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Nun muss die First Lady punkten

Die Frau, die einst mehr verdiente als ihr Mann, muss heute Abend dessen Charakter preisen. Mit ihrer Rede am Parteitag der Demokraten soll Michelle Obama die Wähler über die miese Wirtschaftslage hinwegtrösten.

Wichtige First Lady: Das Präsidentschaftspaar kurz vor der Wahl. (4. November 2012)
Wichtige First Lady: Das Präsidentschaftspaar kurz vor der Wahl. (4. November 2012)
AFP
Ihr hat der Präsident viel zu verdanken: Michelle und Barack Obama küssen sich während eines Basketball-Spiels in Washington. (12. Juli 2012)
Ihr hat der Präsident viel zu verdanken: Michelle und Barack Obama küssen sich während eines Basketball-Spiels in Washington. (12. Juli 2012)
Reuters
Für ihren Mann legte sie die Karriere als Krankenhausmanagerin auf Eis: Michelle Obama während einer Wahlkampfveranstaltung ihres Mannes 2007.
Für ihren Mann legte sie die Karriere als Krankenhausmanagerin auf Eis: Michelle Obama während einer Wahlkampfveranstaltung ihres Mannes 2007.
Reuters
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In der vergangenen Woche versicherte Ann Romney den Menschen in den USA auf dem Parteitag der Republikaner, dass ihr Mann Mitt ein sympathischer Familienvater und liebender Ehemann sei, den sie im November guten Gewissens zum Präsidenten wählen könnten. Bei der «Convention» der Demokraten steht Michelle Obama am Dienstag vor einer ähnlichen Aufgabe. Anders als Ann Romney ist die 48-Jährige aber eine echte Karrierefrau. Die erste afroamerikanische First Lady ist beim Volk beliebter als Präsident Barack Obama – mit ihrer Popularität kann sie ihrem Mann bei der Wiederwahl helfen.

Michelle Obama hat eine Lebensgeschichte, wie sie die Amerikaner mögen. In einfachen Verhältnissen wuchs sie in einem Problemviertel von Chicago auf – und schaffte mit viel Fleiss, Intelligenz und Zielstrebigkeit den Aufstieg aus eigener Kraft. Sie studierte Soziologie und Jura an den Eliteunis Princeton und Harvard, damals hiess sie noch Michelle Robinson.

Michelle Obama verdiente mehr als ihr Mann

Die junge Frau, deren Vorfahren einst Sklaven waren, fand nach ihrem Abschluss Ende der 80er Jahre einen Job bei einer renommierten Anwaltskanzlei in Chicago. In dieser Zeit lernte sie auch ihren späteren Mann Barack Obama kennen, der damals noch Student in Harvard war. Das Paar heiratete 1992 und bekam zwei Töchter, Malia und Sasha. Vor dem Wechsel ins Weisse Haus verdiente Michelle als Krankenhausmanagerin mehr als ihr Mann als Senator in Washington.

Als Politikerfrau musste Michelle Obama ihre Ambitionen aber zurückstellen. Anfänglich soll sie den Plänen ihres Mannes, sich um das Amt des Präsidenten zu bewerben, skeptisch gegenübergestanden haben – auch aus Angst um die beiden kleinen Töchter. Die «New York Times»-Journalistin Jodi Kantor beschreibt in ihrem Buch «The Obamas», wie Michelle zunächst mit der neuen Rolle und den damit verbundenen Einschränkungen zu kämpfen hatte. Angeblich gab es auch Spannungen mit dem Beraterkreis des Präsidenten, weil sich die First Lady zu stark in die Politik einmischen wollte.

Stereotyp der «wütenden schwarzen Frau»

In einem Fernsehinterview wies Michelle Obama diese Darstellung Anfang des Jahres zurück und beklagte, dass die Autorin das Stereotyp der «wütenden schwarzen Frau» bemühe. Auch das Weisse Haus dementierte. Im aktuellen Wahlkampf steht die First Lady jedenfalls öffentlich fest an der Seite des Präsidenten. Seit April nahm sie an mehr als 70 Veranstaltungen teil, um Spenden für die Kampagne ihres Mannes zu sammeln. Dabei achtet sie aber darauf, immer ausreichend Zeit für Malia und Sasha zu haben, die mittlerweile im Teenager-Alter sind.

Die Ehefrauen der US-Präsidentschaftskandidaten spielen in Wahlkämpfen eine hochpolitische Rolle. «Die Amerikaner glauben, dass diese Frauen ein Zeugnis über ihren Mann ablegen können», sagte Catherine Allgor, Geschichtsprofessorin an der University of California und Autorin eines Buches über die Gattinnen der US-Präsidenten, der Nachrichtenagentur AFP. Aus der Art, wie sich der Kandidat im Familienleben verhält, zögen sie Rückschlüsse auf seinen Charakter als möglicher Präsident.

Soziales Engagement der First Lady

Am Ende von Obamas erster Amtszeit scheint Michelle Obama in der Rolle der First Lady angekommen zu sein. In den vergangenen Jahren engagierte sie sich für Familien von Militärangehörigen und im Kampf gegen Fettleibigkeit. Die First Lady legte im Frühjahr 2009 einen 100 Quadratmeter grossen Gemüsegarten im Weissen Haus an. Seitdem lädt sie regelmässig Schüler ein, den Öko-Garten mit neuen Pflanzen zu vergrössern. Etwa ein Jahr später startete Michelle Obama ihre Kampagne «Let's Move», mit der sie junge Menschen zu einem gesünderen und aktiveren Lebensstil bewegen will.

Eine Umfrage des Gallup-Instituts aus dem Mai sah die Zufriedenheit der Wähler mit Michelle Obama bei 66 Prozent. Die Zustimmungsrate für den Präsidenten lag dagegen nur bei 45 Prozent. Angesichts der Enttäuschung über die langsame Erholung der Wirtschaft hat Obama eine Charme-Offensive seiner Gattin bei ihrer Eröffnungsrede auf dem Parteitag dringend nötig.

AFP/mw

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