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Nun ist Wikileaks selber Opfer von Datenräubern

Daniel Domscheit-Berg, der ehemalige Weggefährte von Julian Assange, hat bei Wikileaks grosse Datenmengen entwendet. Der Australier tobt – und will mit dem einstigen Freund vor Gericht.

Wikileaks erhält Konkurrenz: Daniel Domscheit-Berg erklärt Openleaks. (Video: Jan Derrer)

Zwischen Wikileaks-Gründer Julian Assange und seinem einstigen Weggefährten Daniel Domscheit-Berg wütet ein persönlicher Krieg. Nun prescht der Deutsche mit einem Enthüllungsbuch über die Enthüllungsplattform vor. Dabei hält er nicht mit Vorwürfen gegen den Australier zurück: Wikileaks kann laut Domscheit-Berg die Geheimdokumente und Informanten nicht mehr zuverlässig schützen.

Der Deutsche weiss, wovon er spricht: Er war früher Top-Programmierer von Wikileaks und wurde intern «der Architekt» genannt. In der heutigen Ausgabe des Hamburger Magazins «Stern» verkündet er, er habe die von ihm geschaffene Software sowie geheime Dokumente mitgenommen, als er im vergangenen Sommer nach einem Streit mit Assange Wikileaks verliess. Offenbar haben auch weitere ausgeschiedene Mitarbeiter einen grossen Teil des Datenmaterials «sichergestellt», wie der Informatiker sagt.

«Nur Rücknahme von geistigem Eigentum»

Domscheit-Berg hat vor kurzem eine eigene Internet-Enthüllungsplattform namens Openleaks lanciert. Bei der Mitnahme der Software handle es sich nicht um Sabotage, sondern vielmehr um die «Rücknahme geistigen Eigentums», das er der Organisation zur Verfügung gestellt hätte, sagt Domscheit-Berg. Die bisher unveröffentlichten Dokumente habe er deshalb mitgenommen, um die Quellen zu schützen.

Genau dies tue Assange nämlich nicht: Der Australier sei zu beschäftigt damit, den vorhandenen Datenschatz «auszuschlachten». Wikileaks habe nicht einmal mehr eine verschlüsselte Website. Zurzeit seien «wesentliche Funktionen nicht mehr aktiv», sagt Domscheit-Berg. Seit seinem Weggang sei die Seite auf dem technischen Stand der Anfangszeiten. Als «Chaos», «stümperhaft zusammen gebasteltes Zeug» mit «wild wuchernden Programmteilen» beschreibt der Deutsche die Website. Sobald Assange den Quellenschutz garantieren könne, erhalte er auch wieder die Daten zurück.

Nun will Julian Assange klagen

Julian Assange lässt all dies nicht auf sich sitzen. Laut «Spiegel» hat der Australier einen Juristen eingeschaltet, um gegen seine ehemaligen Mitarbeiter, insbesondere Domscheit-Berg, vorzugehen. Der Berliner Anwalt Johannes Eisenberg hat letzteren in einer Erklärung aufgefordert, Daten und Software zurückzugeben. Notfalls werde er auch vor Gericht ziehen und gegen die Verleumdungen von Domscheit-Berg vorgehen.

Tatsächlich findet der einstige Weggefährte klare Worte über Assanges Charakter: Er habe «noch nie so eine krasse Persönlichkeit erlebt wie Julian Assange», zitiert der «Stern» aus dem Buch «Inside Wikileaks», das morgen erscheint. Er beschreibt den Australier einerseits als sehr «freigeistig», «energisch», «genial», andererseits als «paranoid», «machtversessen» und «grössenwahnsinnig».

Daten von Julius Bär waren der erste grosse Coup

Auch der «Tages-Anzeiger» publizierte in seiner heutigen Ausgabe einen Auszug aus dem Buch. Darin beschreibt Domscheit-Berg, wie er und Assange mit den Daten des Schweizer Whistleblowers und Ex-Bankers von Julius Bär, Rudolf Elmer, einen ersten grossen Coup feierten. «Wir haben uns nie wieder über einen Triumph so wie über die erlegten Bären gefreut», spottet der Programmierer über die Bank.

Gleichzeitig räumt er ein, dass das Unterfangen ständig auf der Kippe stand. Nach der Publikation der Bankdaten seien Assange und er sogleich von einer bekannten kalifornischen Anwaltskanzlei bedrängt worden, die normalerweise Hollywoodstars vertrete. Auch Julius Bär versuchte offenbar gerichtlich gegen Wikileaks vorzugehen. «Diese Bären-Bosse waren es vermutlich gewohnt, andere mit einem einzigen Brief zum Schweigen zu bringen», schreibt Domscheit-Berg. «An uns verbrannten sie sich die Tatzen. Und wir waren damals nur zwei Leute mit einer schäbigen kleinen Maschine. Mir wurde bewusst, dass wir es mit der ganzen Welt hätten aufnehmen können.»

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