Ob Trump nun Wikileaks immer noch liebt?

Noch im Wahlkampf lobte der Republikaner die Enthüllungsplattform. Abkühlung oder Schadenfreude ist nun die Wahl.

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Es sieht ganz so aus, als habe die Enthüllungsplattform Wikileaks am Dienstag die Kronjuwelen der CIA frech unters Volk geworfen: Hochentwickelte digitale Werkzeuge zur Ausspähung von Smartphones, Smart-TVs und Computern wurden publik, der angerichtete Schaden für die CIA dürfte beträchtlich sein.

Was wird wohl Donald Trump dazu sagen? «Ich liebe Wikileaks», schwärmte Kandidat Trump während des US-Wahlkampfs im Oktober 2016 und zitierte genüsslich aus gestohlenen E-Mails des Demokratischen Nationalkomitees (DNC). Auch das Konto von Clintons Wahlkampfvorsitzendem John Podesta war gehackt worden, und oft warfen die entwendeten Mails zur Freude Trumps kein gutes Licht auf Clinton und ihr Team.

Dass die Mails nach Auffassung amerikanischer Geheimdienste von Hackern im Auftrag des Kreml geklaut worden waren, tat nichts zur Sache – ja, Trump lud Moskau sogar ein, noch mehr zu hacken. Nun aber kann dank Wikileaks jeder lesen, wie die CIA die digitale Welt ausspioniert.

Die Enthüllungen schaden dem Staat – aber auch Trump?

Ob Trump, inzwischen Präsident, die Enthüllungsplattform noch immer liebt? Sicher ist, dass der Präsident derzeit die US-Geheimdienste nicht mag, schliesslich leckt aus ihnen allerhand Interessantes über Trumps Berührungen mit Russland. Paranoiker brandmarken die Dienste bereits als Komplizen eines «stillen Coups» gegen den Präsidenten. Seine Liebe für Wikileaks aber kann Trump seit Dienstag zumindest nicht mehr öffentlich zeigen. Immerhin ist dem amerikanischen Staat grosser Schaden durch die Enthüllung entstanden. Vorstellbar wäre dennoch, dass Trump eine gewisse Schadenfreude gegenüber den Schlapphüten empfindet: Er glaubt, sie wollten ihm ans Leder, nun gibt Assange ihnen Saures.

Dabei ist es nur Tage her, seit sich Roger Stone, ein Enfant terrible im Umkreis Trumps, in einem bizarren Wutanfall auf Twitter einmal mehr mit einem geheimen Kanal brüstete, dank dem die gehackten demokratischen Mails zur rechten Zeit publiziert wurden. Ob die Liebelei der Trumpisten mit Wikileaks die Enthüllung der CIA-Geheimnisse überlebt? Oder wird sie erkalten, diese Liebe?

Erstellt: 08.03.2017, 11:12 Uhr

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