Zum Hauptinhalt springen

Mit Absicht traumatisiert

Die USA sperren Migrantenkinder in Zeltstädte, Europa lässt sie auf Lesbos kaputtgehen.

Hunderte dürfen zurück zu ihrer Familie: Ein Bus der US-Grenzbehörde voller Migranten-Kinder am 23. Juni 2018 in Texas.
Hunderte dürfen zurück zu ihrer Familie: Ein Bus der US-Grenzbehörde voller Migranten-Kinder am 23. Juni 2018 in Texas.
Spencer Platt, AFP
Mit dieser Jacke goss Melania Öl ins Feuer: Nach ihrem Besuch eines Aufnahmezentrums für Kinder in Texas trug sie eine olivgrüne Jacke mit dem Spruch: «Es ist mir wirklich egal. Euch auch?». (21. Juni 2018)
Mit dieser Jacke goss Melania Öl ins Feuer: Nach ihrem Besuch eines Aufnahmezentrums für Kinder in Texas trug sie eine olivgrüne Jacke mit dem Spruch: «Es ist mir wirklich egal. Euch auch?». (21. Juni 2018)
Chip Somodevilla, AFP
Die Oppositionsführerin im US-Repräsentantenhaus, Nancy Pelosi, nannte die Vorgehensweise «beschämend».
Die Oppositionsführerin im US-Repräsentantenhaus, Nancy Pelosi, nannte die Vorgehensweise «beschämend».
AP Photo/John Minchillo, Keystone
1 / 12

Es ist nicht so, dass Redaktion Tamedia und Europas Medien zu wenig aus den USA berichten würden. Doch manchmal gehen Meldungen unter, die mehr Beachtung verdienen.

Etwa diese: Das Ministerium für Gesundheit und Soziale Dienste hat damit begonnen, unerlaubt in die USA eingereiste Migrantenkinder in eine Zeltstadt in der Wüste zu verlegen. Zu Hunderten werden die Kinder derzeit überall im Land aus Pflegefamilien und Sozialeinrichtungen abgeholt und in nächtlichen Busfahrten nach Tornillo, Texas, gefahren. Dort bleiben sie inhaftiert, Ziel ist ihre Rückführung.

In Tornillo wird kein Schulunterricht mehr angeboten, die Betreuung ist reduziert, der Zugang zu Rechtsberatung erschwert. «Kinder verrotten in der Wüste», kommentiert die «New York Times». Insgesamt halten die Vereinigten Staaten rund 13'000 Migrantenkinder fest, mehr denn je. Die meisten sind unbegleitet eingereist, eine Handynummer in die Innenseite des Gürtels geschrieben, einige Hundert sind immer noch Kinder, die der US-Staat an der Grenze von ihren Eltern gezielt getrennt hat.

Kinder schlafen in Unrat

Kein Kind verdient eine solche Behandlung. Die Politik der US-Behörden ist unmenschlich, eine willentliche Traumatisierung der Wehrlosesten aus Gründen der Abschreckung. Kein US-Bürger sollte sie akzeptieren.

Sagt man laut als Europäer. Und blättert schnell um, wenn wieder Berichte aus dem Flüchtlingslager Moria auf Lesbos in Griechenland erscheinen. 3000 der 9000 dort Festgehaltenen sind Kinder, die Bedingungen sind laut Médecins sans Frontières schlimmer als in Ebola-­verseuchten Camps in Sierra Leone. Kinder schlafen in Unrat, werden bedroht von Gangs, vergewaltigt, geschlagen. Viele harren seit Monaten dort aus. Suizidversuche sind Alltag.

Was tut die griechische Regierung? Weshalb liefert die EU nicht sofort die Mittel zur Verbesserung des Lagers? Wo ist das Geld, das sie schon überwiesen hat? Oder soll Moria eben doch künftige Migranten abschrecken? Keinem Europäer sollten diese Fragen egal sein. Kein Kind hat das verdient.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch