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NSA sammelt Millionen von Internetkontaktlisten

Die Sammelaktivitäten der NSA gingen 2012 so weit, dass eine Überlastung der Speicherkapazitäten drohte. Derweil forderte die britische Botschaft die «New York Times» zur Herausgabe von Snowden-Dokumenten auf.

chk
Die NSA hat es auf Adressbücher von Internetnutzern abgesehen: Mail-Account von Hotmail. (Archivbild)
Die NSA hat es auf Adressbücher von Internetnutzern abgesehen: Mail-Account von Hotmail. (Archivbild)
Keystone

Der US-Geheimdienst NSA sammelt nach einem Bericht der «Washington Post» weltweit Hunderte Millionen von Kontaktlisten von persönlichen E-Mail- und Instant-Messaging-Konten. Viele Konten gehörten Amerikanern, schrieb das Blatt online.

An einem einzigen Tag im vergangenen Jahr habe die NSA mehr als 444'000 E-Mail-Adressbücher bei Yahoo, mehr als 100'000 bei Hotmail, über 82'000 bei Facebook, gut 33'000 bei G-Mail und fast 23'000 bei anderen nicht genannten Dienstleistern gesammelt. Das wären hochgerechnet mehr als 250 Millionen E-Mail-Adressbücher im Jahr.

«Auf der Suche nach Terroristen»

Die Angaben gehen aus einer internen Präsentation der NSA hervor, wie die «Washington Post» schreibt. Die Informationen stammten von hohen Geheimdienstmitarbeitern und aus streng geheimen Dokumenten des früheren NSA-Mitarbeiters Edward Snowden.

Shawn Turner, Sprecher des Büros des Nationalen Geheimdienstdirektors, erklärte nach den Angaben der Zeitung, dass die NSA Hinweise auf Terroristen, Menschenhändler und Drogenschmuggler suche. «Wir sind nicht interessiert an persönlichen Informationen über normale Amerikaner.»

Zugangspunkte in aller Welt

Die NSA sei weder vom Kongress noch dem speziell zuständigen Gericht ermächtigt worden, Kontaktlisten in grosser Menge zu sammeln, schrieb das Blatt. Ein hoher Geheimdienstmitarbeiter habe erklärt, das wäre in den USA ungesetzlich. Der Geheimdienst arbeite deshalb von Zugangspunkten in aller Welt.

Die Sammlung an Kontakten sei so umfangreich, dass gelegentlich eine Überlastung der Speicherkapazitäten gedroht habe, heisst es in der «Washington Post». Auch Spam-Mails seien ein bedeutendes Problem für die NSA, da sie Datenspeicher mit wertlosen Informationen verstopften. Der grösste Teil aller E-Mails ist laut einem NSA-Dokument Spam von falschen Adressen.

Britische Botschaft forderte Snowden-Dokumente

Medien, die über die US-Geheimdienstaffäre berichten, spüren weiterhin grossen Druck. Vertreter von Grossbritannien in den USA wollten die US-Zeitung «New York Times» dazu bringen, Material des ehemaligen Geheimdienstlers Edward Snowden an die Briten zu übergeben.

Mitarbeiter der britischen Botschaft in Washington hätten sie dazu aufgefordert, sagte die Chefredakteurin der «Times», Jill Abramson, dem britischen «Guardian». «Selbstverständlich habe ich in Betracht gezogen, was sie mir sagten, und Nein gesagt», sagte Abramson.

Die beiden Zeitungen arbeiten bei der Berichterstattung über die Spionageprogramme von USA und Grossbritannien zusammen, seit der «Guardian» unter massivem Druck der britischen Regierung mehrere Computer mit Snowden-Dokumenten zerstörte. In den USA sei die Pressefreiheit gesetzlich besser geschützt, erklärte der «Guardian».

«Times»-Chefredakteurin Abramson erklärte, die Berichte über Geheimdienstprogramme seien von kritischer Bedeutung. «Hier wird im Namen der Bevölkerung ein Kampf gegen den Terror geführt, und die Bevölkerung hat ein Recht auf Informationen darüber», sagte sie.

Gleichzeitig gehe auch die US-Regierung unter Präsident Barack Obama besonders aggressiv gegen Informanten vor. «Es gibt Menschen innerhalb der Regierung, die Informationen weitergeben wollen und jetzt Angst haben zu reden», sagte Abramson.

Unterstützung für den «Guardian»

Erst vergangene Woche stellte sich die versammelte Weltpresse hinter den «Guardian». Unter anderem drückten Chefredakteure und leitende Redakteure von «New York Times», «Le Monde» (Frankreich), «El Pais» (Spanien) «Haaretz» (Israel), «Washington Post», des Nachrichtenmagazins «Der Spiegel» sowie der «Neuen Zürcher Zeitung» ihre Solidarität in Botschaften aus, die am Freitag abgedruckt wurden.

Der Chef des Geheimdienstes MI5 hatte die Berichterstattung des «Guardian» über die Spionageprogramme scharf angriffen. Geheimdienstchef Andrew Parker bezeichnete die Berichte als «Geschenk» und «Vorteil» für potenzielle Terroristen.

(SDA)

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