Zum Hauptinhalt springen

Zweifel am Anschlag auf Nicolás Maduro

Venezuelas Präsident bezichtigt seinen kolumbianischen Amtskollegen, hinter der Tat zu stecken. Doch war es überhaupt ein Attentat?

Nicolás Maduro hält nach dem Anschlag eine Fernsehansprache. Video: AFP/Tamedia

Venezuelas Staatschef Nicolás Maduro hatte gerade verkündet, «die Stunde der wirtschaftlichen Erholung» sei gekommen. Dazu hätten viele Bürger gerne mehr gehört in dem von Hunger und Hyperinflation geplagten Land. Aber genau in diesem Moment war bei der Übertragung im Staatsfernsehen eine Explosion zu hören. Man sah noch, wie Maduros Ehefrau Cilia Flores, die neben ihrem Mann auf der Bühne stand, zusammenzuckte und in den Himmel blickte.

Dann gab es einen Schnitt, im Bild waren jetzt Dutzende in Reih und Glied stehende Soldaten, die plötzlich in alle Richtungen davonrannten. Damit endete die Übertragung von Maduros Festrede zum 81-jährigen Bestehen der venezolanischen Nationalgarde.

Niemand traut dem Staat

Nun rätselt das Land mal wieder, was genau passiert war. Aus Erfahrung trauen die meisten Venezolaner keinem staatlichen Fernsehbild, keiner amtlichen Mitteilung und keinem Wort ihres autoritären Präsidenten. Nach Angaben von Informationsminister Jorge Rodríguez ist Maduro am Samstagnachmittag einem Mordkomplott entgangen. Das Attentat sei mit sprengstoffbeladenen Drohnen verübt worden, der Präsident blieb demnach unversehrt, sieben Mitglieder der Nationalgarde seien aber verletzt worden. Eine unabhängige Überprüfung der Angaben ist im Fall von Venezuela schwer möglich.

Nach dem mutmasslichen Anschlagsversuch gegen Venezuelas Präsident Nicolás Maduro will der autoritäre Staatschef Abgeordnete der Opposition vor Gericht bringen.
Nach dem mutmasslichen Anschlagsversuch gegen Venezuelas Präsident Nicolás Maduro will der autoritäre Staatschef Abgeordnete der Opposition vor Gericht bringen.
Venezuelan Presidency, AFP
Maduro behauptet, dass der im Exil lebende frühere Parlamentspräsident Julio Borges (Bild) sowie der Oppositionsabgeordnete Juan Requesens in das mutmassliche Attentat verwickelt seien.
Maduro behauptet, dass der im Exil lebende frühere Parlamentspräsident Julio Borges (Bild) sowie der Oppositionsabgeordnete Juan Requesens in das mutmassliche Attentat verwickelt seien.
Jean-Francois Badias, Keystone
Maduro unterhält sich mit einem Mitglied der Nationalgarde, das bei der mutmasslichen Attacke verletzt wurde. (7. August 2018)
Maduro unterhält sich mit einem Mitglied der Nationalgarde, das bei der mutmasslichen Attacke verletzt wurde. (7. August 2018)
Miraflores Palace, Reuters
1 / 14

Maduro selbst hielt am Abend vom Präsidentenpalast Miraflores aus eine weitere Fernsehansprache. Er sagte: «Sie haben heute versucht, mich umzubringen.» Alles deute auf einen Anschlag der ultrarechten venezolanischen Opposition in Allianz mit ultrarechten Kolumbianern hin. Er habe nicht den geringsten Zweifel, dass «der Name Juan Manuel Santos» hinter dem Attentat stecke. Beweise legte Maduro für seine Behauptung nicht vor. Er machte auch keine Angaben dazu, wie dieser schnelle Ermittlungserfolg möglich gewesen sein soll. Bereits in der Vergangenheit hatten Maduro und sein Vorgänger Hugo Chávez oft behauptet, die Regierung des Nachbarlandes sei in finstere Aktivitäten verstrickt.

Ein Mörder mit Nobelpreis?

Kolumbiens Präsident und Friedensnobelpreisträger Santos gehört seit längerer Zeit zu den schärfsten Kritikern des autoritären Regimes in Venezuela. Die nachbarschaftlichen Beziehungen sind extrem angespannt, von diplomatischen Beziehungen kann kaum noch die Rede sein. Aber der Vorwurf, Santos habe ein Mordkomplott gegen Maduro angeführt, ist eine bislang einmalige Zuspitzung der Krise. Das Aussenministerium in Bogotá wies die Anschuldigung in aller Schärfe zurück. Sie seien «absurd und vollkommen haltlos». In dem Statement hiess es: «Es ist schon Brauch, dass der venezolanische Amtsträger Kolumbien ständig für alle möglichen Dinge verantwortlich macht.» Am Dienstag übergibt Santos sein Amt an den gewählten Nachfolger Iván Duque.

Auch in Venezuela gibt es erhebliche Zweifel an dem mutmasslichen Anschlag. Die Nachrichtenagentur AP berichtete, Feuerwehrmänner vor Ort hätten der offiziellen Version widersprochen. Demnach habe es sich bei dem Knall, der im Staatsfernsehen zu hören war, um die Explosion eines Gasbehälters in einer nahe gelegenen Wohnung gehandelt.

Oppositionspolitiker befürchten, Maduro könnte den Vorfall nutzen, um ein noch härteres Vorgehen gegen Regimekritiker zu rechtfertigen. So wie bei vergleichbaren Fällen in der Vergangenheit.

Auf Twitter bekannte sich eine weitgehend unbekannte Gruppe namens «Soldados de Franela» (Flanell-Soldaten) zu dem Anschlag. Sie hätten versucht, mit Sprengstoff beladene Drohnen zum Podest des Präsidenten zu steuern. Diese seien aber von der Ehrenwache abgeschossen worden. Die Bekenner bezeichneten sich als «patriotische Militärs und Zivilisten» und schrieben: «Wir haben gezeigt, dass sie verwundbar sind, heute ist es nicht gelungen, aber das ist nur eine Frage der Zeit.» Wer aber tatsächlich hinter dieses Tweets steckt, das gehört zu den vielen offenen Fragen in diesem Fall.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch