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Obama holt zur PR-Offensive aus

Mit symbolträchtigen Auftritten und neuen Ideen, BP zur Kasse zu bitten, will US-Präsident Barack Obama verspieltes Vertrauen im Kampf gegen die Ölpest zurückerobern.

Vergleicht die ÖL-Katastrophe mit 9/11: Barack Obama.
Vergleicht die ÖL-Katastrophe mit 9/11: Barack Obama.

Am Montag brach Obama zu seiner mittlerweile vierten Reise an die US- Golfküste auf. Die Reise in die Bundesstaaten Mississippi, Alabama und Florida dauert diesmal zwei Tage. An diesem Dienstag wendet sich Obama zudem erstmals aus dem Oval Office an die Nation, zur besten Sendezeit. Er will laut US-Medien den Plan vorstellen, den britischen Energieriesen zur Einrichtung eines unabhängig verwalteten Treuhandfonds zu zwingen. Aus diesem sollen dann Schadenersatzforderungen beglichen werden.

Für BP wird die Katastrophe immer teurer: Bislang kostete das Öl-Drama den Konzern 1,6 Milliarden Dollar. Obama wird am Mittwoch mit dem BP-Verwaltungsratspräsidenten Carl-Henric Svanberg und vermutlich auch mit BP-Chef Tony Hayward zusammentreffen. Beim Ölkonzern sind seit der Explosion der Bohrinsel vor zwei Monaten mehr als 51'000 Schadenersatzforderungen eingegangen. Rund 25'500 seien bereits beglichen worden, teilte BP mit. Das summiere sich auf 62 Millionen Dollar.

Parallelen zu 9/11

In einem Interview mit der Online-Zeitung «Politico» zog Obama Parallelen zwischen den verheerenden Terroranschlägen vom 11. September 2001 und der Öl-Katastrophe. «Auf dieselbe Weise, wie unsere Sicht auf unsere Verwundbarkeiten und unsere Aussenpolitik durch 9/11 grundlegend geformt wurde, wird aus meiner Sicht diese Katastrophe unsere Denkweise über Umwelt und Energie auf Jahre formen.» Er strebe einen «kühnen» Vorstoss in Richtung eines neuen Energie-Gesetzes an, kündigte der Präsident an.

Der Präsident ist heftiger Kritik ausgesetzt, nicht entschlossen und schnell genug auf die Krise reagiert zu haben. Auch habe er in Auftritten zu kühl auf die Nöte der Menschen reagiert, hiess es. Wird der von Obama geplante, unabhängige Schadenersatz-Fonds Wirklichkeit, würde damit de facto die Kontrolle durch BP über Zahlungen beschnitten, schrieb das «Wall Street Journal».

BP will mehr Öl abpumpen

Auf massives Drängen der US-Regierung sagte BP zudem eine abermalige Ausweitung seines Kriseneinsatzes gegen die Ölpest zu. Bis Ende Juni soll sich die Menge des abgepumpten Öls aus dem lecken Bohrloch verdreifachen, wie ein Regierungsvertreter sagte.

Mit der Zusage reagierte BP auf ein 48-Stunden-Ultimatum der Regierung. Angesichts neuer, alarmierender Schätzungen zum tatsächlichen Ausmass der Ölpest hatte die US-Küstenwache den britischen Konzern zu verstärkten Anstrengungen aufgefordert.

Nach neuen Schätzungen einer von der US-Regierung eingesetzten unabhängigen Expertengruppe fliessen täglich mindestens 40'000 Fass Öl (6,4 Millionen Liter) aus dem lecken Bohrloch in mehr als 1500 Metern Tiefe ins Meer und damit mindestens doppelt so viel wie bisher angenommen. Bislang fing der Konzern nach eigenen Angaben täglich 28'000 Fass auf.

SDA/mt

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