Zum Hauptinhalt springen

McCain vor Obama – dank Palin

Noch diese Woche wird Sarah Palin erstmals ein Interview geben. Derweil bleiben die Amerikaner unvermindert fasziniert von der Gouverneurin.

Die Nachwehen des republikanischen Parteitags und insbesondere der Nominierung von Alaskas Gouverneurin Sarah Palin zur republikanischen Vizepräsidentschaftskandidatin haben dem amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf womöglich eine neue Richtung gegeben: Mehreren Umfragen gemäss liegt der Republikaner John McCain erstmals klar vor seinem demokratischen Rivalen Barack Obama.

Laut einer gemeinsamen Erhebung der Zeitung «USA Today» und der Gallup-Demoskopen führt McCain unter «wahrscheinlichen Wählern» sogar mit einem Vorsprung von zehn Punkten, was bei führenden Washingtoner Demokraten am Montag erhebliche Nervosität ausgelöst hat.

Verantwortlich für den Spurt des republikanischen Tandems an die Spitze dürfte vor allem die Auswahl Sarah Palins sein, die dank ihrer Parteitagsrede in Minneapolis in die Rolle einer politischen Sensation katapultiert wurde. Zwar trat Palin im Anschluss mit Senator McCain bei mehreren Wahlveranstaltungen auf, gab jedoch über das Wochenende neuerlich keine Interviews. Die aussenpolitisch völlig unerfahrene Kandidatin wird abseits der Öffentlichkeit von einem eiligst einberufenen Stab aussen- und sicherheitspolitischer Experten gebrieft und wird den Rest der Woche in Alaska verbringen.

Zwar betete der Pastor von Palins evangelikaler Freikirche im Städtchen Wasilla in seiner sonntäglichen Predigt unter anderem auch für die Medien. Das Wahlkampfteam John McCains aber beschuldigt die amerikanische Presse weiterhin, mit Fragen über die Schwangerschaft von Palins 17-jähriger Tochter Bristol die Privatsphäre der Gouverneurin und ihrer Familie verletzt zu haben. Palin habe «keine Angst, Fragen zu beantworten», aber keinesfalls bestimmten die Medien den republikanischen Wahlkampf, entgegnete McCains Wahlkampfmanager Rick Davis auf Kritik, dass Palin neun Tage nach ihrer Vorstellung noch immer kein einziges Interview gewährt habe. «Warum sollten wir Sarah Palin einer Meute von Piranhas vorwerfen, die sich Medien nennen?», so Davis in einem Fernsehinterview.

Trotzdem gab der Fernsehsender ABC am Sonntag bekannt, dass sich die Gouverneurin in der zweiten Wochenhälfte in Alaska einem Interview mit ABC-Nachrichtenmoderator Charles Gibson stellen werde. Gibson war in Minneapolis das einzige Interview mit Senator McCain gewährt worden, in dessen Verlauf der ABC-Journalist allerdings keine Fragen zu Palins Familie gestellt hatte - was sich nach Ansicht amerikanischer Medienexperten nun auszahlt.

Medien durchleuchten Palin

Palins Wirken in Alaska und ihre Familie werden unterdessen von amerikanischen Medien unvermindert ausgeforscht, wobei überwiegend das Bild einer charismatischen und effektiven, wenn auch nicht an Details interessierten Politikerin gezeichnet wird, die indes nachtragend und rachsüchtig sein kann. «Es ist sehr schwierig für sie, ein Nein zu akzeptieren», beschreibt etwa die republikanische Präsidentin des Staatssenats von Alaska, Lyda Green, ihr schwieriges Verhältnis zu Palin.

Anspruchslose Gouverneurin

Im Detail schilderten amerikanische Medien die Umstände der Geburt von Palins fünf Monate altem Sohn Trig, der am Down Syndrom leidet. Danach hielt Palin die Schwangerschaft zunächst geheim und flog zur Geburt Trigs vom texanischen Houston, wo sie eine Gouverneurskonferenz besucht hatte, zurück nach Alaska, obwohl bereits Fruchtwasser auszulaufen begonnen hatte. Vermerkt wurde zudem in Medienberichten, dass Palin aus Kostengründen den Regierungsjet Alaskas verkaufte und den Koch in der Gouverneursresidenz entliess. Ihre hohe Popularität am Polarkreis sei mithin auch auf ihre Anspruchslosigkeit sowie das Image einer berufstätigen Mutter zurückzuführen, die Karriere und Beruf zu verbinden suche.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch