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Obamas geheime Abschussliste

Erstmals sind streng geheime Details über den Drohnen-Krieg der USA an die Öffentlichkeit gelangt. Laut einem Zeitungsbericht entscheidet der US-Präsident persönlich über Leben und Tod.

Oberbefehlshaber und Friedensnobelpreisträger: Barack Obama auf Truppenbesuch. (Archiv)
Oberbefehlshaber und Friedensnobelpreisträger: Barack Obama auf Truppenbesuch. (Archiv)

US-Präsident Barack Obama überwacht einem Medienbericht zufolge persönlich die Auswahl der Zielpersonen für die Drohnenangriffe gegen al-Qaida und andere Terrorgruppen. Am Ende eines mehrstufigen Auswahlprozesses segne Obama ab, welche Verdächtigen auf die «Todesliste» kommen, berichtet die «New York Times» in einem ausführlich recherchierten Artikel. Das Blatt beruft sich dabei auf ehemalige Berater und Spitzenbeamte.

«Er ist entschlossen, dass er die Entscheidungen für das Ausmass der Operationen trifft», zitierte die Zeitung Obamas Berater für Nationale Sicherheit, Tom Donilon. Die «New York Times» beschreibt Einzelheiten des streng geheimen Auswahlprozesses, bei dem rund hundert Antiterrorismus-Experten des Pentagons Verdächtige vorschlagen, gegen die Drohnenangriffe im Jemen und in Somalia ausgeführt werden sollen. In den pakistanischen Stammesgebieten ist der US-Auslandsgeheimdienst CIA für die Vorauswahl zuständig.

Grünes Licht aus dem Oval Office

Die Informationen werden dem Bericht zufolge dann an den Präsidenten weitergeleitet, der für jeden Drohnengangriff in Jemen und in Somalia sowie «besonders komplexe und riskante Angriffe» in Pakistan grünes Licht gebe. Die «New York Times» beschreibt den Ablauf der Beratungen Obamas mit seinen Antiterrorismus-Experten im Lagezentrum im Weissen Haus, bei denen der Präsident Fotos und Kurzbiografien der Verdächtigen studiert, Fragen stellt und schliesslich über Leben und Tod entscheidet.

Obama hatte zu Beginn seiner Amtszeit den Friedensnobelpreis erhalten. Ungeachtet dessen weitete er im Kampf gegen den Terrorismus die US-Drohnenangriffe massiv aus. Ende Januar hatte Obama erstmals öffentlich den Einsatz von Drohnen in Pakistan bestätigt und versichert, dass die Zahl getöteter Zivilisten niedrig sei.

Dunkelziffer bei zivilen Opfern

Spitzenbeamte kritisierten in der «New York Times jedoch, dass angeblich «einstellige» Zahlen von zivilen Opfern in Pakistan «unrealistisch» seien. So würden alle getöteten Männer, die sich in der Nähe des Ziels des Angriffs befunden hätten, automatisch als feindliche Kämpfer eingestuft.

Der «New York Times» zufolge flogen das US-Militär und die CIA in diesem Jahr bereits mindestens 18 Drohnenangriffe in Pakistan, 22 Attacken im Jemen und einen Angriff in Somalia. Erst gestern Montag waren bei einem US-Drohnenangriff im Nordwesten Pakistans nach Angaben pakistanischer Sicherheitskräfte mindestens fünf Aufständische ums Leben gekommen. Die Angriffe sind in der pakistanischen Bevölkerung extrem umstritten, werden von der Regierung in Islamabad aber toleriert.

AFP/ami

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