Falls ihre wirtschaftlichen Ängste durch den Reformanspruch McCains neutralisiert würden, sänken Obamas Chancen noch mehr.

4. McCains aggressiver Wahlkampf schadet ihm nicht

Das republikanische Lager hat mithilfe eines überaus aggressiven Wahlkampfs Obamas Vorsprung in den Umfragen wettgemacht und den Demokraten in die Defensive gedrängt. Seit dem Parteitag in Minneapolis hat sich das republikanische Duo dabei nicht gescheut, Unwahrheiten zu verbreiten, wie etwa die Behauptung, Obama werde die Steuern der Mittelklasse erhöhen. Unabhängige Experten sind sich einig, dass Obamas Steuerreform die Abgaben für nahezu vier Fünftel der Amerikaner senken würde. In einem herkömmlichen Wahlkampf stünde zu erwarten, dass die Medien über diese und andere Unwahrheiten McCains und Palins aufklären und die republikanischen Praktiken verurteilen. McCains Stab scheint indes darauf zu vertrauen, dass die amerikanischen Medien einen Gutteil ihrer Legitimität verloren haben und die politische Kakophonie der neuen Medienwelt den Versuch einer medialen Korrektur erstickt.

5. Sarah Palin bringt Obama noch mehr aus dem Tritt

Mit der Gouverneurin aus Alaska präsentierten sich die Republikaner mit einem neuen Gesicht. Umfragen zeigen, dass sich vor allem Frauen aus den Mittelschichten mit Palin identifizieren – und Obama deshalb seinen Vorsprung bei Frauen verloren hat. Bestimmten bislang linksliberale Amerikanerinnen aus der oberen Mittelschicht die Diskussion über Feminismus, könnte Palin nun eine konservative Alternative anbieten. Sofern sich eine Mehrheit von Amerikanerinnen in den Palins und deren Kindern wiedererkennt, dürfte es für Obama nahezu unmöglich werden, die Wahl am 4. November zu gewinnen.

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