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Obamas historischer Risikoentscheid

Als erster US-Präsident hat sich Barack Obama für gleichgeschlechtliche Ehen ausgesprochen. Seine Position ist riskant, vor allem aber ist sie richtig.

Outet sich als Befürworter von Homo-Ehen: US-Präsident Barack Obama im Interview in ABCs «Good Morning America».
Outet sich als Befürworter von Homo-Ehen: US-Präsident Barack Obama im Interview in ABCs «Good Morning America».
Keystone
Der Entscheid birgt auch Risiken: US-Präsident Barack Obama.
Der Entscheid birgt auch Risiken: US-Präsident Barack Obama.
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Gegen Homo-Ehen: Der US-Präsidentschaftskandidat der Republikaner Mitt Romney.
Gegen Homo-Ehen: Der US-Präsidentschaftskandidat der Republikaner Mitt Romney.
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Barack Obama hat sich in einer historischen Erklärung als erster amtierender US-Präsident offen für die Homo-Ehe ausgesprochen. «Ich habe in Bezug auf die Homo-Ehe gezögert, zum Teil, weil ich dachte, dass gleichgeschlechtliche Partnerschaften ausreichend seien», sagte Obama gestern in einem Interview dem Fernsehsender ABC. «Mir war bewusst, dass für viele Menschen der Begriff Ehe etwas ist, das mächtige Traditionen beinhaltet, religiöse Überzeugungen und so weiter.» Nun sei es ihm persönlich wichtig, «hervorzutreten und gleichgeschlechtlichen Paaren zuzusichern, dass sie die Möglichkeit haben sollten, zu heiraten».

Schwulen- und Lesbenverbände weltweit begrüssten die Erklärung, zu der sie Obama seit langem aufgefordert hatten. Die polarisierende Frage der Homo-Ehe dürfte nun zu einem prominenten Thema im Präsidentschaftswahlkampf werden.

Auch Joe Biden für Homo-Ehe

Schon als Obama 1996 um einen Sitz im Staatssenat von Illinois kämpfte, setzte er sich für die Homo-Ehe ein. Danach der Kurswechsel: Er befürwortete zwar «häusliche Gemeinschaften», aber nicht die gleichgeschlechtliche Ehe. Gestern jedoch sprach er sich als erster US-Präsident für die Homo-Ehe aus – nachdem zuvor sein Vize Joe Biden sowie mehrere Kabinettsmitglieder diese befürwortet und Obama damit in Zugzwang gebracht hatten.

Sein spätes Eintreten für das schwule Recht auf Ehe birgt freilich politische Risiken: Erst am Dienstag hatten die Wähler im Staat North Carolina der Schwulenehe in einem Referendum eine klare Absage erteilt und ihr Verbot sogar in der Verfassung des Staats verankert. Umfragen ergeben, dass die Hälfte der Amerikaner die gleichgeschlechtliche Ehe ablehnt, besonders ältere Bürger sowie Landbewohner und weisse Amerikaner ohne College-Abschluss sind dagegen.

Romney teilt die Meinung nicht

Um so mehr ist Obama hoch anzurechnen, dass er sich sechs Monate vor der Präsidentschaftswahl endlich für die Schwulenehe erklärte. Sein republikanischer Gegner Mitt Romney hat bereits deutlich gemacht, dass er diese Haltung nicht teilt – was nicht weiter überrascht, da Romney Kandidat einer Partei ist, deren Gesellschaftspolitik reaktionär und bisweilen bigott daherkommt und deren christliche Sozialkonservative am Wahltag gewiss zu Hause blieben, wenn sich Romney dem Präsidenten anschliessen würde.

Zwar hat eine Mehrheit der Bundesstaaten ein Verbot der Schwulenehe bereits gesetzlich verankert, Obamas klare Worte aber werden die Diskussion darüber neu entfachen. Ein Präsident muss führen, weshalb es an der Zeit war, dass Barack Obama endlich Stellung bezog. Mag sein, dass ihm daraus politische Nachteile erwachsen, lobenswert aber ist das politische Coming-out des demokratischen Präsidenten allemal.

Mit Material von der Nachrichtenagentur DAPD

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