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Öl strömt trotz Glocke aus

Der BP-Konzern hat in der Nacht auf Freitag mit Unterwasser-Robotern eine Glocke auf die gekappte Steigleitung des Bohrlochs gestülpt. Das Öl strömt aber weiter aus.

Der nächste Versuch scheitert: Die Glocke verschwindet im ausfliessenden Öl.
Der nächste Versuch scheitert: Die Glocke verschwindet im ausfliessenden Öl.

Die Video-Bilder von der Unglücksstelle in rund 1600 Metern Meerestiefe zeigten, wie die trichterartige Kappe auf das Ende der gekappten Steigleitung gesetzt wurde. Der Trichter soll nun das Abpumpen eines Grossteils des ausströmenden Öls ermöglichen.

Ein BP-Manager nannte als Ziel, mindestens 90 Prozent des auslaufenden Öls absaugen zu können. BP hatte zuvor erklärt, ein vollständig abgedichteter Öl-Absaugtrichter könnte bis Ende des Monats installiert werden. Das Unternehmen setzt vor allem auf Entlastungsbohrungen, die den Ölausfluss stoppen sollen.

Die US-Küstenwache sprach von einem weiteren Fortschritt. Es werde aber noch einige Zeit dauern, bis man beurteilen könne, ob die Methode funktioniere. Es könne sich nur um eine notdürftige Reparatur handeln. Die Arbeiten, das Leck vollständig abzudichten, müssten weiter vorangetrieben werden.

Wütender Barack Obama

US-Präsident Barack Obama warf BP vor, nicht rasch genug auf die schwerste Ölkatastrophe in der US-Geschichte reagiert zu haben. Er sei sehr wütend über die Situation am Golf, sagte Obama in einem CNN-Interview. Da habe jemand nicht an die Konsequenzen seines Handelns gedacht.

Obama wollte am Freitag zum dritten Mal seit der Explosion der Bohrinsel in die Katastrophenregion reisen. Das Weisse Haus sagte eine Asienreise Obamas nach Indonesien und Australien deswegen ab. Der Besuch werde später nachgeholt.

Die US-Regierung stellte dem britischen Energiekonzern eine erste Rechnung über 69 Millionen Dollar aus. Präsidentensprecher Robert Gibbs erklärte, damit sollten den US-Steuerzahlern die Kosten zur Bekämpfung der Ölpest erstattet werden.

Mehrere Fehlschläge

Vor dem Anbringen des Absaugtrichters war erfolglos versucht worden, eine riesige Kuppel über das gesamte Leck zu stülpen. Auch das Pumpen von Schlamm in die defekte Anlage brachte die Quelle nicht zum Versiegen.

BP gab die bislang entstandenen Kosten mit rund einer Milliarde Dollar an. Experten rechnen damit, dass der Konzern im schlimmsten Fall für die Reinigung von Meer und Küste Kosten bis zu sechs Milliarden Dollar bezahlen muss. Ratingagenturen stuften die Kreditwürdigkeit von BP herab.

Nach einer Studie der Universität von Miami erstreckt sich der Ölteppich im Golf inzwischen auf einer Fläche von rund 25'000 Quadratkilometern.

Die Ölpest nähert sich Florida

Nach Louisiana, Mississippi und Alabama bereiteten sich auch die Behörden von Florida auf eine Verseuchung ihrer Küsten vor. Dort wurde damit gerechnet, dass das Öl spätestens am Samstag an Land gespült werde. Die Strände im Nordosten Floridas sind als Ferienziel beliebt und haben grosse wirtschaftliche Bedeutung.

Die Bohrplattform «Deepwater Horizon» war am 20. April im Golf von Mexiko nach einer Explosion gesunken. Elf Menschen kamen ums Leben. Seit dem Unglück strömen aus einem Bohrloch jeden Tag bis zu drei Millionen Liter Öl ins Meer.

SDA/mt

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