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«Mein kaputtes Knie ... fordert Tribut»

Kubas früherer Präsident Fidel Castro hat öffentlich übers Älterwerden geklagt. In einem Interview sprach er über Knieschmerzen, lobte seinen Freund Hugo Chávez und zeigte sich über moderne Technik überrascht.

Geführt wurde das Gespräch bereits Anfang Februar: Fidel Castro vor den Journalisten.
Geführt wurde das Gespräch bereits Anfang Februar: Fidel Castro vor den Journalisten.
Reuters

Zuletzt hatte er nur noch selten das Rampenlicht gesucht, aber nun hat Kubas ehemaliger Machthaber ein längeres Gespräch mit Staatsmedien geführt. Dabei ging es vor allem um eigene Befindlichkeiten.

Das Knie ist kaputt, die Sehkraft lässt nach und die Augen reagieren immer empfindlicher. Kubanischen Journalisten gegenüber gab der 86-jährige Fidel Castro offen Auskunft über seinen Gesundheitszustand. Wenigstens müsse er nicht mehr Treppen steigen, wenn er bei Wahlen seine Stimme abgeben wolle, denn sein Wahllokal hat einen neuen Zugang bekommen.

Freundschaft zu Hugo Chavez

2004 sei er gestürzt, seitdem habe er Probleme mit Treppen, sagte Castro. «Mein kaputtes Knie ... fordert Tribut», so der ehemalige Präsident Kubas. Das Gespräch mit mehreren Journalisten wurde am Dienstag veröffentlicht, fand aber bereits am 3. Februar statt, als der Revolutionsführer seine Stimme zur Wahl der Nationalversammlung abgab.

Öffentlich tritt Castro kaum noch auf, noch seltener äussert er sich zu Belangen des Landes. Die kommunistische Tageszeitung «Granma» veröffentlichte am Dienstag eine fünfseitige Abschrift des Gesprächs, inklusive Vermerk, dass Castro das Interview gegengelesen und aktualisiert habe.

In der Unterredung äussert sich Castro auch sehr leidenschaftlich zu Hugo Chávez. Der Präsident Venezuelas, ein enger Freund und Verbündeter, lässt sich derzeit in Kuba wegen einer Krebserkrankung behandeln. Seit über zwei Monaten ist er in der Öffentlichkeit nicht mehr gesehen worden. «Als er im vollen (politischen) Kampf stand, vernachlässigte er seine Gesundheit und gab alles für die Sache», sagte Castro über Chávez.

Lob ans Volk

Er selbst habe inzwischen Probleme, das Kleingedruckte in der «Granma» und im Fernsehen zu lesen. Rasche Lichtwechsel würden zudem seinen Augen zusetzen, so Castro.

Positiv äusserte sich Castro in dem Gespräch über den wirtschaftlichen Wandel, den das Land unter der Führung von Raul Castro durchläuft, dem 81-jährigen Bruder Fidels, der Kuba seit 2006 regiert. Der Staat habe die Pflicht, sich selbst auf den neuesten Stand zu bringen, so Castro.

Weiter lobte er die kubanische Bevölkerung dafür, mehr Frauen als Männer in die Nationalversammlung gewählt zu haben. Für die 612 Abgeordneten der Nationalversammlung gibt es nur einen Kandidaten pro Sitz. Die Wähler können dann für oder gegen den Kandidaten stimmen, üblicherweise erreichen die meisten Kandidaten eine Zustimmung von deutlich über 90 Prozent.

«Was ist das für ein Apparat?»

Castros Interesse bei dem Gespräch erweckte ein Smartphone, mit dem ein Journalist das Interview aufzeichnete. «Was ist das für ein Apparat?», fragte der ehemalige Präsident. «Ein Telefon, das auch als Aufnahmegerät fungiert, Comandante», sagte der Journalist Amaury del Valle. «Wirklich?», fragte Castro. «Ich muss viele solche Geräte verwenden, aber ich habe Leute, die mir dabei helfen.»

Nach langer Krankheit tauchte Castro 2010 wieder in der Öffentlichkeit auf, hat sich jedoch inzwischen immer stärker ins Privatleben zurückgezogen. Vergangenes Jahr teilte der Revolutionsführer mit, er werde nicht länger seine «Reflexionen» genannten Kommentare schreiben.

SDA/wid

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