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New Yorker Cops verteilen weniger Parkbussen

Nachdem New Yorks Stadtpräsident Bill de Blasio seine Polizisten mit einer öffentlichen Äusserung brüskierte, stellen diese offenbar auf stur: Sie machen ihre Arbeit nicht mehr richtig.

thu
«De Blasio, entschuldige dich beim New York Police Department!!»: Ein Banner über dem Hudson River in New York. (31. Dezember 2014)
«De Blasio, entschuldige dich beim New York Police Department!!»: Ein Banner über dem Hudson River in New York. (31. Dezember 2014)
Carlo Allegri, Reuters

«New York's Finest» nennt sich die Polizei der US-Millionenmetropole - das beste, was New York zu bieten hat. Die Beamten sind stolz auf sich und ihren Job und zeigen das bei jeder Gelegenheit. Aber jetzt fühlen sich viele der rund 50'000 Polizisten New Yorks in ihrem Stolz zutiefst verletzt – und das ausgerechnet von Stadtpräsident Bill de Blasio.

Der mit einer Afro-Amerikanerin verheiratete Stadtpräsident hatte öffentlich Demonstrationen unterstützt, die Polizeigewalt gegen Schwarze anprangerten. Auch seinen Sohn Dante habe er im Umgang mit der Polizei trainieren müssen, sagte de Blasio bei einer Pressekonferenz – und handelte sich damit den Zorn seiner eigenen Polizeitruppe ein. Vertreter der kommunalen Polizeibehörde New York City Police Department (NYPD) gaben ihm daraufhin eine Mitschuld an der Erschiessung von zwei Polizisten vor rund zwei Wochen. Als Motiv für die Tat eines Afro-Amerikaners wird Rache wegen der Polizeigewalt gegen Schwarze vermutet.

«Phase der Trauer» mit sichtbaren Folgen

Auch Stadtpräsident de Blasio habe nun «Blut an seinen Händen», wetterte Polizeigewerkschaftschef Patrick Lynch. Neue Statistiken deuten jetzt eine eigenwillige Reaktion der Polizei an: unangekündigter Arbeitskampf. In der letzten Dezemberwoche 2014 - der Woche nach der Erschiessung der beiden Polizisten - stellten die New Yorker Cops Medienberichten zufolge 94 Prozent weniger Verkehrsstrafzettel, 92 Prozent weniger Parkbussen und 94 Prozent weniger Verwarnungen wegen Vergehens wie öffentlichem Urinieren aus als in derselben Woche 2013. Ausserdem nahmen sie 84 Prozent weniger Menschen wegen Drogendelikten fest.

In den beiden besonders betroffenen Polizeibezirken - dem, wo die beiden Polizisten erschossen wurden, und dem, wo sie patrouilliert hatten - sind die Zahlen noch auffälliger: Wurden in der letzten Dezemberwoche 2013 noch 130 Menschen wegen eines Vergehens verwarnt, war es in der letzten Dezemberwoche 2014 genau einer.

Aber die Polizei hat laut ihrem Chef Bill Bratton nicht die Arbeit eingestellt. Seine Truppe befinde sich lediglich in einer «Phase der Trauer» und sei ausserdem am Limit ihrer Kapazitäten: Nicht nur müssten die immer noch andauernden Demonstrationen gegen Polizeigewalt von tausenden Polizisten überwacht werden, sondern nach den Morden müssten die Beamten jetzt auch sich selbst besser schützen.

Mordrate sinkt weiter

Da blieben nicht genügend Kapazitäten übrig für manche kleineren Vergehen. «Ich möchte aber deutlich machen, dass das keinen Einfluss auf die Sicherheit der Stadt hat.» Die gerade veröffentlichte Mordstatistik scheint Bratton recht zu geben: Im einst als Hochburg der Kriminalität berüchtigten New York gab es 2014 so wenige Morde wie nie zuvor seit Beginn der offiziellen Statistik. Knapp 25 Jahre nach dem Rekord-Jahr 1990 mit 2245 Morden konnte für 2014 mit 328 Morden ein Minus-Rekord vermeldet werden.

Eigentlich ein Grund zur Freude für Stadtpräsident und NYPD, aber in der aufgeheizten Krisenstimmung geht die Nachricht derzeit völlig unter. Statt dessen ist der Streit zwischen Stadtoberhaupt und Cops eskaliert und de Blasio in der wohl schwersten Krise seiner bisherigen Amtszeit.

Bei mehreren Veranstaltungen buhten Polizisten den Stadtpräsident aus oder drehten ihm demonstrativ den Rücken zu. Auch ein erstes Krisentreffen brachte keine Annäherung. Die «New York Times» zeigte wenig Verständnis mit der im Stolz verletzten Polizei: «Was die New Yorker von ihrer Polizei wollen ist einfach: 1. Nicht gegen die Verfassung verstossen. 2. Keine unbewaffneten Menschen umbringen und dazu können wir jetzt noch hinzufügen: 3. Macht eure Arbeit.»

(SDA)

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