Zum Hauptinhalt springen

Morales steht auf einem Pulverfass

Der bolivianische Präsident hat zunehmend Mühe, sein Land unter Kontrolle zu halten.

Südamerikas Solidarität für Evo Morales: Sowohl in Argentinien...
Südamerikas Solidarität für Evo Morales: Sowohl in Argentinien...
Keystone
Derweil versuchen die südamerikanischen Staatschefs, den Bürgerkrieg am Verhandlungstisch zu verhindern. Sie zeigen Solidarität mit Evo Morales. Die Gründe dafür dürften auch historisch sein: Zu viele Male haben Lateinamerikas Staaten erfahren, dass gewählte Regierungen von Aussen gestürzt wurden. Auch jetzt...
Derweil versuchen die südamerikanischen Staatschefs, den Bürgerkrieg am Verhandlungstisch zu verhindern. Sie zeigen Solidarität mit Evo Morales. Die Gründe dafür dürften auch historisch sein: Zu viele Male haben Lateinamerikas Staaten erfahren, dass gewählte Regierungen von Aussen gestürzt wurden. Auch jetzt...
Keystone
bei Regierungsgegnern.
bei Regierungsgegnern.
Keystone
1 / 6

In den vier aufständischen Provinzen im Osten und Süden des Landes halten Oppositionelle an 35 Stellen die Autobahnen blockiert, berichtet CNN. Die Bevölkerung befürchte, dass bald Lebensmittel und Benzin knapp werden.

Auch die Grenzen nach Argentinien, Brasilien und Paraguay seien gesperrt, wie Mario Cossio, Gouverneur einer der Provinzen, sagte. Ein Sprecher der Zentralregierung sagte, die Aufständischen hätten ausserdem ein Rathaus in der Provinz Pando in Brand gesteckt.

Die Aktionen der oppositionellen Gruppen im Osten Boliviens und die entsprechenden Reaktionen der Zentralregierung haben bisher 30 Menschen in der Provinz Pando das Leben gekostet. Präsident Evo Morales hat dort am Freitag den Ausnahmezustand verhängt. Treffen grösserer Gruppen sind verboten, Truppen der Armee patrouillieren in dem Departement.

Sie wollen ausserdem Leopoldo Fernández, den Gouverneur von Pando, festnehmen. Er habe die Verfassung verletzt und trage die Verantwortung für den Tod von Bauern, die letzte Woche von Aufständischen umgebracht worden waren. Fernández streitet das ab und sagt, es habe sich um einen Streit zwischen rivalisierenden Gruppen gehandelt.

Hoffnung liegt bei Chile

Heute treffen sich die Staatschefs der verschiedenen südamerikanischen Staaten in Chile zum Krisengipfel. Präsidentin Michelle Bachelet hatte als Vorsitzende der Anosur geladen. Ausser Peru hätten alle grösseren Staaten ihre Teilnahme zugesagt, meldet CNN. Auch Morales wird am Treffen teilnehmen.

Der Konflikt bringt Bolivien an den Rand eines Bürgerkriegs. Die reicheren, fruchtbaren und von Nachkommen der Europäer dominierten Provinzen im Osten des Landes wehren sich, weiterhin ihr Geld nach La Paz zu schicken, wo es unter dem Sozialisten Evo Morales hauptsächlich den armen Indios im westlichen Hochland zugutekomme. Sie fordern mehr Unabhängigkeit.

Morales seinerseits, selber indianischer Abstammung, will die Rechte und den Finanzstatus der Bauern stärken und das Land zentralisieren. Der Streit wirkt sich auch auf Brasilien aus, das die Hälfte seines Erdgases aus Bolivien bezieht.

Vorwürfe an die USA

Weil die USA angeblich die Übergriffe auf die Bauern unterstützt hätten, hat Morales letzte Woche den US-Botschafter Philip Goldberg des Landes verwiesen. Dieser widerspricht den Vorwürfen vehement: «Sie sind komplett falsch und unbegründet.» Goldberg hatte zuvor dem Gouverneur der Provinz Pando einen Besuch abgestattet, was Morales schlecht aufgefasst hatte.

Im Anschluss stellte sich auch Venezuelas Staatschef Hugo Chavez, leidenschaftlicher Gegner der USA, hinter Morales und schickte den US-Botschafter in Venezuela ebenfalls nach Hause. Honduras und Nicaragua folgten mit Solidaritätsbekundungen. Chavez' Angebot, der bolivianischen Regierung mit seiner Armee zu Hilfe zu kommen, lehnte Bolivien jedoch ab.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch