North Carolina muss Midterm-Wahlen wiederholen

Der Republikaner Mark Harris heuerte zwielichtige Gestalten an. Sein eigener Sohn hat nun gegen ihn ausgesagt.

Als sein eigener Sohn gegen ihn aussagt, kommen dem Republikaner Mark Harris die Tränen. Bild: AP

Als sein eigener Sohn gegen ihn aussagt, kommen dem Republikaner Mark Harris die Tränen. Bild: AP

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Der Republikaner Mark Harris sieht sich offenbar immer noch als Sieger der Wahl vom 6. November 2018. Er hat ja auch mehr Stimmen bekommen als sein demokratischer Kontrahent Dan McCready. 905 Stimmen mehr, um genau zu sein. Bei 238'000 abgegebenen Stimmen. Das hat Harris allerdings offenbar nur geschafft, weil es einen selbst für US-Verhältnisse eklatanten Wahlbetrug zu seinen Gunsten gegeben hat.

Nach monatelanger Prüfung und Dutzenden Vernehmungen hat die Wahlkommission von North Carolina am Donnerstag entschieden, dass neu gewählt werden muss. Inzwischen ist auch Harris dafür – obwohl er keine Schuld eingestehen möchte. Harris bestreitet, irgendetwas von der Masche gewusst zu haben, mit der seine Helfer zu seinen Gunsten Wahlzettel gefälscht und Bürger um ihre Stimme gebracht haben. Er sagt jetzt, die Öffentlichkeit habe inzwischen offenbar das Vertrauen in das Ergebnis verloren. Deshalb sei auch er jetzt für eine Neuwahl. Harris sagte auch, er habe zwei Schlaganfälle erlitten und leide an Verwirrung, doch er könne erkennen, dass es nach der Wahl erhebliche Zweifel gebe.

Nationales Interesse erregte der Fall, als Anfang Dezember die Wahlkommission des Bundesstaates einstimmig entschieden hatte, das Wahlergebnis nicht zu zertifizieren. Schon damals stand der inzwischen bestätigte Verdacht im Raum, dass zum Vorteil des republikanischen Kandidaten Hunderte von Briefwahlunterlagen im 9. Wahlbezirk eingesammelt, zum Teil gefälscht oder zerstört wurden.

Die Betrüger haben nach diversen Zeugenaussagen Leute dafür bezahlt, in der Nachbarschaft von Tür zu Tür zu gehen, um sich die Briefwahlunterlagen anzueignen. Dutzende Wähler berichten, dass sie an der Tür bedrängt worden seien, ihre Wahlunterlagen auszuhändigen. Was natürlich illegal ist. Die gesammelten Wahlzettel wurden dann geprüft. Hatte jemand für Harris gestimmt, wurden die Stimmen zur Auszählung gebracht. War jemand für McCready, kamen sie in den Schredder.

Offenbar haben die Betrüger auch dafür gesorgt, dass möglichst viele Menschen in Bladen County Briefwahl beantragen – um dann noch mehr Stimmzettel einsammeln zu können. In Bladen County lag der Anteil der Briefwahlstimmen bei 7,3 Prozent. In den meisten anderen Countys im 9. Wahlbezirk liegt die Quote nicht über drei Prozent.

In Bladen County hat Harris so erstaunliche 61 Prozent der abgegeben Briefwahl-Stimmen bekommen. Dabei waren nur 19 Prozent der Wähler, die Briefwahl beantragt hatten, registrierte Republikaner.

Es wurden wohl auch eine Reihe von unausgefüllten Stimmzetteln eingesammelt. Die wurden kurzerhand gefälscht. Nicht nur wurde das Kreuz nachträglich für Harris gemacht. Es waren offenbar auch immer dieselben acht Leute, die sie unterschrieben haben. Zwei Unterschriften tauchen allein auf 40 Stimmzetteln auf.

Mark Harris musste erleben, wie sein eigener Sohn gegen ihn aussagt

Der Organisator des Betruges soll ein gewisser Leslie McCrae Dowless gewesen sein, ein eingetragener Republikaner, der in den 90er Jahren schon mal wegen Meineides und Versicherungsbetruges im Gefängnis sass. Er ist der gewählte Beauftragte für Wasser- und Bodenfragen in Bladen County. Wenn Wahlen anstehen, verwandelt er sich in einen professionellen Politikberater und Wahlhelfer. Dowless gilt in der Gegend als «Briefwahl-Guru». Seit Jahrzehnten verhilft er lokalen Kandidaten gegen Geld zu sehr guten Briefwahlergebnissen.

Harris hat ihn genau deshalb angeheuert, räumte er ein. 2016 hat er nämlich schon einmal versucht, die Vorwahl der Republikaner zu gewinnen. Er scheiterte aber. Auch weil ein anderer Kandidat im Briefwahlergebnis deutlich vor ihm lag. Der hatte damals Dowless für sich arbeiten lassen. Jetzt wollte Harris alles richtig machen und engagierte Dowless selbst.

Harris behauptete allerdings, er habe sich wieder und wieder versichern lassen, dass Dowless mit legalen Mitteln arbeite. Er habe keine Hinweise gehabt, dass etwas nicht mit Dowless stimmen könne.

Dowless hat eine Aussage vor der Kommission verweigert. Die Kommission war nicht bereit, ihm Immunität gegen eine Strafverfolgung zuzugestehen. Dafür sagte am Mittwoch überraschend John Harris aus, der Sohn von Mark Harris.

Während der Aussage ist sein Vater Mark Harris in Tränen ausgebrochen. John Harris sagte, er liebe seinen Vater, er liebe seine Mutter, es gebe keine Fehde zwischen ihnen. Dennoch sei er da, um freiwillig eine Aussage zu machen. Er habe seinen Vater schon früh vor den Methoden von Dowless gewarnt. Sein Vater und dessen Leute aber hätten entschieden, Dowless zu behalten. «War ich einverstanden mit der Entscheidung? Nein. Ich dachte, was der macht, das ist illegal. Und ich lag richtig.» Am Tag danach machte Mark Harris den Weg zu Neuwahlen frei. Wenn die vorbei sind, kann auch das Kapitel Midterm-Wahl endlich abgeschlossen werden.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 22.02.2019, 07:43 Uhr

Artikel zum Thema

Wo Wähler keine Stimme haben

Bei den Zwischenwahlen ist es zu einem krassen Fall von Wahlbetrug gekommen. Er ist ein Beispiel für die zerfallende Demokratie in den USA. Mehr...

Das Grauen der Demokraten

Hillary 2020? «Ich wäre gern Präsidentin», sagt Hillary Clinton. Das Kandidatenkarussell für die Präsidentschaftswahl beginnt sich zu drehen. Mehr...

«Die Wut zerreisst die Gesellschaft»

Interview Pulitzerpreisträger Richard Russo blickt auf die Midterms, den Amoklauf in Kalifornien und auf seine Verantwortung als Romancier. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Weiterbildung

Gamen in der Schule

Die Schule bereitet Kinder auf die Arbeitswelt vor. Das Rüstzeug soll auch spielerisch vermittelt werden.

Kommentare

Die Welt in Bildern

Klare Linie: Ein Model läuft an den Sao Paulo Fashion Weeks über den Laufsteg. (23. April 2019)
(Bild: Alexandre Schneider/Getty Images) Mehr...